News von der Devcon3

Ethereum, quo vadis?

Dirk Röder ist Blockchain Evangelist bei MaibornWolff. In dieser Position berät er Unternehmen bei Blockchain- und digitalen Transformationsprojekten.
Im Gegensatz zu heute herrschte im Jahr 2013 die Meinung vor, dass Blockchains eine Lösung sind, für die das Problem erst noch gefunden werden muss.

Die berühmteste Kryptowährung Bitcoin schaffte damals das erste Mal den Sprung über die 1000-Dollar-Marke, was auch zu medialer Aufmerksamkeit führte. Die Bitcoin-Anhänger wähnten die digitale Währung bereits damals als Weltreservewährung, was so ziemlich dem einzigen bekannten Anwendungsfall entsprach und in der Finanzwelt als auch der breiten Bevölkerung lediglich ein Achselzucken auslöste.

Quo vadis, Ethereum?
Quo vadis, Ethereum?
Foto: Wit Olszewski - shutterstock.com

Ethereum - was ist das eigentlich?

Es war etwa zu dieser Zeit, als ein gewisser Vitalik Buterin sich anschickte, die Blockchain-Technologie als Basis für ein Ökosystem neu zu entwickeln. Das Ergebnis: Ethereum - die aktuelle Nummer zwei der Kryptowährungen mit dem digitalen Token "Ether" und einer Marktkapitalisierung von knapp 29 Milliarden Euro. Die Zielsetzung des Ethereum-Teams unterscheidet sich dabei fundamental von der des Bitcoin-Projekts: Der sogenannte "World Computer" ist explizit für eine Vielzahl von Anwendungsfällen konzipiert. Dazu gehört die Erstellung von Crowdsales, die Erstellung eigener auf Ethereum basierender Token oder auch digitale Stimmabgaben in dezentralen, autonomen Organisationen (DAOs).

Kurz nach Veröffentlichung des Whitepaper von Buterin fanden sich weitere Entwickler, um der Idee Leben einzuhauchen. Aus diesen Bemühungen entstand die Ethereum-Foundation in Form einer Schweizer Non-Profit-Organisation, die heute weltweit die Weiterentwicklung dieses Ökosystems vorantreibt. Bei der Foundation handelt es sich um eine Stiftung, deren Ziel die Bereitstellung der Rahmenbedingungen und Werkzeuge für das Ökosystem ist.

Auch das Kernteam ist mittlerweile gewachsen und besteht aus etwa 30 Entwicklern. Wie so oft sind die ersten Schritte für den Laien wenig revolutionär und weit vom Alltag entfernt. Doch immer mehr Entwickler gesellen sich hinzu und bereichern die Software rund um Ethereum mit Verbesserungen und neuen Ideen.

Devcon3: Entwickler für eine bessere Welt

Wie bei vielen Open-Source-Projekten kommt die dezentral arbeitende Entwicklergemeinde einmal im Jahr im Rahmen eines gemeinsamen Events zusammen. Dementsprechend fand letzte Woche die Entwicklerkonferenz Devcon3 bereits zum vierten Mal (Informatiker fangen mit dem Zählen bei Null an) in Cancun, Mexiko statt. Sie zog zahlreiche Mitglieder des Ethereum-Ökosystems wie Entwickler, Investoren und Startups an.

Neben der Vision für Ethereum ist der einmalige Umstand in der Wirtschaftsgeschichte hervorzuheben, dass die Ethereum-Foundation seit dem Kursstand von circa 100 Dollar für 1 ETH über ein ausreichendes finanzielles Polster verfügt, um ohne externen Eingriff die eigene Vision in Ruhe gemeinsam zu verwirklichen (aktueller Kursstand im Dezember 2017: circa 300 Dollar). Die Agenda geben bestens ausgebildete Entwickler vor, die in finanzieller Unabhängigkeit die Geschichte der Kryptowährung von und mit Vitalik Buterin fortschreiben. Viele dieser Programmierer arbeiten dabei mit viel Idealismus lediglich für ihren guten Ruf innerhalb der Ethereum-Gemeinde und weil sie an der Gestaltung einer besseren Welt teilhaben möchten.

Die Stiftung stellt der weltweiten Entwicklergemeinde die Werkzeuge bereit, um Anwendungen mit Mehrwert für die Allgemeinheit zu bauen. Zum Vergleich: Das wäre in etwa so, als würde Apple iPhones verschenken, damit Entwickler darauf Apps entwickeln. Dabei reichen die Ideen von Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M), über die Revolution des Energiemarktes bis hin zu wirklich privater Kommunikation in Form von Sprache, Chat oder dem Austausch von Dateien im Netz. Und das alles wird befeuert von einem dezentralen Netzwerk aus Ethereum-Nodes auf der einen Seite und den sogenannten Minern auf der anderen. Eine Regulierung durch eine zentrale Instanz ist nicht möglich.

Der alte "Börsenhase" André Kostolany sagte einst, dass man im Goldrausch nicht in Goldgräber, sondern in Schaufeln und Spaten investieren sollte. In der Krypto-Welt schickt sich Ethereum an, diese Weisheit zumindest teilweise ad absurdum zu führen: Die Schaufeln gibt es gratis, plus Karten für die besten Goldadern. Die Entwickler müssen lediglich graben, also die Bibliotheken nutzen. Grafikkarten-Hersteller wie Nvidia und AMD haben diesen Trend längst für sich erkannt und produzieren dedizierte Hardware für das derzeit noch zur Absicherung des Netzwerks notwendige Grafikkarten-Mining.

Auf der Konferenz selbst stand vor allem die Entwicklung der Kernprotokolls und ergänzender Protokolle im Vordergrund. Neben dem eigentlichen Ethereum-Protokoll entwickeln sich zusätzliche, dezentrale Speicherprotokolle oder auch Protokolle für verschlüsselte Chats.

Inhalt dieses Artikels