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EU-Kommission will Untersuchungen gegen Intel einstellen

04.02.2002
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die EU-Kommission will ihre Untersuchungen gegen den US-Halbleiterkonzern Intel wegen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht einstellen. Eine Sprecherin der Kartellbehörde erklärte am Wochenende, man sei zu der vorläufigen Entscheidung gekommen, dass die Ende 2000 erhobenen Anschuldigungen unbegründet seien. Gegenstand der vermutlich von den Konkurrenten AMD und Via Technologies eingebrachten Beschwerden waren unter anderem Intels Marketingpraktiken. Dem Chipweltmarktführer wurde vorgeworfen, Kunden mit Rabatten zu binden und die Werbekampagnen von PC-Herstellern zu fördern, wenn diese das Logo "Intel inside" verwenden. Intel betreibt nach eigenen Angaben solche Marketing-Programme mit 1500 Unternehmen weltweit, 800 davon in Europa. Die

EU-Kommission hatte bereits im Juli vergangenen Jahres, als die Untersuchungen öffentlich bekannt wurden (Computerwoche online berichtete), erklärt, Marktführer müssten bei der Vergabe von Rabatten an Kunden vorsichtig agieren. Eine der Kommission nahe stehende Person fügte am vergangenen Freitag hinzu, dies bedeute jedoch nicht, dass ein dominierendes Unternehmen treuen Kunden keine Preisnachlässe einräumen dürfe.

Ein zweiter Vorwurf betraf Intels Geschäftspraktiken bei der selektiven Lizenzierung der Busarchitektur seiner Prozessoren. In diesem Zusammenhang wurde beklagt, dass dieses Vorgehen bei konkurrierenden Chip-Herstellern zu Kompatibilitätsproblemen führe. AMD und Via hatten bereits im vergangenen Jahr zugegeben, die EU-Behörde mit Informationen zu versorgen, aber den Fall nicht weiter kommentiert.

Nach der Einstellung der Untersuchungen können die Kläger nun von der Antitrust-Behörde eine formale Stellungnahme verlangen und gegen diese vor Gericht ziehen. Bereits im September 2000 wurde eine ähnliche Untersuchung in den USA fallen gelassen. (mb)