Mailen ist Silber, Reden Gold wert

E-Mails verschlechtern Teamarbeit

13.09.2010
Wenn Kollegen von Angesicht zu Angesicht miteinander sprechen, vertrauen sie sich deutlich mehr als bei der Kommunikation via Mail und Videokonferenzen.

E-Mail-Kommunikation und Videokonferenzen sparen uns eine Menge Zeit, aber sie machen unsere Arbeit nicht unbedingt besser. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der amerikanischen University of Illinois. Weil Hightech-Kommunikation die persönliche Interaktion unterbinde, entstehe kein Vertrauen unter Mitarbeitern. Aber genau das wäre die Voraussetzung dafür, dass alle an einem Strang ziehen, glaubt der Leiter der Studie, Gregory Northcraft, Professor für Executive Leadership.

Vor allem bei der Projektarbeit sei die Qualität der Beziehungen entscheidend. Wenn Teilnehmer ihren Kollegen nicht vertrauten, schwäche sich schnell auch das eigene Verantwortungsgefühl ab. Und wenn alle so an die Aufgaben herangingen, sinke schnell die Leistungsbereitschaft des Teams.

Gregory Northcraft, University of Illinois: Persönliche Besprechnungen geben Teams das größte Vertrauen in ihre Arbeit.
Gregory Northcraft, University of Illinois: Persönliche Besprechnungen geben Teams das größte Vertrauen in ihre Arbeit.
Foto: Gregory Northcraft

Studienleiter Northcraft ließ zwei Studentengruppen Teamaufgaben lösen. Die einen kommunizierten von Angesicht zu Angesicht, die anderen nur via E-Mail und Videokonferenzen.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Das größte Teamvertrauen spürten die Teilnehmer bei persönlichen Besprechungen. An zweiter Stelle lagen die Videokonferenzen, an dritter die Mails. Auch im Projektergebnis erreichten die direkt kommunizierenden Teilnehmer ein höheres Niveau.

Frühere Studien bestätigen dieses Ergebnis. Northcraft empfiehlt Unternehmen, ihren Technikeinsatz zu überdenken. Wer zu viel technisch kommuniziere, schade der Teamarbeit. Im schlimmsten Fall werden die Aufgaben nicht zufriedenstellend gelöst.

Passend zum Thema: Die Zukunft der Industrie liegt im Internet der Dinge.

Wer nicht auf Techniken verzichten kann, sollte zumindest Kompromisse einplanen. Die könnten zum Beispiel so aussehen, dass Projektteams sich regelmäßig in persönlichen Treffen begegnen und sich in der Zwischenzeit elektronisch per Mail und über Videokonferenzen austauschen.

Bildquelle: Fotolia, K. Neudert