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Microsoft kauft Connectix' virtuelle Maschinen

20.02.2003
Microsoft kauft die VM-Technik von Connectix, damit Kunden ihre NT-Legacy-Software weiter nutzen können. Konkurrent VMware muss sich nun vermutlich wärmer anziehen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Seit Jahren bedient Connectix Macintosh-Anwender mit seinem "Virtual PC", der x86-Betriebssysteme in einer virtuellen Maschine abläufen lässt. Zwischenzeitig handelte sich die in San Mateo ansässige Softwareschmiede einigen Ärger mit Sony ein, nachdem es dessen "Playstation" virtualisierte und für Mac und Windows feilbot. Den "Virtual PC" gibt es seit einiger Zeit auch für Windows, unter anderem in einer Spezialversion, die OS/2 als Host- oder Gastbetriebssystem verwenden kann.

Ende vergangenen Jahres schließlich brachte Connectix auch noch eine Vorabversion von "Virtual Server" auf den Markt, das einen Windows-Server in bis zu 64 virtuelle Maschinen dividiert (Computerwoche online berichtete). Dies hat offenbar Microsoft gut in den Kram gepasst, denn der Redmonder Konzern übernimmt Connectix' Emulationssparte mit 30 Mitarbeitern (insgesamt arbeiten rund 100 Menschen für Connectix) für eine ungenannte Summe. Ein wichtiges Motiv dürfte die Möglichkeit sein, NT4-Anwendern den Weiterbetrieb ihrer "Legacy"-Software zu ermöglichen und sie trotzdem zum Umstieg auf Windows Server 2003 zu bewegen, das im April erscheinen soll.

Um den Virtual PC für den Mac kümmert sich künftig Microsofts MacBU. Dem Redmonder Konzern dürfte es aber vorrangig um Connectix' Server-Technik gehen.
Um den Virtual PC für den Mac kümmert sich künftig Microsofts MacBU. Dem Redmonder Konzern dürfte es aber vorrangig um Connectix' Server-Technik gehen.

Den Virtual PC für Apple-Rechner überlässt man zu treuen Händen der Macintosh Business Unit (MacBU), die sich um Vertrieb und Weiterentwicklung kümmern wird. Tim McDonough, Marketing-Chef der MacBU, erklärte, Microsoft habe die Software "nicht erworben, um sie zu killen". Nach Angaben von Connectix gibt es derzeit rund eine Million registrierte Nutzer von Virtual PC für den Mac.

Nach Aussagen von Connectix' Vice-President Kurt Schmucker kam die Übernahme durch Microsoft nach Monate langen Verhandlungen zustande. Ähnliche Gespräche gab es offenbar auch zwischen Microsoft und VMware, das vor allem bei der Server-Virtualisierung schon mehr Erfahrung und Produkte vorweisen kann. CEO (Chief Executive Officer) Diane Greene wollte dazu aufgrund einer Stillschweigevereinbarung gegenüber dem "Wall Street Journal" keine Stellung nehmen. Angesichts des Einstiegs von Microsoft in VMwares Kernmarkt macht sich Greene aber verständlicherweise Sorgen. Microsoft will sein auf Connectix-Technik basierendes Server-Produkt nach Angaben von Produkt-Manager Jim Hebert im Herbst dieses Jahres auf den Markt bringen. (tc)