Deutsche Telekom plant Abwehrkampf gegen Sistema

03.11.2006
Der Einstieg des russischen Mischkonzerns Sistema bei der Deutschen Telekom dürfte sich als äußerst schwierig erweisen. Medienberichten zufolge plane der Bonner Konzern bereits entsprechende Abwehrstrategien, auch die Bundesregierung hat sich gegen eine Zusammenarbeit ausgesprochen.

Der geplante Einstieg des russischen Mischkonzerns AFK Sistema bei der Deutschen Telekom wird vom ehemaligen Staatskonzern mit wenig Begeisterung aufgenommen. Nach Informationen des Handelsblattes werde sich der Bonner Konzern notfalls zur Wehr setzen, sollte ein Angebot erfolgen. Der Aufsichtsrat arbeite an einer Abwehrstrategie, zudem seien "russische Oligarchen [eine] schlimmere Bedrohung [für die Deutsche Telekom] als amerikanische Heuschrecken", erklärten nicht namentlich genannte Aufsichtsräte gegenüber der Zeitung.

Angesichts der ablehnenden Haltung sowohl von Seiten der Deutschen Telekom als auch der Bundesregierung ist ein Großeinstieg Sistemas, das vom russischen Oligarchen Wladimir Jewtuschenkow kontrolliert wird, eher unwahrscheinlich. "Nicht auszuschließen ist aber, dass Sistema über die Börse bereits Telekom-Aktien gekauft hat", meint Merck-Finck-Analyst Theo Kitz. Ein Anzeichen dafür könnte der relativ hohe Kurs der vergangenen zwei Monate sein. Er legte von 11,19 Euro (07.09.2006) auf 13,64 Euro (02.11.2006) zu.

Die Deutsche Telekom könnte allerdings von einem Handel mit Sistema auch profitieren. Die Mobilfunktochter des Konzerns, MTS, ist der größte Betreiber Russlands und verfügt über mehr als 58 Mio. Kunden. MTS ist kein Unbekannter für den deutschen Telekomkonzern. 1994 war die Deutsche Telekom mit 40 Prozent bei Sistema eingestiegen. Weil Sistema aber eine Komplettübernahme blockierte, hatte sich die Telekom nach und nach von ihren MTS-Anteilen getrennt. Im September 2005 waren die letzten zehn Prozent der Beteiligung verkauft worden.

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