Advantest vs. Gender Pay Gap

Null Prozent Lohndifferenz zwischen Mann und Frau

12.04.2021
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Karriere und Management in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit über 20 Jahren. Langweilig? Nein, sie entdeckt immer neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und im eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisiert.
Advantest hat seine Gehaltstrukturen überprüfen lassen. CEO Peter Wewerka will binnen zwei Jahren den Gender Pay Gap schließen.
Frauen erhalten immer noch weniger Gehalt als ihre Kollegen, das ergab eine große Untersuchung von Gehalt.de.
Frauen erhalten immer noch weniger Gehalt als ihre Kollegen, das ergab eine große Untersuchung von Gehalt.de.
Foto: Syda Productions - shutterstock.com

Zum Equal Pay Day 2021 haben Gehalt.de und die comdirect-Initiative finanz-heldinnen 143.975 Datensätze untersucht, um der Lohnlücke zwischen Frauen und Männern auf den Grund zu gehen. Unter IT-Fachkräften beträgt die bereinigte Entgeltlücke 6,2 Prozent, in der IT-Leitung sind es 4,2 Prozent.

Lohngerechtigkeit im Fokus

Dass Lohngerechtigkeit ein wichtiges Thema ist, erkennen mittlerweile einige Unternehmen. "Bewerberinnen und Bewerber fragen uns nach gleicher Bezahlung, CO2-Bilanz und der sozialen Verantwortung des Unternehmens," stellt Claudia Hiesel, Personalerin bei Advantest fest. So ließ der Hersteller automatischer Testsysteme für die Halbleiterindustrie seine Gehaltsstrukturen vom Great Place to Work Institut prüfen und zertifizieren.

Zwar hat Advantest - bereits mehrfach als einer der besten Arbeitgeber ausgezeichnet - das Zertifikat "Fair Compensation" erhalten, da die durchschnittliche Abweichung der Vergütung zwischen Frauen und Männern keine fünf Prozent betrug. Jedoch lag man nur knapp unterhalb dieser Grenze, so Hiesel: "Für uns war das Ergebnis der Analyse einerseits eine positive Bestätigung, dass wir lohngerecht bezahlen. Anderseits waren wir überrascht, dass es doch an einigen Stellen etwas zu tun gibt."

Kein Gender Pay Gap beim Berufseinstieg

CEO Peter Wewerka gibt als Ziel aus, in ein bis zwei Jahren null Prozent Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen zu haben: "Nach der Analyse haben wir gemeinsam mit unseren Führungskräften begonnen, die Gehälter Schritt für Schritt anzupassen." Die Analyse lieferte Advantest wertvolle Einsichten, etwa warum und wann es zur Differenz gekommen ist, so Wewerka weiter. "Wesentliche Gründe sind vor allem Karrieresprünge oder Wechsel in andere Unternehmensbereiche. Dies haben wir künftig besser im Blick."

Peter Wewerka, Managing Director Advantest: Nach der Analyse haben wir gemeinsam mit unseren Führungskräften begonnen, die Gehälter Schritt für Schritt anzupassen.
Peter Wewerka, Managing Director Advantest: Nach der Analyse haben wir gemeinsam mit unseren Führungskräften begonnen, die Gehälter Schritt für Schritt anzupassen.
Foto: Advantest

Auch zeigte die Auswertung, dass der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen umso geringer war, je höher die Position war, auf der die Frau eingestiegen oder tätig ist. Gar keine Lohndifferenz gibt es zudem bei Berufseinsteigern. "Das ist nicht verhandelbar" , unterstreicht Claudia Hiesel. Hier gebe es vordefinierte Bandbreiten, die jährlich anhand von Marktreferenzdaten überprüft würden.

Advantest sucht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Forschung und Software-Entwicklung, Produktionssteuerung, Einkauf und auch IT. In der Administration (HR, IT) habe man einen hohen Frauenanteil, so Hiesel. Insgesamt sei man mit 20 Prozent Frauen aber noch nicht dort, wo man hinwolle. "Da gibt es noch Luft nach oben." Die Fluktuationsrate tendiere gegen Null, so CEO Wewerka: "Darauf sind wir stolz. Wir bilden ja auch aus und bieten duale Studiengänge an. Einige Kinder unserer Mitarbeitenden sind schon als Studierende oder Auszubildende bei uns."