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Microsoft behauptet sich in der Krise

19.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Selbst der Softwareriese Microsoft konnte sich im Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr der Branchenflaute nicht entziehen. Angesichts von Einnahmen in Höhe von 28, 37 Milliarden Dollar und 7,83 Milliarden Dollar Nettogewinn sitzen die Redmonder aber nach wie vor krisenfest im Sattel. Die Zeit der großen Umsatzzuwächse, wie sie Microsoft noch Mitte der 90er Jahre an den Tag legte, ist jedoch vorerst vorbei: Im vergangenen Geschäftsjahr verbuchte die Gates-Company bei den Verkäufen lediglich einen Anstieg von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr, für das Schlussquartal meldet Microsoft sogar nur zehn Prozent Wachstum.

In den Monate April, Mai und Juni profitierten die Redmonder von dem guten Absätzen bei ihren Desktop-Plattformen. Insbesondere aufgrund der starken Nachfrage nach "Windows XP" kletterte der Umsatz des Bereichs gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 2,1 Milliarden auf 2,5 Milliarden Dollar. Die Sparte Desktop-Applications konnte ihre Einnahmen von 2,5 Milliarden auf 2,53 Milliarden Dollar steigern. Der Umsatz in der Abteilung Enterprise Software and Services, zu der auch Microsofts "SQL-Server" gehört, wuchs um vier Prozent auf 1,35 Milliarden Dollar.

Unter dem Strich beliefen sich die Einnahmen auf 7,25 Milliarden Dollar nach 6,58 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Der erhoffte Anstieg durch Microsofts neues Lizenzmodell blieb jedoch aus beziehungsweise wird sich erst auf die nächsten Quartale auswirken. Zum Quartalsende hatte der Konzern 7,7 Milliarden Dollar an noch nicht verbuchter Einnahmen in seinen Büchern, rund sechs Milliarden davon werden im nächsten Geschäftsjahr wirksam. Die Gates-Company hatte den Kunden bis zum 31. Juli ein Ultimatum gestellt: Bis dahin müssen sie sich entscheiden, entweder am neuen Lizenzmodell teilzunehmen oder nichts zu tun und damit beim nächsten Release-Wechsel den vollen Lizenzpreis anstelle preisgünstiger Update-Tarife zu bezahlen (Computerwoche online berichtete). Als Nettoergebnis wies Microsoft im Schlussquartal einen Gewinn von 1,53 Milliarden Dollar oder 28

Cent je Aktie aus, verglichen mit einem Profit von lediglich 65 Millionen Dollar oder ein Cent pro Anteil im Vorjahreszeitraum. Damals hatten jedoch Investitionsverluste von 2,63 Milliarden Dollar den Reingewinn deutlich gedrückt. Aufgrund von möglichen Fehlspekulationen schrieb das Unternehmen auch im vierten Quartal 2002 vorsorglich 806 Millionen Dollar ab.

Im Gesamtjahr erzielte der Softwareriese mit einen Nettoüberschuss von 7,83 Milliarden oder 1,41 Dollar pro Aktie - 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr (7,35 Milliarden Dollar). Die Einnahmen kletterten von 25,30 Milliarden auf 28,37 Milliarden Dollar. Für das laufende erste Geschäftsquartal 2003 rechnet Microsoft nun mit Einnahmen zwischen sieben und 7,1 Milliarden Dollar und einem Gewinn pro Aktie im Bereich von 41 bis 42 Cent. Das Gesamtjahr 2003 will die Gates-Company mit bis zu 32 Milliarden Dollar Umsatz abschließen, als Profit je Anteil stellt Microsoft zwischen 1,85 und 1,91 Dollar in Aussicht. (mb)