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Java-Standardisierung: Sun verliert Kontrolle

29.06.1999

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die von Sun Microsystems für die Java-Standardisierung auserkorene ECMA (European Computer Manufacturers Association) hat unerwartet die Gründung eines relativ eigenständigen technischen Komitees beschlossen, das den Standard ausarbeiten und anschließend der ISO (International Standards Organization) vorlegen soll. Die Arbeitsgruppe firmiert als "Platform-Independent Computing Environments" - Suns Markenname Java taucht nicht auf, ebensowenig wird der Open-Source-ähnliche Java Community Process des Herstellers in der Gründungserklärung des "TC 41" (Technical Committee) erwähnt. Offensichtlich hat Sun hier nicht unerhebliche Zugeständnisse bezüglich der Kontrolle des Standardisierungsverfahrens gemacht.

Die Company von CEO (Chief Executive Officer) Scott McNealy wollte per Umweg über die ECMA eigentlich die ISO mit ihren weitereichenden Kontrollmechanismen umschiffen (CW Infonet berichtete). Das neu geschaffene TC41 reklamiert allerdings die Pflege und Weiterentwicklung des zu schaffenden Standards ebenfalls für sich. Damit erhält auch Suns Erzrivale Microsoft wieder Gelegenheit, der ECMA Vorschläge zur Erweiterung von Java vorzulegen. Die Gates-Company hat entsprechende Pläne bereits angekündigt. Es soll sich allerdings um plattformunabhängige und nicht rein Windows-spezifische Konzepte handeln.