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IBM und Sun jagen sich Großkunden ab

17.05.2002
Sun und IBM haben sich unlängst gegenseitig einen großen Kunden abgenommen, wobei Big Blue mit Colgate das größere Los gezogen haben dürfte. An Sun verlor IBM Galileo International.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die IT-Konzerne Sun Microsystems und IBM haben sich unlängst gegenseitig einen großen Kunden abgenommen, wobei Big Blue mit Colgate-Palmolive das größere Los gezogen haben dürfte. Der Verbrauchsartikelhersteller will bei seiner Hardwareinfrastruktur statt wie bisher auf Sun wieder auf IBM setzen. Mit den Produkten des IT-Riesen sollen vor allem die weltweit bei Colgate eingesetzten ERP-Lösungen (Enterprise Resource Planning) von SAP unterstützt werden. Zudem plant der Verbrauchsartikelspezialist, weitere SAP-Anwendungen zu installieren.

"Da wir weiter wachsen, wollen wir zusätzliche SAP-Systeme implementieren. Damit wachsen auch die Server- und Storage-Anforderungen," erklärte Colgates Chief Information Officer (CIO) Edmund Toben. Das Unternehmen begann bereits vor mehreren Jahren, SAP R/3 in seinen weltweiten Niederlassungen einzusetzen. Derzeit zählt Colgate 8000 bis 9000 SAP-Anwender in 51 Ländern.

Dass die Entscheidung zugunsten von IBM fiel, habe direkt mit den SAP-Anforderungen zu tun, erklärte auch Gary Lancaster, Worldwide Vice President im Bereich "eServer pSeries" bei Big Blue. "Colgate wollte an erster Stelle zuverlässigere Hardware. Zudem wollte man die Gesamtkosten (Total Cost of Ownership) senken." Dafür seien hoch skalierbare Systeme notwendig.

Colgate hat bereits im September 2001 mit der Migration auf IBM-Systeme begonnen. Diese soll Ende dieses Jahres oder Anfang 2003 abgeschlossen sein. Der Hersteller von Zahnpasta, Spülmittel und anderen Gebrauchsgütern bezieht von IBM pSeries-Server (Regatta-Serie), Produkte der auch als "Shark"-Linie bekannten "TotalStorage-Enterprise-Storage"-Serie, Desktops und PCs sowie System-Management-Software der Tivoli-Einheit. Die meisten Server werden mit IBMs Unix-Derivat "AIX" laufen, einige mit Microsofts Windows. Bei seiner Datenbanklösung setzt Colgate statt auf IBMs "DB2" allerdings auf Oracle. Finanzielle Details zu dem Auftrag an Big Blue wurden nicht bekannt gegeben.

Colgate hatte bereits in den 90er Jahren Hardware von Big Blue bezogen, beendete seine Geschäftsbeziehungen mit IBM 1999 jedoch zugunsten von Sun Microsystems. Zur Begründung für die damalige Entscheidung erklärte Colgates CIO Toben: "Als wir SAP Mitte der 90er Jahre einsetzten, starteten wir mit IBM. Allerdings hatten wir damals ganz offen gesagt einige Probleme bei der Skalierung." Die jüngsten Produktentwicklungen von Big Blue überzeugten das Unternehmen aber, zu IBM zurückzukehren.

Während Sun Colgate als Kunden ziehen lassen musste, schnappte sich die kalifornische Firma jedoch Galileo International. Der Anbieter von Flugpreisinformationen, der zuvor IBM-Server eingesetzt hatte, entschied sich nun für 15 "Starfire-6800"-Server von Sun. Das Auftragsvolumen wird auf mehrere Millionen Dollar geschätzt. (ka)