Schwierige Mitarbeiter

Hilfe, ein Nörgler lähmt mein Team!

01.10.2020
Von Redaktion Computerwoche
Wer Jammerer und Nörgler im Team hat, weiß, wie negative Energie den Spaß an der Arbeit verderben kann. In solchen Fällen sind Führungskräfte gefordert einzugreifen.
Wenn toxische Kollegen den Teamgeist in seinen Grundfesten erschüttern, sollten Führungskräfte einschreiten.
Wenn toxische Kollegen den Teamgeist in seinen Grundfesten erschüttern, sollten Führungskräfte einschreiten.
Foto: Andrey Popov - shutterstock.com

Mit Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten, die ständig schlechte Laune haben und sich über alles beschweren, ist lästig und nervenaufreibend. Den Nörglern ist nichts gut genug: Führungskräfte sind unfähig, Kollegen faul oder überfordert und auch an den Kunden gibt es ständig etwas auszusetzen. Sie sind unverschämt und erwarten zu viel. Für Unternehmen sind solche Meckerer gefährlich. Die negative Energie, die sie ausstrahlen, kann die Teamarbeit lähmen, Kunden und Partner vergraulen und auf lange Sicht die Unternehmenskultur angreifen.

Der natürliche Reflex im Umgang mit solchen Misanthropen besteht in den meisten Unternehmen und Abteilungen darin, derartige Nebengeräusche erst einmal zu überhören, darüber zu schmunzeln oder sie als Lappalien abzutun. Manche Abteilungsleiter versuchen auch, die Querulanten auf ihre Seite zu ziehen, indem sie ihnen Informationen vorab geben, damit besagte Kollegen sich involviert fühlen und nicht querschießen.

Wie Nörgler verstummen

Beide Ansätze sind suboptimal: Anstatt sich mit dem Störenfried zu arrangieren oder ihn aus taktischen Gründen zu bevorzugen, sollten Vorgesetzte sich darauf konzentrieren, dieses offenkundige Fehlverhalten abzustellen. Immerhin geht es nicht nur um den Frieden im Team, sondern auch darum, als Führungskraft glaubwürdig zu bleiben.

Wie also kann man chronischen Nörglern und Jammerern das Handwerk legen? Zunächst einmal ist es wichtig einen Konsens im Team darüber zu haben, welches Verhalten am Arbeitsplatz alle für begrüßenswert halten und was jede(r) Einzelne dazu beitragen sollte. Klar formulierte Werte sind die Basis für jede Abteilungskultur. Gibt es im Team hier keinen Konsens, scheint alles erlaubt. Manche Mitarbeiter werden dann versuchen, nach ihren eigenen Werten zu leben und diese auch für andere durchzusetzen.

Wer Beschwerden hinter vorgehaltener Hand verhindern will, sollte zudem auf Transparenz setzen. Teammitglieder müssen Gelegenheit haben, ihre Bedenken über Regeln, Programme oder Aktivitäten in der Gruppe zu äußern. Halten sie im großen Kreis mit ihrer Meinung hinterm Berg, haben sie kaum die Legitimation, sich in kleiner Runde oder unter vier Augen zu beklagen. Zu groß ist ihr Risiko gefragt zu werden: Warum hast Du denn nichts gesagt? Es ist also unbedingt sinnvoll, Missstände offen anzusprechen und alle Beteiligten aufzufordern, Maßnahmen zu ihrer Behebung vorzuschlagen. Zudem sollte jeder wissen, dass es einer Teamkultur nicht zuträglich ist, wenn sich Einzelne hinter den Kulissen beschweren.

Führungskräfte sollten ihr Team kennen und wissen, wer die Quengler sind, die meistens außerhalb ihrer Hörweite agieren und möglichst unsichtbar bleiben wollen. Direkte Gespräche mit allen, auch formelle Umfragen sowie 360-Grad-Reviews können hier Klarheit bringen. Diese Nähe zum Team ist für Führungskräfte auch eine wichtige Präventivmaßnahme. Immer dann, wenn Vorgesetzte zu stark auf Distanz zu den Mitarbeitenden gehen, nutzen die Beschwerdeführer das Vakuum für sich. Also gilt es, Kontakt zu jedem Teammitglied zu halten, konstruktives Feedback zu geben und auch die Stimmung in der Arbeitsgruppe immer mal wieder für sich zu analysieren und bewerten.

Kommunikation frisst Negativität

Lassen sich Muster erkennen, worüber sich Mitarbeiter immer wieder beschweren, ist klares Feedback angesagt. Die schnelle, konstruktive Auseinandersetzung auf der Fachebene ist die Basis, genauso wichtig ist es aber, dem Betreffenden klar zu machen, was er mit seinem launischen Verhalten bewirkt. Dazu gilt es zu verdeutlichen, wie andauernde Mäkeleien dem Arbeitsumfeld schaden, wie sich Leistung und Moral negativ verändern und auch, wie es den Quenglern selbst in ihrem Arbeitsumfeld und auch in ihrem beruflichen Fortkommen schadet, wenn sie immer nur Misstöne erzeugen. Dabei sollten Vorgesetzte klar machen, dass kritischer Input zu Programmen, Richtlinien oder Aktivitäten am Arbeitsplatz immer gewünscht ist. Allerdings kommt es dabei auf den Kreis der Adressaten und den Ton an, in dem kommuniziert wird.

Wenn alle gut gemeinten Führungs- und Motivationsmaßnahmen nicht fruchten, müssen Vorgesetzte auch mal Klartext reden und - am besten unterstützt von der Personalabteilung - ein ernsthaftes Krisengespräch führen. Wichtig dabei ist zu dokumentieren, dass man es vorher schon im Guten versucht hat: Feedback-Gespräche und Coachings haben stattgefunden, aber nicht gefruchtet. Ziel eines Krisengesprächs sollte ein klares Programm zur Leistungs- und Verhaltensverbesserung sein, das Ziele benennt und Fortschritte dokumentiert.

Haben all diese Maßnahmen keinen Erfolg, sollten sich Vorgesetzte nicht scheuen, die Reißleine zu ziehen und die betreffende Person zu entlassen. Chronische Nörgler sind nur auf den ersten Blick harmlos, auf lange Sicht zerstören sie die Arbeitsatmosphäre und -kultur. Als Verantwortliche können Sie sich immer damit trösten, dass die betreffende Person im Unternehmen ohnehin nicht glücklich war.