Recruiting virtuell

Bewerber finden mit virtuellem Berater

19.06.2008
Von 
Gabi Visintin ist PR-Beraterin bei der Storymaker GmbH.
Rosemarie Clarner, Personalchefin der IDS Scheer AG, berichtet über ihre Erfahrungen mit einem virtuellen Headhunter.

CW: Die IDS Scheer AG hat im Januar einen Höchststand an Bewerbungen in Deutschland erreicht. Worauf führen Sie das zurück?

CLARNER: Schon seit längerem nehmen wir an Recruiting-Messen teil und organisieren Veranstaltungen und Workshops an Hochschulen. Im vergangenen Jahr haben wir unsere Anstrengungen verstärkt, weil wir nicht genügend geeignete Kandidaten gefunden hatten. Einen wichtigen Anteil an den gestiegenen Bewerberzahlen hat unser "virtueller Headhunter", der seit Mitte Januar auf unserer Website Bewerber einlädt. Die Microsite ist zusätzlich im Web 2.0 vernetzt und verfügt über Profile bei unterschiedlichen Kontaktplattformen.

CW: Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit Ihrem virtuellen Personalberater gemacht?

CLARNER: Sehr gute. Immer wieder sagen uns Bewerberinnen und Bewerber, dass ihnen die etwas andere Art der Einladung ins Unternehmen gefällt. Dabei ist der virtuelle Headhunter ja "nur" der Einstieg, wichtiger ist, dass Bewerber viel mehr interne Informationen über das Unternehmen IDS Scheer erhalten und personalisiert an die für sie passende Stellenausschreibung herangeführt werden. Seit dem Start der Kampagne wurde der Film 50.000-mal abgerufen, und die Zahl der Bewerber ist um rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das zeigt, wie gut diese Recruiting-Maßnahme wirkt. Seit Januar haben wir 130 Arbeitsverträge abgeschlossen.

CW: Was haben Sie sich noch an Aktivitäten überlegt, um Bewerber von Ihrem Unternehmen zu überzeugen?

CLARNER: Wir schnüren individuelle Pakete für Bewerber und kommen ihrer Interessenlage je nach persönlicher Lebensphase entgegen. Wenn ein Berater nicht im Einzugsgebiet unserer acht Standorte in Deutschland lebt, dann bieten wir ihm eine Home-Office-Regelung an. Und um beispielsweise nicht auf erfahrene Beraterinnen mit Kindern verzichten zu müssen, versuchen wir deren Bedürfnissen in Bezug auf die Arbeitszeitregelung entgegenzukommen. Für Berufseinsteiger haben wir kürzlich eine zusätzliche Ausbildungsinitiative zu bestimmten Fachthemen wie Business Intelligence gestartet. Damit können sich Berufseinsteiger das Prozess- oder BWL-Wissen aneignen, das sie noch brauchen. Zudem bieten wir den Mitarbeitern berufliche Perspektiven - wie den Karrierepfad Projekt-Management, der eine externe Zertifizierung beinhaltet. Eine solche Investition kommt nicht nur dem Unternehmen zugute, sondern auch der persönlichen Karriere eines Mitarbeiters. (hk)

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