Compliance-Management

Firmen unterschätzen Kriminalität und rechtliche Haftung

Peter Gruber arbeitet hauptsächlich für die Portale Computerwoche und CIO.
Eine Studie der wetreu Unternehemnsberatung zeigt, dass mittelständische Unternehmen in Sachen Compliance-Management noch sehr große Defizite aufweisen. Sie unterschätzen die Gefahren sowie die zivil- und strafrechtliche Haftung.

In einer Studie mit über 200 mittelständischen Unternehmen hat die wetreu Unternehmensberatung GmbH analysiert, wie Compliance allgemein im Mittelstand organisiert, angewandt und umgesetzt wird. Ferner wurde untersucht, ob sich die Regeleinhaltung auf die Wettbewerbsfähigkeit der mittelständischen Unternehmen auswirkt.

Schärfere zivil- und strafrechtliche Haftung

Matthias Bäcker, Geschäftsführer der wetreu Unternehmensberatung, ist der Auffassung, dass das Thema Compliance-Management eine zunehmende Bedeutung für den Mittelstand aufweist. Zum einen sei dies auf die Internationalisierung der Unternehmen zurückzuführen, zum anderen auf die laufend neu eingeführten und sich verändernden externen Regelwerke und die damit steigende zivil- und strafrechtliche Haftung. Außerdem würden die zunehmend komplexer werdenden Geschäftsprozesse und die Vielfalt der eingesetzten Kommunikationstechnologien nach entsprechenden Regelungen verlangen, so Bäcker.

Wirtschaftskriminalität zwingt zur Compliance

Ferner nennt die Studie das gestiegene Bewusstsein für die Existenz von Wirtschaftskriminalität als einen weiteren Grund für den Stellenwert der Compliance. Daraus resultiert, dass auch von den mittelständischen Unternehmen ein rechtlich als auch moralisch einwandfreies Verhalten gefordert wird.

Große Defizite im Compliance-Management

Die Resultate der Studie verdeutlichen, dass die befragten mittelständischen Unternehmen Defizite in der Dokumentation sowie in der Organisation des Compliance-Managements aufweisen. Keiner der Befragten hat bisher die Stelle eines Compliance-Officers etabliert, welcher sich gezielt den Aufgaben der Regeleinhaltung widmen könnte. Zudem besteht bei einem Großteil der Befragten keine Dokumentationspflicht der Compliance-Tätigkeiten, wodurch im Falle eines Rechtsverstoßes Schwierigkeiten in der Beweisführung entstehen. Ein auf diesen Bereich spezialisierter Mitarbeiter könnte Risiken im Vorfeld identifizieren und entsprechende Maßnahmen zur Minimierung einleiten.

Pro und Kontra der Rechtskonformität

Trotz der bisher unzureichenden Implementierung des Compliance- Managements geben die befragten Unternehmen an, dass Compliance zur Risikoidentifizierung, zur Schadensprävention und zur Bindung der Mitarbeiter beitrage. Weitere Vorteile wären die Optimierung interner Prozesse und höhere Transparenz. Von den Unternehmen wird allerdings kritisiert, dass Compliance sehr zeitintensiv ist. Ferner wird bemängelt, dass sie weder einen Beitrag zur Kostenersparnis noch zum Aufbau einer positiven Reputation leistet und daher keinen klar erkennbaren Wettbewerbsvorteil darstellt.

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