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Mobilcom: Schmid erhält Schonfrist

10.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Mobilcom -Gründer Gerhard Schmid wird bis auf weiteres seinen Posten als Vorstandsvorsitzender beibehalten. Nach Angaben eines Sprechers des Büdelsdorfer Mobilfunkanbieters endete die Aufsichtsratssitzung am vergangenen Freitag ohne Beschlüsse, die nach den Börsenregeln veröffentlicht werden müssten. Weitere Informationen oder eine Presserklärung werden nicht herausgegeben, hieß es.

Seit Schmid auf Hauptversammlung Ende Mai mit großer Mehrheit die Entlastung verweigert worden war, mehrten sich die Spekulationen über einen anstehenden Rauswurf oder Rücktritt des Firmengründers. So hatte Schmid noch am Donnerstag vergangener Woche gegenüber der "Financial Times Deutschland" erklärt, dass das umstrittene Aktienoptionsprogramm mit der von Ehefrau Sybille Schmid-Syndram geführten Millennium GmbH noch nicht rückgängig gemacht worden sei. Seine Gattin habe Mobilcom jedoch ein Angebot gemacht. Gleichzeitig verkündete Schmid damals, er sehe keinen Grund, selbst das Handtuch zu werfen: Wenn France Télécom die Kontrolle übernehmen wolle, sollten die Franzosen ihm und den anderen Aktionären ein Angebot machen (Computerwoche online berichtete). Schmid hält zusammen mit seiner Ehefrau rund 50-Prozent der Mobilcom-Aktien.

France Télécom, Großaktionär mit 28,5 Prozent der Mobilcom-Aktien, zeigte sich sehr enttäuscht über den Ausgang der Aufsichtsratssitzung. Der TK-Konzern kündigte an, er werde in den nächsten Tagen mögliche Optionen über Mobilcom prüfen. Presseberichten zufolge planen die Norddeutschen bereits in Kürze eine weitere Aufsichtsratssitzung, auf der eine Lösung im Konflikt zwischen Schmid und France Télécom gesucht werden soll. Die Zeit drängt, da bereits Ende Juli eine Kreditlinie in Höhe von 4,7 Milliarden Euro ausläuft. Ohne die Hilfe der Franzosen ist Mobilcom kaum in der Lage, die Verbindlichkeiten umzuschulden. Die Folge wäre eine Insolvenz der Büdelsdorfer, France Télécom würde wiederum eine Schadensersatzklage drohen.

Im Zusammenhang mit dem umstrittenen Aktienoptionsprogramm ist nun erstmals auch der Finanzchef Thorsten Grenz ins Zwielicht geraten. Einem Bericht des "Manager Magazin" zufolge hatte der bereits als möglicher Nachfolger Schmids gehandelte Vorstand entgegen früheren Aussagen doch Kenntnis von der Transaktion. Das Blatt bezieht sich bei seiner Behauptung auf eine E-Mail vom 21. Juli vergangenen Jahres, in der Schmid seinem Finanzchef Details des geplanten Programms mitteilt. Bislang wurde davon ausgegangen, dass der Vorstandsvorsitzende die Transaktion im Alleingang vorgenommen hatte. Nach Ansicht des Aufsichtsrats hat Schmid damit gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen und sollte das Geschäft bis zur Sitzung am Freitag vergangener Woche rückgängig machen. (mb)