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Microsoft: Dateisystem für Longhorn wird nicht fertig

14.05.2004

Das Dateisystem "WinFS", das in den Windows-XP-Nachfolger Longhorn integriert werden soll, wird mit den geplanten Markteinführungen der Client-Version (Mitte 2006) und der Server-Variante (Anfang 2007) des Betriebssystems nur funktionsreduziert zur Verfügung stehen.

Mit der von Microsoft-Gründer und Chief Software Architect Bill Gates als "heiliger Gral" von Longhorn bezeichteten weiterentwickelten Suchfunktion ist laut Bob Muglia, Senior Vice President der Windows-Server-Entwicklung, kaum vor 2009 zu rechnen. Auswirkungen habe das insbesondere dann, wenn Longhorn als Server für Arbeitsgruppen und Collaboration-Funktionen genutzt werden soll. Die über Clients angebundenen Anwender könnten in diesem Fall WinFS nicht zum Auffinden gespeicherter Inhalte nutzen.

WinFS soll die Suche nicht nur nach Dateinamen und Inhalten Text-basierender Dateien ermöglichen, sondern auch nach unabhängig vom Dateityp hinterlegten Metainformationen. Ein Anwender muss dann zum Beispiel nicht mehr wissen, wie er eine bestimmte MP3-Datei bezeichnet hat, um diese wieder zu finden. Es reicht, den Namen des Liedes oder dessen Interpreten einzugeben. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Informationen in Form von "MP3-Tags" hinterlegt sind.

Die Web-Services-Umgebung "Indigo" wird laut Muglia bereits vor Longhorn bereit stehen. Demnach könnte der Nachfolger des .NET-Frameworks bereits in das Windows-Server-2003-Update "R2" integriert werden, das für 2005 angekündigt ist (Computerwoche.de berichtete). (lex)

Kommentar: Seit Beginn der Windows Hardware Engineering Konferenz (WinHEC) Anfang Mai verging kaum ein Tag, an dem Microsoft keine neue Meldung über Longhorn herausgab. Dabei kristallisiert sich schon fast drei Jahre vor der gestern festgelegten Markteinführung der Server-Version heraus, was bei Microsoft bereits Tradition hat: Der ursprünglich anvisierte Erscheinungstermin lässt sich nicht im Entferntesten halten. Im Mai 2003 nannte Will Poole, Senior Vice President der Windows-Client-Abteilung, 2005 als Starttermin (Computerwoche.de berichtete).

Kunden des Lizenzprogramms "Software Assurance", das Microsoft zu regelmäßigen Updates zwingt, werden mit einem zweiten Aufguss von Windows Server 2003 vertröstet, bis die Server-Version des ursprünglich nur als Client-Betriebssystem geplanten Longhorn 2007 auf den Markt kommt (Computerwoche.de berichtete). Nun bietet das neue Betriebssystem also noch nicht einmal alle versprochenen neuen Funktionen - auf die muss der Kunde mindestens bis 2009 warten. Angesichts solcher Aussichten empfiehlt es sich erneut, mit einer Migration von älteren Windows-Servern auf das neue Betriebssystem abzuwarten, bis alle Funktionen in Form eines Service Packs nachgereicht werden, oder den Einsatz einer Betriebssystem-Alternative in Erwägung zu ziehen.

Was sich Microsoft für Software-Assurance-Kunden von Windows XP einfallen lässt, das zur geplanten Einführung des Longhorn-Client fünf Jahre alt sein wird, steht noch in den Sternen.

Indes scheint die Kommunikationsstrategie der Gates-Company ihre Wirkung nicht zu verfehlen: Sie verunsichert die Open-Source-Community. So denken die quelloffenen Projekte Mozilla und Gnome bereits über eine gemeinsame Strategie gegen das neue Microsoft-Betriebssystem nach. Dabei zeigen sich selbst erfahrene Open-Source-Veteranen wie Bruce Perens, Brendan Eich und Nat Friedman skeptisch, ob sie gegen die gebündelte Entwicklungsmacht von Microsoft bestehen können (Computerwoche.de berichtete).

Anwender sollten sich dagegen nicht ins Bockshorn jagen lassen und die zur Verfügung stehenden Alternativen dann prüfen, wenn sie sie benötigen. Für den Einsatz eines Systems entscheidend sollten Themen wie Produktivität, Kosten und Investitionssicherheit, aber nicht in Aussicht gestellte Funktionen sein, die in der ursprünglich angekündigten Form womöglich nie eingeführt werden. (lex)