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Macworld Expo: Steve Jobs nur evolutionär

19.07.2001
Keine Sensationen hatte Apples CEO in seiner Keynote anzukündigen: Mehr Megahertz für iMac und G4 Desktop, Mac OS X 10.1 und jede Menge Software für das neue Betriebssystem.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Apple-Chef Steve Jobs eröffnete gestern Nachmittag mit seiner Keynote die Macworld Expo in New York. Sensationen hatte er keine im Gepäck, sondern nur evolutionäre Updates für Hard- und Software. Wer etwa einen iMac ohne oder mit Flat-Panel-Display oder einen Handheld mit Apfel-Logo erwartet hatte, wurde enttäuscht. Auf das erste größere Mac-OS-X-Update müssen die Anwender noch bis September warten.

"Wir haben heute tolle Sachen für Euch - also lasst uns loslegen", begann Jobs (wie üblich in Jeans und schwarzen Langarm-T-Shirt) verheißungsvoll seine New Yorker Ansprache. Den Anfang machte ein doppelter Video-Blick in die neuen Apple-Store-Ladengeschäfte. Vier neue will der Hersteller im August eröffnen. Jobs proklamierte dies als neue, lösungsbasierte Art des Produktverkaufs. Der Erfolg der ersten beiden Stores war angeblich schlicht "terrific" - Zahlen zum Umsatz blieb der Apple-Chef jedoch schuldig.

OS X im Mittelpunkt

Nächster und offensichtlich wichtigster Programmpunkt war Mac OS X (sprich: Mac OS Ten), Apples neues Unix-basiertes Betriebssystem. Auf einer symbolischen Uhr für die einjährige Übergangsphase vom klassischen Mac OS zu OS X stünden die Zeiger zurzeit auf vier Uhr, alles verlaufe nach Plan, so Jobs. Über 1000 native Anwendungen seien bereits zu haben, viele weitere würden folgen.

Als Beweis präsentierte der Apple-Lenker dann "10 on X" - eine Bühnendemo zehn wichtiger Programme, die schon heute oder zumindest in Kürze unter Mac OS X laufen. Der Reihe nach wurden Microsoft Office - Unit Manager Kevin Browne pries Excel als "die schönste Version, die wir je auf irgendeiner Plattform abgeliefert haben" -, Adobes "Illustrator" und "Indesign", Quark "XPress" 5.x mit integriertem Web-Publishing - hier gab im Vorfeld Gerüchte, der Layout-Klassiker werde in einer OS-X-Version noch länger auf sich warten lassen -, die Datenbank "Filemaker" Server 5.5 von Filemaker, eine Technology Preview des Windows-Emulators "Virtual PC" von Connectix mit eindrucksvoller "AutoCAD"-Demo unter Windows 98 (und das wiederum unter Mac OS X), IBMs Spracherkennung "Viavoice" mit G4- und Multiprozessor-Optimierung, die multimediale Enzyklopädie "Worldbook" aus dem gleichnamigen Worldbook-Verlag, Blizzards 3D-Strategiespiel "Warcraft III", das zeitgleich mit der PC-Version erscheinen soll (OpenGL machts möglich) - von Steve Jobs ob seiner Blutrünstigkeit als "Preview des Kampfes zwischen AOL und Microsoft im nächsten Jahr" bezeichnet -, Activisions Skateboard-Simulation "Pro Skater II" in der Lizenzausgabe von Aspyr Media (ebenfalls mit OpenGL-Grafik) und last, but not least das 3D-Autorensystem "Maya" von Alias Wavefront.

Für die teils recht ausführlichen Software-Demonstrationen ließ Steve Jobs rund eine Dreiviertelstunde verstreichen. Dann kündigte er das erste größere Update für das neue Apple-Betriebssystem an, Mac OS X 10.1. Verbesserungen versprach der Apple-Chef vor allem in Sachen Geschwindigkeit. Ferner habe man die "Aqua"-Oberfläche verbessert (verschiebbares Dock, schnellere Menüs, schnellerer Start von Anwendungen, neue "Systemmenüs" außerhalb des Docks etc.). Auch DVDs lassen sich endlich abspielen, CDs wie unter dem klassischen Mac-OS direkt vom Desktop aus brennen. Netzwerker dürften sich über den integrierten SMB-Client für Windows-Interoperabilität freuen, Internet-Arbeiter über die integrierte WebDAV-Unterstützung (Web Distributed Authoring and Versioning).

Die schlechte Nachricht: 10.1 gibt es erst um "sechs Uhr", besser gesagt im September - als kostenloses Update für registrierte Besitzer von Mac OS X (das seit Mai mit jedem neuen Macintosh geliefert wird). Mit keinem Wort erwähnt wurde übrigens das Entwicklern zufolge eigentlich längst fertige Wartungsupdate 9.2 für das "klassische" Mac OS.

Hardware: Nur Evolution, keine Revolution

Nach so viel Software fragte sich das Publikum langsam aber sicher, was da noch an neuer Hardware kommen konnte. Um es vorab zu sagen: Keine neuen Portables, geringfügig verbesserte Desktops.

Mit dem erst am 1. Mai vorgestellten iBook ist Jobs mehr als zufrieden: 182.000 Stück verkaufte Apple seither. Bestellungen gab es sogar noch mehr, der Apple-Chef musste einen gewissen Lieferengpass einräumen. Nur Lobeshymnen projizierte Jobs´ Beamer auch für das Highend Powerbook G4. Mehr aber auch nicht - beide Geräte bleiben unverändert.

iMac - Schluss mit psychedelic

Anders der iMac: Drei neue iMac-Konfigurationen kündigte Steve Jobs an. Von ihren Vorgängern unterscheiden sich diese vor allem durch schnellere CPUs - 700 Megahertz im Topmodell - und größere Festplatten. In Sachen Farbgestaltung heißt es Kommando zurück zu den schlichten Tönen weiß ("snow"), grau ("graphite") und blau ("indigo") - die von vielen von vornherein als Geschmacksverirrung verdammten bunten Muster der letzten Serie ("flower power", "blue dalmatian") sind schon vergessen und wurden mit keiner Silbe mehr erwähnt. Die Konfigurationen im Detail:

500 Megahertz schneller Power-PC G3 mit 256KB L2-Cache, 128 MB SDRAM-Arbeitsspeicher, 20-GB-Festplatte (Ultra-ATA), CD-RW Laufwerk, Grafikkarte ATI "Rage 128 Ultra" mit 16 MB Bildspeicher, Ethernet (10/100Base-T), Modem mit 56 Kbit/s, je zwei USB- und Firewire-Schnittstellen, blau und weiß, Preis 3000 Mark (hierzulande für 500 Mark weniger auch "abgespeckt" mit einfachem CD-ROM-Drive und Rage 128 Pro/8MB, nur in blau);

600 Megahertz G3, 256 MB Hauptspeicher, 40-GB-Festplatte, weiß und grau, Preis 3500 Mark, sowie

700 Megahertz G3, 60-GB-Festplatte, weiß und grau, Preis 4000 Mark.

Powermac G4: Quecksilber

Neben mehr Megahertz haben die Apple-Designer beim G4 Desktop die Frontblende geringfügig modifiziert. Das Streifenmuster musste einer glatten Fläche weichen, deren Optik wegen die Systeme intern bereits auf "Quicksilver" getauft wurden. Das bisher schnellste Modell mit 733 Megahertz findet sich nun am Ende der Palette. Dazu gesellt sich eine Maschine mit 867-Megahertz-CPU sowie ein Zwei-Wege-System mit 800 Megahertz Prozessortakt. Auch hier die Details:

733 Megahertz schneller Power-PC G4 mit 256KB L2-Cache, 128 MB SDRAM-Arbeitsspeicher, Ultra-ATA-Festplatte mit 40 GB, CD-RW Laufwerk, "GeForce2-MX"-Grafikkarte mit 32 MB Bildspeicher von Nvidia, Gigabit Ethernet, internes Modem mit 56 Kbit/s, Preis 4500 Mark;

867 Megahertz Power-PC G4 mit 256KB L2- sowie 2MB L3-Cache, 60-GB-Festplatte, DVD-R/CD-RW-Laufwerk ("Superdrive"), Preis 6700 Mark, sowie

Dual 800 Megahertz Power-PC G4 mit je 256KB L2- und 2MB L3-Cache, 256 MB Hauptspeicher, 80-GB-Festplatte, Nvidia "GeForce2 MX" mit TwinView, Preis 9300 Mark.

Sowohl bei den iMacs als auch bei den G4s sind die beiden kleineren Konfigurationen ab sofort zu haben, die Highend-Ausstattungsvarianten folgen im August.

Der ewige Kampf gegen den "Megahertz-Mythos

Es folgte die übliche Bühnenshow von Marketing-Chef Phil Schiller, der wieder einmal Apples vermeintlich schwachbrüstigen G4 gegen den taktmäßig doppelt schnellen Pentium 4 antreten ließ. Statt Photoshop kam diesmal zunächst Video-Bearbeitung mit "Media Cleaner" und dem neuen "Sorenson-3"-Codec zum Einsatz - wie üblich war der Powermac deutlich schneller als die Intel-Maschine. Die Photoshop-Demo mit vorhersehbarem Ausgang konnten Schiller und Jobs dem Publikum aber trotzdem nicht ersparen - Keynote-Business as usual sozusagen.

Anschließend bemühte sich Apples Hardwarechef Jon Rubinstein weiter, den "Megahertz Myth" zu demystifizieren. Er verglich dazu G4, Pentium 4 und Itanium von Intel sowie Sun Microsystems´ Ultrasparc III und erfreute das Auditorium mit Techie-Talk über Pipeline-Stufen und allerlei andere Prozessor-Innereien. Das Ergebnis seiner Ausführungen war absehbar: Der G4 sei trotz niedriger Taktraten eine hoch leistungsfähige CPU. Was Leute, die ihren PC ohne Kenntnisse oder Beratung bei Aldi, Lidl & Co. kaufen, leider wenig interessiert.

Der Rest von Steve Jobs´ Keynote verging mit Testimonial-Videos, Apples liebsten Fernsehspots und Lobhudeleien auf iMovie, iDVD und andere "Simpel"-Programme aus dem Hause Apple. Neu immerhin: Ein erster Blick auf "iDVD 2" mit "Hollywood-mäßigen" Menüfunktionen und anderen Schmankerln - unter anderem 90 Minuten Laufzeit statt bisher 60. Erhältlich ist iDVD 2 ab September als kostenloses Update für bisherige Kunden. Mit der Demo verbrachte Spielkind Jobs, der Apple verstärkt an der "Schnittstelle zwischen Kunst und Technik" sieht, nochmals etliche Minuten. Damit war endgültig klar: Neues hatte er nicht mehr zu vermelden. Zum Schluss forderte der Apple-Boss dann noch das Publikum zu einem herzlichen Applaus für Apples hart arbeitende Mitarbeiter und anschließend gar deren Familien auf, der auch brav gewährt wurde.