Great Place to Work

Mobile Work erfordert mehr Kommunikation

10.05.2021
Von 
Karriere und Management in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit über 20 Jahren. Langweilig? Nein, sie entdeckt immer neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und im eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisiert.
Eine gute Arbeitskultur kostet Geld und Zeit, ist aber der Kitt, der Unternehmen krisenfester macht, sagt Holger Wolff, Geschäftsführer von MaibornWolff.
Holger Wolff, Geschäftsführer MaibornWolff: "Wir rechnen damit, dass unsere Umsetzungsteams in einer Post-Corona-Welt wieder andere Wege der Zusammenarbeit etablieren - vermutlich räumlich verteilter, dafür mit expliziten Team-Tagen vor Ort."
Holger Wolff, Geschäftsführer MaibornWolff: "Wir rechnen damit, dass unsere Umsetzungsteams in einer Post-Corona-Welt wieder andere Wege der Zusammenarbeit etablieren - vermutlich räumlich verteilter, dafür mit expliziten Team-Tagen vor Ort."
Foto: Wolff - MaibornWolff

93 ITK-Unternehmen hat Great Place to Work in dem Jahr auf Basis einer anonymen Mitarbeiterbefragung und einem Kulturaudit zu besten Arbeitgebern gekürt. So viele wie nie zuvor. Der Münchner IT-Dienstleister MaibornWolff mit 600 Beschäftigten ist zum zwölften Mal einer von ihnen. Im Interview verrät Geschäftsführer Holger Wolff, wie das Miteinander erhalten bleibt und wie Raum für persönliche Begegnungen geschaffen werden kann.

Herr Wolff, mittlerweile ist MaibornWolff an acht Standorten vertreten. Wie haben sich bei Ihnen die Arbeitsbedingungen im vergangenen Jahr verändert?

Holger Wolff: Wir sind durch die Arbeit im Mobile Office deutlich remote-fähiger geworden und haben viel gelernt für das standortübergreife Arbeiten. Zusätzlich finden wir für viele Begegnungen andere Formen, vom Kennerlerngespräch online (oder letzten Sommer auch bei einem Spaziergang) übers Onboarding mit mehr Remote-Anteilen bis zu virtuellen Kaffeerunden und Team-Events. Schließlich sind wir auch in der Kommunikation asynchroner aufgestellt, bieten Aufzeichnungen der wöchentlichen Allhands-Runden an, fassen wichtige Neuigkeiten in Posts auf und ähnliches.

Wie reagiert Ihr Team auf diese Veränderungen?

Wolff: Viele Menschen in unserem Team schätzen dabei die hohe Flexibilität, die wir bei Arbeitszeit und -ort einräumen. Das war schon vor Corona typisch für uns, im letzten Jahr haben wir sie weiter verbessert. Die Flexibilität hilft natürlich gerade Kolleginnen und Kollegen mit Familienanforderungen wie Betreuung und Home Schooling, in ihren Teams zu den Uhrzeiten produktiv zu sein, die machbar sind. Zusätzlich haben wir ausgleichende Gehaltsregelungen für die von Home-Schooling und Kinderbetreuung Betroffenen geschaffen, um etwas Druck rauszunehmen. Aber auch Kolleginnen und Kollegen ohne Kinder profitieren davon und machen zum Beispiel tagsüber Sport. Das hört sich banal an, und kann für die eine oder den anderen in psychisch anspruchsvollen Lockdown-Phasen ein Wohlfühlfaktor sein.

Ist eine Rückkehr in die Büros geplant?

Wolff: Wir stellen mittlerweile bei einigen den Wunsch fest, wieder ins Büro zu kommen. Gerade die soziale Komponente von zufälligen Begegnungen fehlt im Homeoffice. Das versuchen wir bei aller Vorsicht wieder möglich zu machen, mit einem klugen Konzept aus UV-C-Luftfilter, Tests, Sitzabstände und Abtrennungen.

Wie schaffen Sie es, ihre Arbeitskultur zu erhalten?

Wolff: Unsere Kultur erweist sich als resilient - und wir profitieren vom ausgezeichneten Miteinander, dass es vor Corona schon gab. Um unseren hohen Stand zu halten, achten wir auf drei Dinge:

Wir planen und preisen mehr Zeit für Kommunikation im Team ein. Das ist unternehmerisch durchaus fordernd, da die Tagessätze nicht steigen.

Wir schaffen Rahmenbedingungen für Begegnungen: Events müssen nicht immer nach dem Motto "alle in einen Raum stattfinden" - es können sich auch mehrere kleine Gruppen untereinander vernetzen. Wir wägen immer ab, wo ein persönliches Treffen doch möglich und vertretbar sein könnte. Diese regelmäßigen Ausnahmen sind identitätsstiftend.

Schließlich braucht es von uns als Geschäftsführer und Führungskräften immer wieder ein "Gesicht zeigen". Das bedeutet mehr explizites Nachfassen in Führungsbeziehungen und regelmäßig auf internen Kanälen präsent zu sein. Das hört sich einfach an, braucht aber Zeit neben dem Tagesgeschäft.

Was ist Ihre Prognose für das Arbeiten post Corona?

Wolff: Wir rechnen damit, dass unsere Umsetzungsteams in einer Post-Corona-Welt wieder andere Wege der Zusammenarbeit etablieren - vermutlich räumlich verteilter, dafür mit expliziten Team-Tagen vor Ort, zum Beispiel rund um Retro und Planning beim Sprintwechsel.

Ganz sicher wollen wir Events mit Teams oder der ganzen Firma wieder zusammen feiern, angefangen vom Projekt-Highlight über unsere Firmenseminar bis zur Weihnachtsfeier. Wir wagen uns vor und planen für den Sommer ein auf sechs Gruppen verteiltes Firmenseminar.

Und auch die wichtigen Termine - Kennenlern-Gespräche, Onboarding, die ersten Wochen, wichtige Feedback-Gespräche oder auch Kick-Workshops bei neuen Projekten - dürfen sehr gern wieder vor Ort in unseren schönen Meetingräumen stattfinden.