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Hickhack um Office für Linux

25.08.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft dementiert aufs Heftigste alle Berichte, wonach israelische Entwickler in aller Stille mit einer Portierung des Office-Pakets auf Linux beschäftigt seien.

Paul Thurrot, amerikanischer Herausgeber eines Windows-Newsletter, will von den Microsoft-Linux-Plänen beim Besuch der israelischen Softwareschmiede Mainsoft erfahren haben. Dort wurde ihm mitgeteilt, man arbeite im Auftrag Microsofts an einer Linux-Version des Office-Pakets. “Das ist nicht wahr“, kommentiert dazu Microsoft-Sprecher Jim Cullinan. Mainsoft habe zwar an der Portierung einiger Microsoft-Produkte für Unix gearbeitet, “das hat jedoch nichts mit Linux zu tun“, so das Statement des PR-Mannes.

Mainsoft musste nun auf Drängen Microsofts seine Aussagen gegenüber Thurrot zurück nehmen und eine entsprechende Pressemitteilung herausgeben.

Thurrot indes dementiert nicht: “Microsoft arbeitet an diesem Projekt, auch wenn es wohl nie das Tageslicht sehen wird.“ Er begründet seine Theorie: “Mainsoft und der Konkurrent Bristol Technology sind die einzigen beiden Unix- und Linux-Entwickler, die Zugang zum Windows-Sourcecode und damit die Kapazität haben, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen.“ Außerdem portierten die Unternehmen andere Microsoft-Produkte wie den Internet Explorer oder den Windows-Media-Player für verschiedene Unix-Spielarten.

Die Gründe für Microsofts Abneigung gegenüber Linux sind Analysten zufolge vielfältig. “Wenn Microsoft Office für Linux liefert, legitimiert das Unternehmen eine Plattform, auf der es wenig Stärken hat“, meint Dataquest-Analyst Chris LeTocq. Und die Marktforscher von IDC bezweifeln, dass Linux auf PCs eine führende Rolle spielen wird – ganz im Gegensatz zu Linux auf Servern.