Remote Work

Jobwechsel ohne Ortswechsel

22.03.2021
Von 
Karriere und Management in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit über 20 Jahren. Langweilig? Nein, sie entdeckt immer neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und im eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisiert.
Der Mangel an IT-Fachkräften behindert die Wirtschaft auch in Zeiten von Corona, so das aktuelle KfW-ifo-Fachkräftebarometer. Tobias Lange, CIO des Dichtungsherstellers EagleBurgmann, sieht in Remote-Work einen Lösungsansatz.
Tobias Lange, CIO von EagleBurgmann: "Man kann in einem Umkreis von 200 Kilometern wohnen bleiben, ohne für den neuen Job umziehen zu müssen."
Tobias Lange, CIO von EagleBurgmann: "Man kann in einem Umkreis von 200 Kilometern wohnen bleiben, ohne für den neuen Job umziehen zu müssen."
Foto: EagleBurgmann

9.000 Unternehmen befragen das ifo Institut und KfW Research regelmäßig zum Geschäftsklima und zum Fachkräftemangel. Das jüngste KfW-ifo-Fachkräftebarometer ergibt für das laufende erste Quartal 2021 ein überraschendes Bild: Jedes fünfte Unternehmen gibt an, dass seine Geschäftstätigkeit durch fehlendes Personal behindert werde. Insbesondere im IT-Dienstleistungssektor sagen das zwischen 30 und 44 Prozent der Unternehmen. Besonders zu kämpfen haben mittelständische Unternehmen in ländlichen Regionen, neue Mitarbeiter für sich zu gewinnen.

Fachkräftemangel bleibt trotz Corona bestehen

"Die Corona-Krise hat den Fachkräftebedarf nur vorübergehend verringert, mit der wirtschaftlichen Erholung seit dem Sommer haben die Engpässe bereits wieder spürbar zugenommen", sagt Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. Viele Firmen suchten händeringend IT-Experten, um die Digitalisierung voranzubringen.

Tobias Lange, CIO des mittelständischen Maschinenbauers EagleBurgmann, gehört zu den IT-Chefs, die bislang um IT-Fachkräfte kämpfen mussten. Die Unternehmenszentrale ist in Wolfratshausen angesiedelt, knapp 40 Kilometer südlich von München. Für umworbene IT-Profis war das bislang mitunter zu weit von München entfernt.

Doch die Corona-Pandemie eröffnet in den Augen von CIO Lange indirekt auch in der Personalsuche mehr Perspektiven: "Remote Arbeit kann einem Mittelständler wie uns helfen, für einen größeren Kreis an Kandidaten als Arbeitgeber in Frage zu kommen. Man kann in einem Umkreis von 200 Kilometern wohnen bleiben, ohne für den neuen Job umziehen zu müssen." Dann genüge es, zwei Mal im Monat in das Büro zu kommen.

Cloud fordert IT in Sachen Governance stark

Lange ist überzeugt: "Es wird zunehmend egal, wann und wo wir arbeiten." EagleBurgmann baute bereits Hubs in Indien und Rumänien auf und kann sich auch hierzulande vorstellen, dass neue Mitarbeiter dauerhaft remote arbeiten und nicht erst in die Nähe von Wolfratshausen ziehen müssen. Verteiltes Arbeiten sieht CIO Lange neben der Internationalität und dem stabilen Arbeitsumfeld als Stärken des Unternehmens, das Gleitringdichtungen herstellt und mit weltweit knapp 6.000 Beschäftigten einen Umsatz von 850 Millionen Euro erwirtschaftet. "Stabil heißt nicht nur, dass wir ein Teil des Freudenberg-Konzerns sind, sondern auch, dass unsere Beschäftigten Familie und Beruf gut kombinieren können", so Lange.

Eagle Burgmann stellt Gleitringdichtungen her. Diese kritischen Bauteile werden oft mit Sensorik überwacht, um Ausfälle und damit Produktionsstillstände zu vermeiden.
Eagle Burgmann stellt Gleitringdichtungen her. Diese kritischen Bauteile werden oft mit Sensorik überwacht, um Ausfälle und damit Produktionsstillstände zu vermeiden.
Foto: Eagle Burgmann

Die IT sieht der CIO als digitalen Wegbegleiter, der auch dafür gesorgt hat, dass remote work funktioniert. Die Hälfte der IT-Experten bei EagleBurgmann beschäftigt sich schon heute mit neuen Themen. Ziel ist es, den Anteil der Mitarbeiter im Betrieb der Kernlösungen zu reduzieren, um Freiräume für zukunftsweisende Projekte zu schaffen.

Vorher müssen Tobias Lange und seine Mannschaft aber noch die alten Zöpfe, also die Altsysteme, abschneiden beziehungsweise konsolidieren. Angesichts der wachsenden Zahl von Cloud-Systemen sei die IT in Sachen Governance stärker gefordert. Sie müsse wie ein Polizist agieren, aufpassen, dass in der Cloud kein Wildwuchs an Anwendungen und Plattformen entstehe, der dann wiederum steigende Cloud-Folgekosten nach sich ziehe.

Um diese Governance-Rolle ausfüllen zu können, braucht die IT ein gewisses Standing gegenüber den Fachbereichen, sagt Lange: "Die IT darf sich nicht nur als Enabler verstehen. Bei jedem Business Case ist zu fragen: Was kostet das System? Was bringt es?"

Als Bindeglied zu den Fachbereichen agieren bei EagleBurgmann die IT-Architekten, die einerseits dem Business Ideen mitgeben, wie es mit Technologie das Geschäft besser machen kann. Andererseits überlegen IT-Architekten zusammen mit den Fachbereichen schon in einer frühen Phase gemeinsam, wie sich interne oder Kundenprozesse verbessern lassen.