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COMDEX: .Net - was war das noch gleich?

20.11.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf der COMDEX Fall beschäftigten sich illustre Diskutanten mit Microsofts .Net-Strategie. Was ursprünglich als ein Konzept angesehen wurde, um Softwarefunktionalität über Web-Services bereit zu stellen, habe sich inzwischen zu einer Reihe wichtiger Richtungswechsel des Redmonder Konzerns entwickelt, erklärte Group Product Manager John Montgomery. "Ich denke, Microsoft hat einen schlechten Job gemacht, als wir dies eingeführt und einfach nur den Namen .Net auf diverse Produkte gepappt haben", so Montgomery.

"Mit dem Begriff .Net haben wir eigentlich zwei Dinge auf einmal getan", sagte der Microsoft-Mann weiter. Das sei zum einen ein neuer Ansatz für die Zusammenarbeit mit Windows-Entwicklern und andererseits die Unterstützung offener Standards, um die Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Systemen zu sichern. "Uns geht es grundsätzlich darum, Windows zu einem besseren Ort für die Entwicklung und den Einsatz von Anwendungen zu machen", erklärte Montgomery.

Was Microsofts Bemühungen in Sachen Interoperabilität betrifft, waren die anwesenden Experten unterschiedlicher Meinung. Die Yankee-Group-Analystin Laura DiDio würdigte die Bemühungen des Konzerns: "Seit Bill Gates sich auf den Chief Software Archtitect zurückgezogen hat, bemüht sich Microsoft sehr um eine einheitliche Botschaft", meint die Fachfrau. "Nämlich XML überall und mehr Offenheit bei etwa Schemas und APIs. Das ist real, es passiert, und Microsoft geht hier mit Riesenschritten."

Weniger enthusiastisch gab sich Greg Stein, Chairman der Apache Software Foundation. Zwar halte sich Microsoft inzwischen respektabel an Standards, dies habe aber keine unmittelbaren Auswirkungen. "Mit .Net wird man interoperabel zu einer Menge Dinge, und das bedeutet, dass diese keine große Triebkraft besitzt", sagte der Open-Source-Vertreter. "Ich betrachte .Net noch immer eher als Branding-Übung." Software gemäß offener Standards zu bauen sei gut, das quelloffene Entwicklungsmodell aber ein größeres Problem für Microsoft. "In Wirklichkeit treibt Open Source die Monetarisierung von Software", so Stein. "Die Leute setzen mehr und mehr auf diese freien Technologien auf. Wer aber Frameworks verkaufen will, der wird eine schwere Zeit haben." (tc)