Zugangstechniken unter der Lupe

Breitband für alle - so wird ein Traum Realität

07.06.2011
Von 
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 

Kabel-TV - wie Phönix aus der Asche

Als die Deutsche Telekom zwischen 2000 und 2003 ihr TV-Kabelnetz auf Druck der EU und nationaler Wettbewerbsbehörden verkaufen musste, gaben viele Experten der Technik keine Zukunft. Digitales Fernsehen via Satellit und schneller Internet-Zugang via xDSL galten als die relevanten Zukunftstechnologien. Von vielen wurde das Netz damals nur noch müde als "Investitionsruine Schwarz-Schilling" belächelt.

Knapp zehn Jahre später ist das Netz wie Phönix aus der Asche auferstanden und setzt die etablierten Carrier in Sachen Glasfaserausbau in Zugzwang. So heizt der größte TV-Kabel-Provider Kabel Deutschland den Preiskampf bei den Internet-Angeboten weiter an: Ein Internet-Zugang mit bis zu 6 Mbit/s im Downstream und bis zu 465 Kbit/s im Upstream inklusive Internet- und Telefon-Flatrate ist für 17,90 Euro im Monat zu haben.

Sechs Millionen Haushalte in Ausbaugebieten versorgt das Unternehmen schon heute mit 100 Mbit/s-Anschlüssen (6 Mbit/s im Upload) zum Kampfpreis von 19,90 Euro pro Monat in den ersten zwölf Monaten. Bis März 2012 will der Konzern dann mehr als zehn Millionen Haushalte versorgen. Insgesamt sind rund 22 Millionen Haushalte an das TV-Netz angeschlossen. Das Geschäft dominieren vier Player: Kabel Deutschland, Unitymedia, Kabel BW sowie Tele Columbus.

Selbst für Business-Anwender ist das Kabelnetz heute eine Access-Alternative bei der Filialvernetzung - vor allem Selbständige sowie kleine und mittlere Unternehmen zeigen Interesse. Auch wenn Kabel Deutschland, wie Pressesprecher Marc Gassen einräumt, "primär die Privatkunden im Fokus hat", schnürte das Unternehmen Produktpakete für professionelle Anwender. Unter der Bezeichnung "Internet &Telefon Business 32" ist ein Bundle erhältlich, das einen Internet-Zugang (32 Mbit/s down, 2 Mbit/s up), vier Telefonleitungen sowie ein Hosting-Angebot für E-Mail und Website enthält.

In Sachen E-Mail erhält der User 500 Postfächer mit jeweils 2 GB Speicherplatz. Für die Homepage stehen 4 GB Speicher sowie zwei Wunsch-Domains zur Verfügung. Hierfür verlangt das Unternehmen während der Mindestvertragslaufzeit von zwölf Monaten rund 30 Euro pro Monat.

Wer auf den Telefonanschluss verzichtet, kann für 24,90 Euro pro Monat auch einen reinen Internet-Zugang mit 100 Mbit/s erhalten. Befürchtungen, dass das TV-Kabel Business-Anforderungen nicht genügen könnte, entgegnet Gassen: "Wir hatten in Sachen Internet-Zugang 2009 eine gemessene Verfügbarkeit von 99,85 Prozent." Zudem ständen Business-Kunden bei technischen Beeinträchtigungen eigene Berater 24 Stunden täglich an sieben Tagen der Woche zur Verfügung.

Möglich wurde dies, weil Kabel Deutschland und andere TV-Netz-Provider ihre Netze konsequent in Richtung Internet ausgebaut haben, um neue Zielgruppen und Einnahmequellen zu erschließen. "Pro TV-Kunde erzielen wir einen durchschnittlichen Umsatz von acht bis zehn Euro, während wir bei den Internet-Kunden monatlich bei rund 30 Euro liegen", rechnet Gassen vor.

Quadruple-Play als Zukunftsvision

Hierzu mussten die Betreiber beispielsweise in einen Rückkanal investieren, der für interaktive Dienste oder Internet erforderlich ist. Ähnlich wie bei VDS setzten die Kabler zudem auf eine hybride Infrastruktur, bei der Glasfaser zum Einsatz kommt und das Koaxkabel nur noch auf den letzten Metern verwendet wird. Ferner war die Aufrüstung auf die Kabelmodemspezifikation Docsis 3.0 notwendig, denn erst diese unterstützt Bandbreiten von bis zu 200 Mbit/s und überbrückt im Gegensatz zu DSL größere Entfernungen.

"Technologisch sind die Kabelnetze xDSL überlegen, da sie hohe Bandbreiten von über 100 Mbit/s ermöglichen", bestätigt Robert Stumpf, Senior Executive bei Accenture und Netzexperte. Früher oder später dürften die TV-Netzbetreiber, so Klaus von den Hoff, Leiter der Time-Practice bei Arthur D. Little, aber die Konkurrenz der Glasfaser spüren. Er rät den Betreibern deshalb, im Zuge des LTE-Ausbaus Quadruple-Play-Angebote zu schnüren, die einen mobilen Datendienst beinhalten.