5000 Arbeitsplätze gefährdet

HP Enterprise soll profitabler werden

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Anfang September hatte Hewlett-Packard Enterprise (HPE) noch unerwartet gute Quartalszahlen präsentiert. Ende vergangener Woche hieß es dann, der Konzern werde jeden zehnten Arbeitsplatz abbauen. Offensichtlich geht CEO Meg Whitman nun daran, die Kosten zu senken und so die Gewinnmarge zu verbessern.
  • Angeblich sollen 5000 von 50.000 Mitarbeitern gehen
  • CEO Meg Whitman strebt nach der Trennung vom Service- und Software-Business eine bessere Gewinnmarge an
  • Zukäufe SGI, Simplivity und Nimble Storage sollen Portfolio bereichern

Die Informationen, die vom Nachrichtendienst "Bloomberg" und dem "Wall Street Journal" verbreitet wurden, sind bislang nicht bestätigt. Wenn es aber stimmt, was dort mit Hinweis auf firmennahe Kreise kolportiert wird, dann wird sich HPE von rund 5000 Mitarbeitern weltweit trennen, darunter auch zahlreiche Manager. Der Personalabbau, der zehn Prozent der 50.000 Mitarbeiter starken Belegschaft betreffen würde, soll den Informationen zufolge noch vor Jahresfrist beginnen. Überraschend kommt diese Nachricht nicht: Anlässlich der Bekanntgabe des letzten Quartalsergebnisses hatte CEO Meg Whitman bereits angekündigt, die Ausgaben über die nächsten drei Jahre um 1,5 Milliarden Dollar senken zu wollen.

Meg Whitman, CEO von HP Enterprise, war als neue Uber-Chefin im Gespräch. Doch sie will bei HPE bleiben.
Meg Whitman, CEO von HP Enterprise, war als neue Uber-Chefin im Gespräch. Doch sie will bei HPE bleiben.
Foto: Eric Draper HPE

Whitman hatte 2015 damit begonnen, den Konzern zu zerschlagen. Das PC- und Druckergeschäft wurde in die vom Konzern abgespaltene HP Inc. ausgelagert, die nun dabei ist, auch den Markt für 3D-Druck ("additive Fertigung") mit einer Vielzahl an Produkten und Partnerschaften aufzurollen. Die Dienstleistungssparte Enterprise Services brachte Whitman in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Computer Sciences Corp. (CSC) ein, das seit dem 1. April dieses Jahres unter dem Namen DXC Technology firmiert und für einen Jahresumsatz von rund 26 Milliarden Dollar steht.

Große Teile des Softwaregeschäfts von HPE gingen zudem für 8,8 Milliarden Dollar an den britischen Softwareanbieter Micro Focus, der sich zuvor schon Attachmate und Serena Software einverleibt hatte und nun siebtgrößter Softwareanbieter der Welt ist. Mit Chris Hsu wurde der ehemalige COO von HP Enterprise zum neuen Micro-Focus-CEO. Das Unternehmen ist zu 50,1 Prozent in den Händen von HPE-Aktionären.

Umsatz von HP Enterprise stieg im dritten Quartal um 2,5 Prozent

Whitmans Kurs, sich mit HPE ganz auf IT-Infrastruktur für Unternehmen zu konzentrieren, scheint aufzugehen: Im Anfang September 2017 abgeschlossenen dritten Finanzquartal konnte der Konzern seine Einnahmen um 2,5 Prozent auf 8,21 Milliarden Dollar erhöhen, weit mehr als die Analysten an der Wall Street im Durchschnitt erwartet hatten (7,49 Milliarden). HPE profitierte vor allem von einer regen Nachfrage nach Storage- und Networking-Equipment, während die Server-Erlöse um ein Prozent zurückgingen. Der Nettogewinn wurde stark durch die Abspaltung von Service- und Softwaresegment beeinflusst und ist deshalb wenig aussagekräftig. Er lag im dritten Quartal bei 165 Millionen Dollar gegenüber 2,27 Milliarden Dollar in der Vorjahresperiode.

HP Enterprise hat unter der Führung von Meg Whitman allerdings nicht nur Unternehmensbereiche abgegeben, sondern auch kräftig zugekauft. So wurden mit Silicon Graphics (SGI), Simplivity und Nimble Storage drei Unternehmen erworben, die dem Unternehmen dabei helfen sollen, in Marktsegmenten mit höheren Gewinnpotenzialen Fuß zu fassen. SGI ist ein Spezialist für High-Performance Computing (HPC), der in den vergangenen Dekaden viele Höhen und Tiefen erlebt hat. HPE schluckte ihn vor knapp einem Jahr für 275 Millionen Dollar, um sich besser im HPC-Markt zu positionieren. Tatsächlich ist SGI für HPE ein kleiner Fisch, das Unternehmen setzte im Geschäftsjahr 2016 rund 530 Millionen Dollar um und schrieb einen kleinen Verlust. Das Serversegment von HPE war insgesamt aber für Einnahmen von 14 Milliarden Dollar gut.

Wachstumsmarkt Hyper Converged Infrastructure

Anfang 2017 kaufte HPE dann für 650 Millionen Dollar Simplivity, ein auf Hyper Converged Infrastructure Software spezialisiertes Startup. Ziel war es, leistungsstarke ProLiant-Server als integrierte SimpliVity-HCI-Systeme herauszubringen - auch das ein Geschäft, das hohe Gewinnmargen verspricht.

Antonio Neri, General Manager bei HP Enterprise, beklagt schwankendes Interesse an Servern bei den großen Public-Cloud-Anbietern.
Antonio Neri, General Manager bei HP Enterprise, beklagt schwankendes Interesse an Servern bei den großen Public-Cloud-Anbietern.
Foto: HP Enterprise

Den teuersten Zukauf gönnte sich HPE aber mit Nimble Storage: Hier investierte der Konzern im März dieses Jahres eine Milliarde Dollar. Das Ziel war klar: Flash-Storage gehört zu den wenigen Wachstumsfeldern im IT-Infrastrukturmarkt, hier wollte und musste HPE verstärkt Flagge zeigen. Gegenüber dem Finanzservice "Barron's" sagte Whitman rückblickend zum dritten Finanzquartal, man gewinne nun einen immer klareren Blick auf den Gesamtkonzern ohne IT-Service- und Softwaregeschäft. HPE werde jetzt seine operative Marge weiter verbessern - und dabei seien HPC, Synergy, Simplivity und Nimbles All-Flash-Arrays wichtige Leistungsträger.

Antonio Neri, President der für den Großteil der Umsätze verantwortlichen Enterprise Group, erklärte den einprozentigen Rückgang im Server-Markt auch damit, dass im Segment der Standardserver die großen Cloud-Lieferanten Alphabet und Microsoft wichtiger würden. Dies seien aber in ihren Bedarfen nicht sehr gut auszurechnen, weshalb hier Schwankungen zur Normalität würden.

In den vergangenen Wochen war bei HPE auch deshalb Unruhe ein gekehrt, weil der Fahrdienst Uber bei der Suche nach einem neuen CEO ein Auge auf Meg Whitman geworfen hatte. Die Ex-Ebay-Chefin bestätigte anlässlich der Bekanntgabe der Quartalszahlen vor Journalisten, dass Uber sie angesprochen habe, doch sie sei mit dem Umbau von HPE noch nicht am Ziel und wolle dort bleiben. Mittlerweile hat Uber den vormaligen Chef des Online-Reisebüros Expedia, Dara Khosrowshahi, als neuen CEO eingestellt.