Knapp zehn Prozent der Vertriebler müssen gehen

Microsoft stellt Vertrieb neu auf

10.07.2017
Das weltgrößte Softwarehaus will sich noch intensiver auf das Cloud-Business konzentrieren und hat zu diesem Zwecke eine Reorganisation eingeleitet. Im Vertrieb sollen weltweit zwischen 3000 und 5000 Stellen wegfallen.
Zieht zusammen mit Jean-Philippe Courtois im Microsoft-Vertrieb die Fäden: Judson Althoff.
Zieht zusammen mit Jean-Philippe Courtois im Microsoft-Vertrieb die Fäden: Judson Althoff.
Foto: Microsoft

Microsoft wird etwas weniger als zehn Prozent seiner rund 50.000 Mitarbeiter starken weltweiten Vertriebsmannschaft abbauen. Wie das Unternehmen mitteilt, sollen zu 75 Prozent Beschäftigte betroffen sein, die ihren Job außerhalb der Vereinigten Staaten verrichten. Die Angaben zu konkreten Zahlen sind unscharf, sie schwanken zwischen 3000 und 5000. Deutschland-Chefin Sabine Bendiek gab unterdessen in einer E-Mail an die deutschen Mitarbeiter Entwarnung: Im Zuge der digitalen Transformation entstehe hierzulande ein Marktpotenzial von 32 Milliarden Euro. Deutschland sei in einer guten Position, im Zuge der Neuausrichtung könnten sogar mehr Arbeitsplätze entstehen.

Vergangene Woche hatte Topmanager Judson Althoff in einer E-Mail an die Mitarbeiter erklärt, das Sales-Team solle sich künftig klarer einerseits auf Großunternehmen, andererseits auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ausrichten. Die bisherige Orientierung an Branchen oder bestimmten Marktsegmenten wie Behörden oder Startups werde überarbeitet. Microsoft wolle den Fokus im Zuge der Cloud-Orientierung künftig mehr auf umfassende Lösungen legen und weniger auf verkaufte Softwarelizenzen.

Digital Leader Initiative

Das Softwarehaus werde Unternehmens- und Privatkunden sowie Partner in der digitalen Transformation unterstützen, hieß es, dafür müsse man technisch mehr in die Tiefe gehen und die Sales- und Serviceorganisation besser mit den Lösungsbereichen abstimmen. Über direkte und indirekte Kanäle soll Kunden so unter die Arme gegriffen werden, dass sie erfolgreicher sein können. Zudem wolle Microsoft den Mittelstand und Großkonzerne jeweils gezielter angehen.

Enterprise-Sparte nimmt sechs Kernindustrien in den Fokus

Das Webzine "GeekWire" berichtete, Microsoft werde sich im Enterprise-Bereich auf sechs Kernindustrien konzentrieren: Industrie, Finanzdienstleistungen, Handel, Gesundheitswesen, Bildung und Behörden. Dabei sollen sich die Vertriebler auf den Arbeitsplatz der Zukunft, Business-Anwendungen und Apps sowie Infrastrukturlösungen konzentrieren. Eine zentrale Rolle wird dem Memo zufolge der "Digital Win Room" spielen, eine konzerninterne Gruppe, die "einige der größten Gelegenheiten weltweit so flink wie möglich wahrnehmen soll". Dieses Team arbeite zusammen mit der neuen Unit Commercial Software Engineering (im Memo als die "Global Black Belts" bezeichnet), um die Sales-Teams weltweit zu dirigieren und zu unterstützen.

Im Privatkundenbereich will Microsoft der internen Mitteilung zufolge vorankommen, indem beruflich genutzte Arbeitsplatzlösungen wie Surface, Windows-Devices oder Office 365 auch für den Privatgebrauch begehrlicher werden sollen. Eine große Chance böten Gaming-Produkte, die auf allen Endgeräten auf dem Vormarsch seien. Microsoft hatte erst kürzlich den zugekauften Streaming-Dienst Beam unter dem neuen Brand "Mixer" herausgebracht und in die Xbox integriert.

Große Hoffnungen in diesem Markt ruhen auf der sogenannten Mixed Reality: Vom hauseigenen HoloLens-Headset erwartet der Konzern ebenso Impulse wie von zahlreichen weiteren Augmented- und Virtual-Reality-Lösungen, die im Laufe des Jahres von Partnern herausgebracht werden sollen. Im Memo heißt es auch: "Wir werden ebenso neue IoT-Lösungen für vertikale Märkte herausbringen, und Märkte wie Spracherkennung, Mixed Reality und Künstliche Intelligenz verfolgen". (hv)