Top 100 - Cloud Computing

Cloud Computing wird zu Enterprise Computing

01.10.2014
Von   IDG ExpertenNetzwerk
Stefan Ried ist IoT Practice Lead & Principal Analyst bei Crisp Research.

Self-Service ist der Schlüssel zur Mitarbeitermotivation

Im Zeitalter der Public-Cloud-Dienste, die oft eine Alternative zu den teils antiquierten Angeboten der Corporate IT darstellen, werden traditionelle Governance-Mechanismen nicht mehr funktionieren. CIOs, die versuchen, bestimmte Dienste zu verbieten, werden keinen Erfolg mehr haben. Einige Mitarbeiter werden immer danach trachten, diese Regeln zu umgehen, um schneller oder einfacher an ihr Ziel zu gelangen. Mancher CIO musste das mit dem Bring-your-own-Device-Trend bereits schmerzlich erfahren.

Eine sinnvolle Maßnahme, Compliance und Sicherheit zu fördern, kann das pro-aktive Anbieten von hybriden IT-Services in einer modernen Kombination aus einem IT-Service-Katalog und einem App-Store sein. Forrester bezeichnet das als einen Service-App-Store. Hier lässt sich zum Beispiel ein Filesharing-Dienst anbieten, der bei einem deutschen Provider gehostet wird, um die unsichere Nutzung von Dropbox aus den Unternehmen herauszuhalten. Das Gleiche gilt für die meisten IaaS- und SaaS- Angebote.

Neue Anwendungen profitieren zuerst von der Cloud - danach die IT-Legacy

Forrester hat Enterprise-Applikationen in die beiden Klassen "Systems of-Engagement" und "Systems of Records" unterteilt und damit eine neue Begrifflichkeit geprägt. Bei den Letzteren handelt es sich um meist ältere, firmenkritische Transaktionssysteme. Die Systems of Engagement hingegen sind für die Interaktion mit Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern gebaut. Beide ergänzen sich meistens.

Systems of Records, beispielsweise ERP-Systeme, verändern sich allerdings aus Risiko- und Kostengründen sehr langsam. Systems of Engagement dagegen müssen schnell den veränderten Geschäftsmodellen im Consumer- und B2B-Geschäft folgen. Während 2011 noch 79 Prozent der Investitionen in Systems of Records und nur 18 Prozent in Systems of Engagement flossen, erwarten wir bereits für 2016 einen Trendwechsel. Dann dürfte der größere Teil der Ausgaben, etwa 45 Prozent, in Systems of Engagement fließen, während nur noch 41 Prozent in die klassischen Backend-Systeme gehen.

Die meisten Systems of Engagement entstehen heute aufgrund der benötigten Agilität gleich in der Cloud, während - besonders in Deutschland - klassische ERP-Systeme on Premise betrieben oder via Outsourcing genutzt werden. Der komplette Geschäftsprozess ist damit bereits hybride.

Erst Cloud Computing ermöglicht eine Business-Technologie-Agenda

Forrester bezeichnet die Summe der Aktivitäten, die ein moderner CIO zusätzlich zu den traditionellen IT-Verantwortlichkeiten betreibt, als "Business Technology (BT) Agenda". Gemeint sind Technologien, Systeme und Prozesse, die dazu dienen, Kunden zu gewinnen und zu halten. Während die traditionelle IT-Agenda Kostenreduktion und Effizienz im Auge hat, konzentriert sich die BT-Agenda eines CIO auf den Erhalt und die Steigerung der Umsätze.

Daimlers Mobility-Konzepte rund um Car2Go und Moovel sind gute Beispiel für den Erfolg einer solchen BT-Agenda. Natürlich sind die Umsätze dieser innovativen Mobility-Dienste noch nicht mit dem Volumen des Kerngeschäfts vergleichbar. Wie schnell das aber gehen kann, zeigen uns 55 Milliarden Dollar Transaktionsvolumen auf Paypal pro Quartal. Ebay macht damit so mancher Bank zunehmend Konkurrenz.

Cloud Computing ist einerseits nur moderne Technologie kombiniert mit einem neuen Geschäftsmodell der IT-Branche. Diese Industrialisierung der IT-Branche ermöglicht andererseits aber erst die Evolution des Kerngeschäfts in Rahmen einer BT-Agenda. Hier sieht Forrester die Zukunft des modernen CIO.