Schnittstelle für Entwickler

Augmented Reality: Das ist neu in ARKit 2

Peter Müller ist der Ansicht, dass ein Apple täglich den Arzt erspart. Sei es iMac, Macbook, iPhone oder iPad, was anderes kommt nicht auf den Tisch oder in die Tasche. Seit 1998 beobachtet er die Szene rund um den Hersteller von hochwertigen IT-Produkten in Cupertino genau. Weil er schon so lange dabei ist, kennt er die Apple-Geschichte genau genug, um auch die Gegenwart des Mac-Herstellers kritisch und fair einordnen zu können. Ausgeschlafene Zeitgenossen kennen und schätzen seine Beiträge im Macwelt-Morgenmagazin, die die Leser werktags pünktlich um acht Uhr morgens in den nächsten Tag mit Apfel und ohne Doktor begleiten. Privat schlägt sein Herz für die Familie, den FC Bayern, sechs Saiten, Blues-Skalen und Triolen im Shuffle-Rhythmus.
In Sachen Argumented Reality ist Apple dank seiner mobilen Hardware und der engen Verzahnung mit iOS der Konkurrenz einige Schritte voraus. Die im letzten Jahr vorgestellte Entwickler Bibliothek ARKit hat auf der WWDC 2018 Anfang Juni einen Nachfolger erhalten: ARKit 2.

Die neuen, computerunterstützten Realitäten lassen sich in zwei Kategorien einsortieren: AR und VR. AR steht hier für Augmented Reality und bedeutet, dass die reale Welt mit zusätzlichen künstlichen Inhalten angereichert, sich durch Brillen oder Displays betrachten lässt. Ein Beispiel: Sieht man sich einen Wegweiser durch die Kamera und den Bildschirm des iPhone an, zeigt eine AR-Anwendung die Entfernung zu der Stadt und/oder ein Vorschaubild der Sehenswürdigkeiten dort.

LEGO AR City nutzt ARKit-2-Funktionen wie Shared Experiences, persistente AR- und 3D-Objekterkennung, um LEGO-Kreationen und -Charaktere zum Leben zu erwecken.
LEGO AR City nutzt ARKit-2-Funktionen wie Shared Experiences, persistente AR- und 3D-Objekterkennung, um LEGO-Kreationen und -Charaktere zum Leben zu erwecken.
Foto: Apple


VR hingegen bedeutet Virtual Reality. Also eine komplett virtuelle Welt. Setzt man eine spezielle Brille auf, bewegt man sich als Protagonist in First-Person- oder Third-Person-Ansicht durch eine künstliche Realität. Die ersten Anwendungsbeispiele sind Spiele oder Nachbauten von Sehenswürdigkeiten, die man virtuell durchstreift. An VR hat Apple anscheinend kein großes Interesse, umso mehr an AR.

Apples Heimvorteil bei AR

AR-Anwendungen sind Apps, die sich erweiterten Schnittstellen des Smartphones bedienen. Apples eigene API ARKit hat in diesem Jahr die Versionsnummer 2 erhalten. Bisher konnten AR-Anwendungen lediglich statische Objekte wie Poster lesen und Räume durch virtuelle Objekte erweitern.

ARKit 2 bietet Entwicklern drei grundlegend neue Funktionen: 3D und bewegbare Objekte erkennen, mehrere Spieler können gemeinsam agieren und Anwendungen können den letzten Status speichern, um später zurück zu kehren.

3D und bewegbare Objekte

Neu hinzugekommen sind die Erkennung von 3D-Objekten wie Vasen, Spielzeugen und Möbeln. Außerdem können bewegbare 2D-Objekte erkannt werden. Entwickler haben jetzt die Möglichkeit, Gegenstände wie Spielfiguren oder Verpackungen in die eigene Anwendung zu integrieren. ARKit 2 wird in Zukunft also Apps ermöglichen, die sich immer mehr mit der Realität verzahnen.

Mehrspieler-Modus

Eine weitere signifikante Verbesserung ist das Zusammenspielen mit Freunden. Bislang konnte man nur sein eigenes Spiel (oder eine andere Anwendung) auf dem iPhone oder iPad erleben. ARKit2 ermöglicht das Zusammenspielen von mehreren Endgeräten. Freunde, die sich im gleichen Raum aufhalten, können also am gleichen Spiel teilnehmen und die Aktionen des Anderen am eigenen Bildschirm sehen.

Auf der WWDC 2018 zeigte Lego, wie Mehrspieleranwendungen aussehen können.
Auf der WWDC 2018 zeigte Lego, wie Mehrspieleranwendungen aussehen können.

Speichern des aktuellen Standes

Benutzer sind es gewohnt, dass iOS-Apps sich nach dem erneuten Öffnen in den letzten Zustand vor dem Schließen versetzen. AR-Anwendungen sind jedoch aufwendiger gestrickt und benötigen mehr Speicherplatz. Mit ARKit 2 jedoch erlaubt es Apple den Entwicklern, Spielstände zwischenzuspeichern.

Das Resultat: Eine einmal aufgebaute Umgebung mit imaginären Objekten ist nach dem zwischenzeitlichen Pausieren der Anwendung wieder genauso vorfindbar. Vor allem für Kinder können beruhigt nach Ablauf ihrer erlaubten Spielzeit ins Bett gehen und am nächsten Tag das Spiel an der letzten Stelle wieder aufnehmen.

Neues Dateiformat

Damit AR zum Erfolg wird, benötigt Apple Hilfe. Diese findet Cupertino bei Unternehmen wie Adobe, das natürlich daran interessiert ist, dass Kunden Objekte mit kommerzieller Absicht einsetzen. Apple hat hierfür die Türen geöffnet und das USDZ-Format vorgestellt.

Dritthersteller können ihre eigenen 3D-Kreationen in diesen Format abspeichern, um sie anschließend in AR-Anwendungen unter iOS 12 zur Verfügung zu stellen. Bald dürfte es also ein ganzes Ökosystem voller 3D-Objekte und Anwendungen geben, die miteinander interagieren. Wenn auch vorläufig nur unter iOS.

Fazit

Bislang sind AR-Anwendungen vor allem beim jungen Publikum beliebt. Unternehmen wie IKEA und andere Einrichtungshäuser bemühen sich, virtuelle Gegenstände in der realen Umgebung zu platzieren um Kaufentscheidungen zu erleichtern. Bislang fehlen jedoch noch Spaß und Nützlichkeitsfaktor.

Mit dem ARKit 2 geht Apple aber einen großen Schritt. Nicht nur kommen weitere nützliche Features dazu, Apple macht es den Entwicklern auch sehr einfach, komplizierte Anwendungen simpel und schnell umzusetzen. Dank der exzellenten mobilen Hardware und einem funktionierendem Ökosystem bietet Apple gerade alles, um AR zum Erfolg zu führen. Bis es dazu kommt, werden noch ein paar Jahre verstreichen, in Zukunft dürfen wir uns aber auch reichlich mehr AR-Anwendungen im App Store freuen. (Macwelt)