Innovation und Unternehmenskultur

Collaboration Tools immer noch kaum verbreitet

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Je stärker Mitarbeiter Collaboration Tools nutzen, desto innovativer wird ein Unternehmen. Allerdings setzen sie die Tools nur sparsam ein, wie der Berater Campana & Schott sowie die TU Darmstadt in einer Studie feststellen.
  • Auf einer Skala von Null bis drei erreicht der Social Collaboration-Reifegrad deutscher Unternehmen einen Wert von 1,14
  • IT-Unternehmen schneiden am Besten ab, das Gesundheitswesen am Schlechtesten
  • Meist werden Collaboration-Tools im Umgang mit Anträgen und Formularen eingesetzt

Kultur vor Kosten - so liest sich die "Deutsche Social Collaboration Studie 2017". Unternehmen wollen mit dem Einsatz von Collaboration-Tools in erster Linie ihre interne Kultur verbessern. Zweitens versprechen sie sich mehr Innovationskraft und erst an dritter Stelle zielen sie auf das Senken von Kosten ab.

Insgesamt nutzen deutsche Unternehmen wenig Social Collaboration, der Einsatzgrad hängt aber von der Branche ab.
Insgesamt nutzen deutsche Unternehmen wenig Social Collaboration, der Einsatzgrad hängt aber von der Branche ab.
Foto: Campana & Schott/TU Darmstadt

Die Analyse stammt von der Unternehmensberatung Campana & Schott in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt. Mehr als 1.000 Entscheider haben sich daran beteiligt.

Reifegrad deutscher Unternehmen

Anspruch der Studienautoren ist es, einen Social Collaboration-Reifegrad für deutsche Firmen zu ermitteln. Dieser konkretisiert sich etwa darin, wie Mitarbeiter Dokumente austauschen, nach einem Experten im Unternehmen suchen oder Kommunikation und Abstimmung in Teams organisieren. Der Reifegrad eines Unternehmens reicht von Null (für ausschließlich analoge Zusammenarbeit) bis drei (für den alleinigen Einsatz technologisch fortgeschrittener Lösungen). Wer vieles mündlich oder per E-Mail erledigt, weist einen geringeren Reifegrad auf als Nutzer cloudbasierter Social Collaboration-Tools.

Nach dieser Rechnung beträgt der Reifegrad deutscher Unternehmen derzeit 1,14. Als Ausreißer nach oben zeigen sich IT-Unternehmen (1,39) und Fahrzeugbauer (1,24). Das Gesundheitswesen bildet mit 0,99 Zählern Schlusslicht. Kommen Collaboration-Tools zum Einsatz, dann meist im Umgang mit Anträgen und Formularen (Reifegrad 1,41) und bei firmeninternen Informationen und Neuigkeiten (1,30). Am wenigsten (0,81) dienen sie dem Austausch in Interessengruppen.

Potenzial von Collaboration-Tools liegt brach

Die Studienautoren kommentieren, es sei "hohes Potenzial nach wie vor ungenutzt". Das "nach wie vor" bezieht sich auf eine ähnliche Studie, die 2016 durchgeführt wurde. Insgesamt sind die Ergebnisse schwer vergleichbar, weil an der aktuellen Umfrage fast doppelt so viele Entscheider teilgenommen haben als im Vorjahr und damit eine ganz andere Datenbasis vorliegt. Campana & Schott hat aber ausgerechnet, dass auch die Vorjahresteilnehmer ihren Social Collaboration-Reifegrad um lediglich vier Prozentpunkte gesteigert haben.

Collaboration Tools unterstützen vor allem die Bearbeitung von Anträgen und Formularen.
Collaboration Tools unterstützen vor allem die Bearbeitung von Anträgen und Formularen.
Foto: Campana & Schott/TU Darmstadt

Social Collaboration aus der Cloud

Lediglich rund jedes zehnte Unternehmen setzt überwiegend Cloud-basierte Tools ein. Die Studienautoren plädieren hier für eine Verstärkung, denn die Nutzung der Cloud kann die Effizienz um bis zu dreizehn Prozent steigern. Campana & Schott führt das darauf zurück, dass Tools in der Cloud meist automatisch aktualisiert werden. Damit können die Nutzer stets auf State-of-the-Art-Lösungen zugreifen.

4 Idealtypen der Unternehmenskultur

In Bezug auf die Unternehmenskultur unterscheidet Campana & Schott vier Idealtypen. Erstens die "Group Culture", die durch Zusammenhalt über gemeinsame Werte geprägt ist. Zweitens die "Hierarchical Culture", deren Zusammenhalt über Stabilität und Kontrolle funktioniert, sowie drittens die "Rational Culture" mit ihrem Zusammenhalt über Leistung und Effizienz. Die "Development Culture" viertens wird über Wachstum und Weiterentwicklung zusammengehalten.

Unterschiedliche Erfahrungen mit der Akzeptanz

Die Studie dokumentiert positive Korrelationen zwischen der Development Culture sowie der Rational Culture und dem Reifegrad in Sachen Social Collaboration. Generell weisen Abteilungen mit höherem Social-Collaboration-Reifegrad eine stärker ausgeprägte Innovationsorientierung auf. Campana & Schott betont, dass es kein Unternehmen gibt, das nur einen der vier genannten Kulturtypen verkörpert, jedes Unternehmen ist eine Mischung mit einer Tendenz in die eine oder andere Richtung.

Wie unterschiedlich die Erfahrungen mit Collaboration-Lösungen sind, zeigen einzelne Stimmen ausgewählter Studienteilnehmer. So berichtet einer: "Die Hürde, Kolleginnen und Kollegen anzusprechen, ist niedriger. Der Umgang ist weniger formell. Probleme werden direkter benannt und können durch das soziale Netzwerk schneller behoben werden." Ein anderer beobachtet jedoch: "Lediglich die jungen Mitarbeiter zeigen ein ausgiebiges Interesse an sozialen Medien. Es gibt aber ebenso viele, die möchten und können damit nichts anfangen."