Colocation-Anbieter im Vergleich

Kleiner Vorsprung für e-shelter und Equinix

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Immer mehr Unternehmen betreiben ihre Server und Systeme in einem Dienstleistungs-Rechenzentrum. Sie wollen nicht nur eine skalierbare, professionelle Infrastruktur zu akzeptablen Kosten nutzen, sondern auch einen einfachen Einstieg in die Hybrid Cloud finden. Die Research in Action GmbH hat die führenden Colocation-Anbieter ermittelt.

Wenn Anwenderunternehmen ihre Server, Storage-und Netzwerkkomponenten im Rechenzentrum eines IT-Dienstleisters unterbringen, ist die Rede von Colocation oder auch Server-Housing. Anders als beim klassischen Hosting wird die Hardware dabei nicht vom Anbieter gestellt, sondern der Kunde bringt sie selbst mit. Der Anbieter bietet infrastrukturelle Dienstleistungen wie ein klimatisiertes, videoüberwachtes und alarmgeschütztes Gebäude, eine mehrfach abgesicherte unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) und ein schnelles Glasfaser-Netzwerk.

Im Quadranten von Research in Action können sich e-shelter, Equinix und Interxion als Top-Colocation-Dienstleister behaupten
Im Quadranten von Research in Action können sich e-shelter, Equinix und Interxion als Top-Colocation-Dienstleister behaupten
Foto: Research in Action GmbH

Mit diesem in Deutschland rund 2,5 Milliarden Euro schweren Markt hat sich das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Research in Action (RiA) GmbH beschäftigt. Die 20 größten Carrier-unabhängigen Anbieter hierzulande wurden identifiziert und bewertet. Um zu einer Beurteilung der Leistungen zu kommen, hat RiA 750 IT-Budgetverantwortliche in Deutschland befragt. Als Gewinner gingen e-shelter und Equinix aus dem Vergleich hervor: Gemeinsam teilen sich diese beiden Colocation-Spezialisten den ersten Rang. Auf den Plätzen drei bis fünf folgen Interxion, Telehouse und Colt DCS.

Ohne Standards geht es nicht

Was sind die Standardvoraussetzungen, die Anwender vom Betrieb eines Rechenzentrums erwarten? Thomas Mendel, Geschäftsführer von RiA, nennt zunächst die Telekommunikations-Infrastruktur für Rechenzentren gemäß TIA-942 (Tier-Level 1 bis 4). Dieser Standard regelt neben der Verkabelung auch Stromversorgung, Architektur und Klimatisierung. In Sachen Sicherheit sind der vom BSI entwickelte IT-Grundschutz sowie die DIN ISO/IEC-27001-Norm entscheidend. Im Betrieb ist außerdem für alle Definitionen des IT-Service-Management-Prozesses die IT Infrastructure Library (ITIL) maßgeblich, und das Qualitätsmanagement muss auf Basis der ISO-9001-Norm erfolgen.

Laut RiA wächst der deutsche Colocation-Markt derzeit um etwa 15 Prozent jährlich. Die Anwender schätzen es, hier eine professionell gemanagte, moderne Umgebung vorzufinden, in der sie insbesondere ihre Hybrid-Cloud-Szenarien sicher und individuell umsetzen können. Sie profitieren von Ausfallsicherheit, redundanter Auslegung, Connectivity und einem Höchstmaß an Datenschutz. Dabei bleiben die Kosten im Idealfall kalkulierbar, die Umsetzung erfolgt in hohem Tempo und der Personalbedarf sinkt.

Motive für die Wahl eines Colocation-Dienstleisters
Motive für die Wahl eines Colocation-Dienstleisters
Foto: Research in Action GmbH

Befragt nach den Motiven für eine Colocation-Entscheidung nennt mit 10,7 Prozent die größte Gruppe die Möglichkeit, Hybrid-Cloud-Szenarien einfach umsetzen zu können. Fast genauso viele wollen ihr veraltetes Rechenzentrum nicht mehr kostspielig modernisieren (10,5 Prozent), in eine ausfallsichere Umgebung ausweichen (10,1) oder ein höheres Datenschutzniveau in einem deutschen RZ erreichen (9,6). Vielen ist auch die Senkung der Betriebskosten ein Anliegen (8,3), ebenso die Aussicht auf eine höhere Umsetzungsgeschwindigkeit (7,7), eine direkte Anbindung an Internet-Austauschknoten oder Cloud Provider (7,6) sowie eine bessere Performance.

Kriterien für das Ranking der Colocation-Anbieter

RiA hat die Anbieter zunächst auf strategische Fragestellungen abgeklopft: Welche Vision verfolgt das Unternehmen und wie innovativ zeigt es sich? Ist es wirtschaftlich stabil genug und differenziert es sich ausreichend klar vom Wettbewerb? Überprüft wurde auch die Umsetzungsfähigkeit: Stimmen die Breite des Angebots, die Wachstumsdynamik, die Kundenzufriedenheit und das Preis-Leistungs-Verhältnis? In den Quadranten der führenden Anbieter schafften es neben den fünf genannten Anbietern auch die Firmen noris network, PlusServer, DARZ, 3U und Interoute.

e-shelter und Equinix vorne

Die Position eins im deutschen Markt teilen sich mit 9,38 von zehn zu vergebenden Bewertungspunkten e-shelter und Equinix. Die zu NTT Com gehörende e-shelter ist umsatzmäßig der führende Anbieter und verfügt mit 90.000 Quadratmetern auch über die größte RZ-Fläche. Mit den Data Centers und Colocation Services von e-shelter können sich Kunden über eine Reihe von Anwendungen und Technologien auch mit anderen Lösungs- und Implementierungspartnern verbinden. Ein Differenzierungsfaktor ist das Innovation Lab: Es bietet der Klientel eine Testumgebung, in der sie Innovationen schnell und zu kalkulierbaren Kosten gemeinsam mit Partnern testen und umsetzen können.

e-shelter entwickelt seine Rechenzentren selbst und hat das Design im Zusammenspiel mit den führenden Anlagenherstellern immer weiter optimiert. Besonders wichtig für Hybrid-Cloud-Szenarien: Den Kunden stehen Cloud-Connect-Services zu den führenden Public-Cloud-Anbietern zur Verfügung. Zudem gibt es einen direkten Zugang zu den führenden Internet Exchanges (BCIX, DE-CIX, SWISSIX, VIX). Die deutschen Kunden bewerten das Sicherheitskonzept und dessen Umsetzung als sehr gut, überhaupt erhält e-shelter von den hiesigen Kunden die beste Bewertung in Sachen Kundenzufriedenheit. "Das Alles-aus-einer-Hand-Konzept ist schwer zu kopieren und bei Kunden sehr beliebt", kommentiert Mendel.

Nur Equinix, der weltweit größte Carrier-neutrale Colocation-Anbieter, bewegt sich auf Augenhöhe mit e-shelter. Das Unternehmen betreibt mehr als 180 Business-Exchange-Rechenzentren (IBX) auf fünf Kontinenten und unterhält allein zehn davon in Deutschland (München, Düsseldorf, Frankfurt am Main). Die hierzulande verfügbar RZ-Kapazität reicht mit 56.000 Quadratmetern allerdings nicht an die von e-shelter heran.

Die Analysten lesen aus ihrer Umfrage heraus, dass Equinix angesichts der globalen Verschmelzung und Digitalisierung von Geschäftsprozessen besonders überzeugende Antworten auf den Kundenwunsch nach weltweiter Konnektivität bereithält. Um wettbewerbsfähig zu sein, brauchten die Anwender eine solche "Interconnection", so Mendel. Es gehe darum, Unternehmen "schnell, direkt, skalierbar, flexibel, sicher und zuverlässig zu verbinden".

Equinix zählt laut RiA 9500 Kunden weltweit, gut ein Zehntel davon in Deutschland. Das Unternehmen biete über seine globale Interconnection-Platform Zugang zu zahlreichen dynamischen Business-Ecosystemen, sagt Mendel. Equinix betreibe die technische Basis für gut 1.500 Netzwerke und 2.750 Cloud-und IT-Provider. Über seine Cloud Exchanges ermögliche das Unternehmen eine einfache und schnelle Verbindung zu zahlreichen Cloud-Anbietern und deren Services. Besonders erfolgreich sei Equinix außerdem bei Netzwerk-Providern, im Online-Einzelhandel sowie im Finanzsektor. Dem Preis-Leistungs-Verhältnis erteilen die deutsche Kunden Bestnoten.

Interxion fast auf Augenhöhe

Nicht weit hinter dem Führungs-Duo zurück liegt Interxion, die Nummer drei im deutschen Markt. Das Unternehmen ist auf Europa konzentriert und betreibt 45 Data Centers in elf europäischen Ländern. Zehn Rechenzentren stehen allein in Frankfurt, zwei weitere in Düsseldorf. Die RZ-Fläche hierzulande liegt bei 28.000 Quadratmetern.

Knapp ein Drittel der Befragten will in drei bis fünf Jahren kein eigenes Rechenzentrum mehr betreiben. Mit 23 Prozent ist auch der Anteil derer groß, die Dienste eines Colocation-RZs in Anspruch nehmen wollen.
Knapp ein Drittel der Befragten will in drei bis fünf Jahren kein eigenes Rechenzentrum mehr betreiben. Mit 23 Prozent ist auch der Anteil derer groß, die Dienste eines Colocation-RZs in Anspruch nehmen wollen.
Foto: Research in Action GmbH

Zur Strategie von Interxion stellt RiA fest, es handele sich um den Anbieter mit dem deutschlandweit größten Angebot an Cloud- und Connectivity-Providern. Das Partner-Ökosystem, die hohen Sicherheitsstandards und die ausgeprägte Kundenorientierung würden von den rund 550 deutschen Kunden sehr geschätzt. Interxion agiere wie ein Cloud- und Connectivity-Hub, auf dem Hybrid- und Multicloud-Szenarien sehr gut umgesetzt werden könnten. Dabei positioniere sich der Dienstleister Cloud-und Carrier-neutral. Das Unternehmen bietet demnach keine Services an, die sich mit denen der Kunden aus dem IT-Dienstleistungssektor überschneiden.

Telehouse und Colt halten den Anschluss

Das Treppchen nur knapp verpasst haben die Verfolger Telehouse und Colt DCS. Telehouse ist eine Tochtergesellschaft des japanischen Telekommunikationskonzerns KDDI und betreibt weltweit 48 Rechenzentren. Hierzulande beträgt die RZ-Kapazität rund 25.000 Quadratmeter. Das Colocation-Angebot reicht vom Einzel-Rack bis zum dedizierten Rechenzentrumsbereich. Kunden können Services wie Backup, IP-Connectivity, Kabelinstallation, Rack-und Hardwarebereitstellung in Anspruch nehmen. Vor allem vom Preis-Leistungs-Verhältnis zeigen sich die deutschen Kunden überzeugt.

Auch Colt besticht durch günstige Konditionen sowie eine langjährige Erfahrung in Europa und Asien. Von den 29 Carrier-neutralen Rechenzentren stehen drei in Deutschland: in Frankfurt, Berlin und Hamburg. Colt gehört zur Fidelity-Gruppe und bietet neben dem Colocation-Dienstleistungsangebot auch einen RZ-Betrieb für Großabnehmer an. Das Unternehmen zeichnet sich dadurch aus, dass es große Rechenzentren nach einem standardisierten, modularen Design sehr schnell aufbauen kann. Das hat vor allem zahlreiche Cloud-Anbieter überzeugt, die als Kunden gewonnen wurden. Für diese Klientel ist "Speed to market" neben den Kosten eine wichtige Anforderung.

Stark in der Nische: noris networks

RiA erwähnt ausdrücklich auch noch die auf dem sechsten Platz rangierende noris network AG aus Nürnberg, die mit einem eigenen Hochleistungs-Backbone und mehreren besonders sicheren RZs punkten kann, wenn es gilt, hochwertige Infrastrukturen "bis hin zur Applikation" zu betreiben. Hochverfügbare Colocation werde mit hochverfügbarer Enterprise-Dienstleistung verknüpft - eine Strategie, die viele Kunden zu schätzen wüssten.