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Erneut Schelte für Oracles Lizenzmodell

27.03.2002
Nach der Meta Group rät nun auch Gartner Oracle-Anwendern zu einer genauen Prüfung ihrer Lizenzkosten. Betroffen sind aber vornehmlich US-Kunden des Datenbankriesen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Gartner Inc. stößt in das gleiche Horn wie vergangene Woche bereits die Meta Group (Computerwoche online berichtete): Die Analysten empfehlen ihren Kunden, die von dem Datenbankanbieter Oracle Corp. erhobenen Lizenzgebühren einer genauen Prüfung zu unterziehen. Die Vertriebsleute des Anbieters hätten "von einigen Datenbankkunden unberechtigterweise überhöhte Lizenzgebühren verlangt".

Um nicht zuviel zu bezahlen, empfiehlt Gartner in einem neuen Report betroffenen Unternehmen vier Maßnahmen. Zunächst sollten sie von Oracle fordern, zwei Lizenzangebote vorzulegen (basierend sowohl auf dem Named-User- als auch dem Prozessor-basierenden Modell). Dann sollten Firmen regelmäßig Audits vornehmen, um Oracles gemachte Zusagen zu überprüfen. Als nächstes empfiehlt Gartner, umgehend Kauf- und Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen, um die Rechtmäßigkeit von etwaigen, von Oracle verlangten Zusatzzahlungen zu kontrollieren. Schließlich sollten im Falle des Auftretens irgendwelcher Lizenzfragen Verträge mit dem Datenbankanbieter neu verhandelt werden. George Roberts, Vice President North American Sales bei Oracle, weist die Kritik zurück: "Wir unterstützen und dulden die in dem Gartner-Report erwähnten Vertriebspraktiken in keinster Weise." Wenn ein Kunde ein Problem mit einem konkreten Vorschlag habe, ermutige man ihn stets,

in dieser Angelegenheit einen höher gestellten Vetriebsmann zu kontaktieren.

Die Lizenzpolitik von Oracle ist in der Kritik, seitdem der Anbieter rückläufige Ergebnisse melden muss. Nach Meinung von Betsy Burton, Analystin bei Gartner und eine der Autorinnen des Reports, "bedeuten das ökonomische Klima und ernstzunehmende Bedrohungen durch Wettbewerber Probleme für das Unternehmen". Die Vetriebsleute bedienten sich "ziemlich aggressiver Methoden", um Kunden zum Unterschreiben von Verträgen zu bringen, "die in manchen Fällen den allgemeinen Geschäftsbedingen widersprechen". Aggressive Vertriebstaktiken sind aus Sicht von Gartner nicht neu bei Oracle. Solche Geschäftsmethoden trügen dazu bei, nicht nur die Glaubwürdigkeit, sondern auch das Umsatzwachstum des Unternehmens zu beeinträchtigen.

Hierzulande scheint sich Oracle der angeprangerten Geschäftspraktiken nicht zu bedienen. Rückfragen bei der Deutschen Oracle Anwendergruppe (DOAG) ergaben, dass es bis dato keine Unregelmäßigkeiten in Sachen Softwarelizenzen gab. (ave)