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Open-Source-Guru fordert: Sun soll Java freigeben

16.02.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Vorsitzende der Open Source Initiative (OSI), Eric Raymond, hat Sun in einem offenen Brief dazu aufgefordert, den Quellcode von Java offen zu legen.

Raymond kritisiert, dass Sun einerseits die Nähe zur Open-Source-Community betone, andererseits die Kontrolle über die Technologie nicht aus der Hand geben wolle. Dies schade der Akzeptanz von Java, weswegen immer mehr Entwickler und Anwender Script-Sprachen wie Python und Perl nutzten. Aufgrund der Lizenzbestimmungen sei es einigen Linux-Distributionen nicht möglich, Java als Browser-Plug-In mitzuliefern. Sun habe Millionen potenzieller Alliierte, die gern in Java entwickeln würden, dies aber nicht könnten, ohne die Kontrolle über ihre eigene Zukunft Sun zu überlassen.

Mit seinem Brief reagierte Raymond auf eine Rede, in der Sun-Geschäftsführer Scott McNealy sagte, dass Sun mit der zunehmenden Verbreitung von quelloffener Software, die kostenlos zu haben sei, besser zurechtkomme als die Konkurrenz. "Das Open-Source-Modell ist unser Freund", so der Sun-Chef.

Einer Freigabe von Java könne dessen Plattformunabhängigkeit gefährden, reagierte Sun auf den Brief Raymonds. Daran müsse Microsoft interessiert sein, da Java-Anwendungen unabhängig vom Betriebssystem laufen und damit über kuz oder lang die Bedeutung von Windows geschwächt werde.

Experten wie Shawn Willet von Current Analysis zufolge sollte Sun zwar auf die Bedenken der Open-Source-Community hinsichtlich der Lizenzbedingungen von Java eingehen. Doch Raymonds Vorhersage, Sprachen wie Python würden der Technologie den Rang ablaufen, gingen an der Realität vorbei. Java sei mittlerweile Teil der Ausbildung von Softwareentwicklern. (lex)