Damit der Chef nicht im Gefängnis landet

Die wichtigsten Versicherungen für Geschäftsführer

29.11.2023
Von 
Peter Reimer ist Vertriebsvorsitzender der Expert.Versicherung AG und Versicherungsexperte mit 35 Jahren Markterfahrung. Als Familienunternehmen in der dritten Generation hat sich das Unternehmen fest etabliert.
Von überraschenden Marktentwicklungen bis zu persönlichen Wendepunkten: die Absicherung des Unternehmens sowie des Geschäftsführers sind entscheidend. Welches sind nun Kriterien für die Wahl der richtigen betrieblichen Absicherung?
Geschäftsführer sind gut beraten, proaktiv Schritte zu unternehmen, um sich und ihr Unternehmen gegen alle Unwägbarkeiten der Zukunft abzusichern.
Geschäftsführer sind gut beraten, proaktiv Schritte zu unternehmen, um sich und ihr Unternehmen gegen alle Unwägbarkeiten der Zukunft abzusichern.
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Die Schlüsselrolle eines Geschäftsführers innerhalb eines Unternehmens bringt sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich. Eine dieser Herausforderungen besteht darin, die richtigen Vorkehrungen für den Risikoschutz und die finanzielle Sicherheit des Unternehmens zu treffen. Mit Blick auf die betriebliche Absicherung bedeutet das, dass Geschäftsführer die richtigen Versicherungen wählen müssen, um ihre Unternehmen vor existenzbedrohenden Risiken zu schützen.

Persönliche Absicherung des Geschäftsführers

Ein Geschäftsführer muss nicht nur sein Unternehmen, sondern auch sich selbst absichern. Persönliche Schicksalsschläge oder gesundheitliche Probleme können gravierende Auswirkungen auf das Unternehmen haben. Deshalb ist eine gezielte private Absicherung unerlässlich. Eine Option ist die private Altersvorsorge, die im Rahmen der dritten Schicht stattfindet. Hier hat man als Anleger die Freiheit, Entscheidungen bezüglich der Dauer und Höhe der Beiträge zu treffen.

Doch nicht immer ist die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) für Geschäftsführer die beste Wahl. Oftmals ist eine Absicherung gegen schwere Krankheiten vorteilhafter. Zudem sollte eine private Krankenzusatzversicherung mit Krankentagegeld in Betracht gezogen werden, um finanzielle Engpässe bei Krankheit zu vermeiden. Eine Unfallversicherung - sowohl privat als auch geschäftlich - bietet zusätzlichen Schutz vor den finanziellen Folgen unvorhergesehener Ereignisse.

Betriebliche Absicherung

Jedes Unternehmen, unabhängig von seiner Größe oder Branche, ist einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt, die im schlimmsten Fall dessen Existenz bedrohen können. Daher ist es von zentraler Bedeutung, dass Geschäftsführer diese Risiken erkennen und mit den richtigen betrieblichen Versicherungen abdecken. Die Auswahl der Versicherungen ist stark branchenabhängig und sollte daher individuell an das jeweilige Geschäftsmodell und die spezifischen Risiken angepasst werden.

Wichtige Fragen, die sich Geschäftsführer stellen sollten, sind beispielsweise: "Was passiert, wenn ich längere Zeit ausfalle? Gibt es jemanden, der in meiner Abwesenheit Entscheidungen treffen kann?" Eine mögliche Lösung hierfür bietet die Fusionsversicherung. Zudem sind Haftpflichtversicherungen, je nach Branche und Unternehmensform, von großer Bedeutung.

Sie reichen von der Vermögensschadenhaftpflicht über die Betriebshaftpflicht bis hin zur D&O-Versicherung. Ein betrieblicher Rechtsschutz und eine betriebliche Altersvorsorge, die in der ersten Schicht angesiedelt ist, runden das Portfolio an wichtigen Versicherungen für Unternehmer ab.

Die Schichten der Altersvorsorge

Die Altersvorsorge in Deutschland, wie auch in einigen anderen Ländern, ist häufig in drei unterschiedliche Schichten unterteilt. Die erste Schicht stellt die staatliche Grundversorgung dar und umfasst die gesetzliche Rentenversicherung, welche als Basisabsicherung für alle Bürger im Alter dient.

Die zweite Schicht kombiniert betriebliche Altersvorsorge und private Vorsorgepläne, einschließlich Firmenpensionsplänen und individuellen Renten- oder Lebensversicherungen. Schließlich bildet die dritte Schicht eine Sammlung freiwilliger privater Spar- und Anlageoptionen, wie Investmentfonds oder Immobilien, um zusätzlichen finanziellen Schutz im Alter zu ermöglichen.

Obwohl es Parallelen gibt, ist es wichtig, sich über die spezifischen Regelungen der Altersvorsorge im jeweiligen Land zu informieren, da sich die Ausgestaltung und Betonung der einzelnen Schichten international unterscheiden können.

Empfehlungen und Strategien zur Altersvorsorge

Geschäftsführer stehen oft vor der Herausforderung, die richtige Balance zwischen den verschiedenen Schichten der Altersvorsorge zu finden. Empfehlenswert ist eine Kombination aus der ersten und dritten Schicht. Mit der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) lassen sich Steuern und Sozialabgaben sparen. Zwar werden diese Ausgaben bei späterer Auszahlung versteuert, jedoch bietet die bAV den Vorteil, dass man über das Kapital verfügen kann.

Im Gegensatz dazu bieten Riester- und Rürup-Verträge verschiedene steuerliche Vorteile. Allerdings müssen auch diese bei der späteren Auszahlung versteuert werden, sodass dieser vermeintliche Vorteil egalisiert wird. Zudem sind sie mit Einschränkungen verbunden: So ist das Kapital nicht oder nur sehr schwer verfügbar und vor allem die Vererbbarkeit stark eingeschränkt. Insbesondere die Riester-Rente ist für Besserverdiener nicht attraktiv, während sie für Familien mit mehreren Kindern oder Mitarbeitern mit niedrigerem Einkommen eine Option sein kann.

Individuelle Situation genau untersuchen

Die private Altersvorsorge der dritten Schicht erlaubt dem Anleger, Herr über sein Geld zu sein. Hier können Entscheidungen bezüglich Dauer und Höhe der Beiträge flexibel getroffen werden. Zudem sind Gewinne während der Ansparphase steuerfrei, und bei der Auszahlung ist die Hälfte ebenfalls steuerfrei, gemäß Paragraf 21 des Einkommenssteuergesetzes.

Wichtig ist: Es gibt keinen "One-Size-Fits-All"-Ansatz für die Altersvorsorge. Deshalb sollten Geschäftsführer sich mit externen Experten beraten, um ihre individuelle Vorsorgesituation zu bewerten und eine individuelle Lösung zu finden.

Der kritische Blick auf bestehende Rentenverträge

Nicht selten geraten Altersvorsorgeverträge nach einiger Zeit in Vergessenheit oder werden als selbstverständlich betrachtet. Doch der Markt und die individuellen Lebensumstände ändern sich stetig. Daher ist es unerlässlich, bestehende Altersvorsorgeverträge regelmäßig zu überprüfen und die aktuellen Konditionen mit neuen Angeboten und Möglichkeiten zu vergleichen. Ein weitverbreiteter Irrglaube ist, dass ältere Policen grundsätzlich nicht gekündigt werden sollten.

Dabei können gerade veraltete Konditionen oder nicht mehr marktgerechte Renditeerwartungen ein finanzielles Loch in die Altersvorsorge reißen. Oftmals führt eine Anpassung oder sogar ein Wechsel des Vertrags bei gleichem Beitrag zu einer deutlich höheren Ablaufleistung oder zur gleichen Ablaufsumme bei niedrigeren Einzahlungen. Da solche Entscheidungen jedoch weitreichende Auswirkungen haben können, ist es ratsam, sie mithilfe fachkundiger Beratung zu treffen.

Ein Navigieren durch das Labyrinth der Absicherung

In diesem Umfeld, das ständig im Wandel ist und von unternehmerischen Herausforderungen geprägt wird, steht der Geschäftsführer oftmals an vorderster Front. Es geht nicht nur um das Überleben des Unternehmens, sondern auch um die eigene finanzielle Zukunft. Entscheidend ist die richtige Versicherungsauswahl und wie Geschäftsführer ihr Vermögen und ihren Betrieb am besten schützen können.

Dabei ist es wichtig, eine ausgewogene Kombination von Altersvorsorge-Modellen zu wählen und stets wachsam zu bleiben, um sich an verändernde Marktbedingungen anzupassen. Die Reise in die finanzielle Absicherung ist keine einmalige Entscheidung, sondern ein fortlaufender Prozess, der Anpassungsfähigkeit, Bildung und Beratung erfordert.

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