Freiberufler-Trends 2023

Mehr Geld, mehr Remote

14.12.2022
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Trotz Krise rechnet freelancermap damit, dass die Stundensätze für IT-Freiberufler 2023 weiter steigen.
Früher war es für IT-Freiberufler Pflicht beim Kunden vor Ort zu arbeiten. Seit Corona hat sich das dramatisch verändert, und die Freiberufler dürfen sich auch künftig darauf freuen, viel mehr remote zu arbeiten.
Früher war es für IT-Freiberufler Pflicht beim Kunden vor Ort zu arbeiten. Seit Corona hat sich das dramatisch verändert, und die Freiberufler dürfen sich auch künftig darauf freuen, viel mehr remote zu arbeiten.
Foto: Alex Brylov - shutterstock.com

Wie auch 2021 bleibt Java der meistgesuchte Skill unter den Programmiersprachen. Darüber hinaus sank die Nachfrage nach Scala (minus 28 Prozent) und PHP (minus 13 Prozent). Auftraggeber suchten stattdessen verstärkt nach Freelancern mit Kenntnissen in TypeScript. Diese Programmiersprache verzeichnete einen Anstieg von 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Während Python außerdem ein Plus von zwei Prozent verbucht, sinkt die Nachfrage nach Swift um zwölf Prozent, so aktuelle Auswertungen des Projektportals freelancermap.

Laut Thomas Maas, CEO von freelancermap, ist unter anderem die Kompatibilität von JavaScript und TypeScript Grund für den Boom: "JavaScript ist mittlerweile nicht mehr aus dem Internet wegzudenken, die Programmiersprache wird fast überall verwendet." Das liege daran, dass die Skriptsprache im Vergleich zu vielen anderen leicht zu erlernen sei - wodurch allerdings die Fehlerquote steige. TypeScript wird eingesetzt, um die entstandenen Mängel bei JavaScript auszumerzen. "Auftraggeber suchen womöglich verstärkt nach TypeScript-Spezialisten, weil diese bekanntlich auch JavaScript beherrschen", mutmaßt Maas. Generell, so Maas Eindruck, würden künftig vor allem business-getriebene Programmiersprachen an Bedeutung gewinnen.

SAP dominiert den Markt für Geschäftssoftware

Während die Data-Warehouse-Lösung SAP Business Intelligence (BI) mit 41 Prozent den größten Verlust im Jahresvergleich verzeichnet, gewinnen allgemeine SAP-Skills (plus 39 Prozent) und die Datenbank-Anwendung SAP HANA (plus 27 Prozent) deutlich dazu. Auch Git (plus zehn Prozent) sowie GitLab (plus zwölf Prozent) waren häufiger gefragt als noch 2021.

Git, GitLab und SAP prognostiziert der Experte einen zukünftigen Status als Standard-Tools: "Immer mehr Programmierer griffen in den letzten Jahren auf GitLab und Git zurück. Beide Anwendungen lassen sich damit nur noch schwer vom Markt verdrängen", ist der freelancermap-Chef überzeugt. Gleiches gelte für SAP: Das Unternehmen dominiere die Branche für Geschäftssoftware, was einerseits an dem veränderbaren Quellcode, der es versierten Kunden ermöglicht, eigene Anforderungen einzubauen. Auf der anderen Seite besitzt SAP mit seiner In-Memory-Datenbank HANA ein Produkt, das sich optimal in die SAP-Software-Landschaft einbetten ließe.

Remote-Projekte: Über 100 Prozent Wachstumsrate

Innerhalb der vergangenen fünf Jahre ist laut freelancermap das Angebot von Projekten, die zu 100 Prozent als remote ausgeschrieben werden, deutlich angestiegen. Im Jahr 2017 enthielten weniger als zwei Prozent aller veröffentlichten Projekte auf freelancermap die Option, vollständig remote umgesetzt zu werden. "Mit Beginn der Corona-Krise ist das Remote-Angebot allerdings förmlich explodiert. Im Vergleich zu 2019 wurden im darauffolgenden Jahr 155 Prozent mehr Projekte ausgeschrieben, welche die Möglichkeit boten, vollkommen von zu Hause zu arbeiten," stellt Maas fest. Von allen möglichen Aufträgen waren das zwar immer noch 'nur' rund fünf Prozent, doch der Trend ließ sich schon 2020 nicht leugnen und bricht bis heute nicht ab.

Die Wachstumsrate liegt jährlich bei über 100 Prozent, im Jahr 2022 wurden 27 Prozent der Projekte als Remote-Arbeit ausgeschrieben. "Für das Jahr 2023 erwarten wir, dass etwa ein Drittel aller Aufträge die Remote-Option beinhalten werden", so Maas. Darüber hinaus schossen mit Beginn der Pandemie auch die Angebote mit hybriden Arbeitsmöglichkeiten in die Höhe. Diese Entwicklung würde sich ihm zufolge ebenfalls fortsetzen und sich zunehmend als Standard in der Berufswelt etablieren.

Der Freelancer-Stundensatz 2023

Bereits im Freelancer-Kompass 2022 wurde ermittelt, dass der Stundensatz bei Selbständigen erstmals nach zwei Pandemiejahren wieder anstieg und somit bei 96,24 Euro lag (2021: 94,31 Euro). Maas geht davon aus, dass dieser Wert im nächsten Jahr nochmals steigt: "Unseren Berechnungen zufolge könnten Freelancer 2023 Vergütungen in Höhe von durchschnittlich etwa 98,35 Euro pro Stunde fordern." Der Fachkräftemangel in Deutschland gebe den freien Experten das Ruder in die Hand - das betreffe vor allem die IT-Branche, weshalb hochspezialisierte Freelancer ihre Stundensätze aller Voraussicht nach anheben werden.