Linux-Kernel 2.6: Kampfansage an Unix

08.06.2004
Von Jürgen Quade
Seit einem halben Jahr gibt es für Linux einen eingehend überarbeiteten Kern. Von dessen Änderungen profitieren insbesondere Server-Anwendungen. Die Details seiner technischen Verbesserungen lassen erkennen, wie sich das Betriebssystem positioniert und wohin die Reise geht. Es wird zu einer ernsten Konkurrenz für Unix.
Foto: Luc Schmitz
Foto: Luc Schmitz

Zwei Jahre hat die Entwicklung am Kernel 2.6 gedauert, drei Jahre waren seit der Veröffentlichung des Vorgängers 2.4 ins Land gezogen. Während dieser eine lange Phase der Konsolidierung durchlaufen musste, galt sein Nachkomme von Anfang an als stabil. Nicht verwunderlich also, dass Suse, Red Hat und Mandrake ihn bereits in ihre Distributionen aufgenommen haben.

Wer von der jüngsten Linux-Kernel-Version (aktuell: 2.6.6) spektakuläre Neuerungen erwartet, wird auf den ersten Blick enttäuscht. Viele der wesentlichen Veränderungen bleiben dem Auge des Durchschnittsanwenders verborgen. Zu spüren sind eine höhere Performance, und bekannt ist die erweiterte Skalierbarkeit.

Dass das Pinguin-System besser skaliert, lässt sich an nackten Zahlen ablesen: Server-seitig unterstützt Linux jetzt 64 statt bisher 16 Prozessoren und auf 32-Bit-Systemen 64 GB statt bisher 16 GB Hauptspeicher. Damit auch Maschinen mit mehreren Dutzend oder gar hundert CPUs besser skalieren, haben die Entwickler in Kernel 2.6 erstmals Numa-Support (Non-Uniform Memory Access) implementiert. Numa regelt den konkurrierenden Zugriff vieler Prozessoren auf den Speicher.

Damit empfiehlt sich Linux einmal mehr als Plattform für anspruchsvolle, unternehmenskritische Anwendungen, die eine große Arbeitslast erzeugen - und besetzt zunehmend eine Domäne, die einst den Unix-Konkurrenten HP-UX, Solaris und AIX vorbehalten war. Doch auch für Anwender eingebetteter Systeme ist der Kernel 2.6 attraktiv. Er unterstützt mehr Plattformen und Prozessoren, darunter erstmals solche, die keine Memory Management Unit (MMU) besitzen.

Wie jedes Kernel-Release hat die Version 2.6 zu ausgiebigen Testläufen in verschiedenen Umgebungen angeregt. Dabei überzeugte es insbesondere in seiner Funktion als Server. Die meisten Messungen ergaben signifikante Geschwindigkeitssteigerungen im Vergleich zu Version 2.4.

Gründe für die verbesserte Performance

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