Update angekündigt

Android sendet heimlich Standortdaten an Google

22.11.2017
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Seine erste Berührung mit Informatik erfolgte an einem C64 samt Floppy VC 1541. Von Anfang an nutzte er diesen faszinierenden Heimcomputer nicht nur zum Daddeln, sondern auch für die Basic-Programmierung. Unter anderem half er seinen damals etwas müden Kopfrechnen-Fähigkeiten auf die Sprünge, indem er ein Programm schrieb, das immer zwei zufällig ausgewählte Zahlen zur Multiplikation stellte. Im Hintergrund lief ein Timer. Nur wenn er das Ergebnis innerhalb des vorgegebenen Zeitraums, der leider manchmal zu knapp bemessen war, richtig eintippte, bekam er einen Punkt gutgeschrieben. Seine Highscore-Ergebnisse waren durchwachsen, seine Programmierkenntnisse dafür umso besser. Der Lehrstuhl, an dem er als studentische Hilfskraft angestellt war, gehörte seinerzeit zu den Vorreitern in Sachen IT. Man übersetzte damals die griechischen Inschriften der antiken Stadt Hierapolis – heute ist dieses türkische Pamukkale bekannt durch seine Kalksinter-Terrassen. Die wissenschaftlich korrekt erfassten und kommentierten Inschriften bearbeiteten Dirscherl und Kollegen zunächst in Wordperfect. Anschließend landeten die Texte in einer Datenbank, die auf CD gepresst und für sündhaft viel Geld weltweit verkauft wurde. Über dieses epigraphische Datenbankprojekt, diverse C-Programmierereien auf Unix-Systemen und seine ersten Experimente mit Linux landete er schließlich professionell bei der IT. Seit den späten 1990-ern nutzt er Linux als Produktivsystem, seit Anfang der 2000-er Jahre ist Linux sein hauptsächliches OS. Nach vielen Jahren mit Suse Linux und Open Suse und zwischendurch Ausflügen zu Red Hat und Debian landete er bei Ubuntu und erledigt damit alle Arbeiten. Linux und C ist er bis heute treu geblieben – nach einem Ausflug zu PHP und MySQL. Mittlerweile bastelt er auch mit Arduino. Bei pcwelt.de betreut er vor allem Business-IT-Themen und hat den Auto & Technik-Bereich von Null beginnend aufgebaut. Seine Tests der Infotainmentsysteme in modernen Fahrzeugen gehören zu den ausführlichsten Tests, die man dazu überhaupt finden kann. Daneben schreibt er zudem fast täglich aktuelle Meldungen aus der IT-Welt.
Android übermittelt heimlich die Standortdaten von Android-Nutzern an Google-Server. Sogar wenn der Nutzer standortbasierte Dienste abschaltet.

Android-Smartphones und Android-Tablets speichern ihre Standortdaten und übertragen diese an Google-Server sogar dann, wenn die Android-Nutzer die Standortdienste abgeschaltet haben, sie keine standortbasierten Apps verwenden oder gar keine SIM-Karte eingelegt ist. Das berichtet die Technikseite Quartz.

Android sendet heimlich Standortdaten an Google. Das Foto zeigt den LTE-Sendemast in Kyritz/Brandenburg.
Android sendet heimlich Standortdaten an Google. Das Foto zeigt den LTE-Sendemast in Kyritz/Brandenburg.
Foto: Deutsche Telekom

Google benutzt die Einwahldaten des Androiden bei mehreren nahe gelegenen Mobilfunkmasten, um über Triangulation den Standort des Android-Nutzers zu ermitteln. Die Standortdaten werden verschlüsselt vom Androidbetriebssystem an die Google-Server (Google Push Notification and Messaging Management System) übermittelt, sobald das Smartphone wieder mit dem Internet verbunden ist.

Gegenüber der IT-Nachrichtenseite The Verge erklärte ein Google-Sprecher, dass alle modernen Android-Smartphones ein Network-Sync-System nutzen würden, dass die “Cell ID Codes” der Mobilfunkmasten dafür benutzen würde, um Push-Nachrichten schneller zustellen zu können. Anscheinend benutzt Google die Mobilfunkmastendaten zur Verbesserung seines Firebase Cloud Messaging. Hierzu müssen die Androidgeräte den Server in regelmäßigen Intervallen anpingen, damit Nachrichten zeitnah zugestellt werden können. Firebase Cloud Messaging läuft standardmäßig auf allen Android-Geräten. Google würde diese Standort-Daten aber nicht dauerhaft speichern, wie das Unternehmen gegenüber US-Medien betont.

Seit Januar 2017 soll Google die dadurch ermittelten Standortdaten von allen einigermaßen neuen Androidgeräten erfassen. Android-Besitzer können dieses Datensammeln nicht abstellen. Selbst das Zurücksetzen eines Android-Smartphones auf die Werkseinstellungen soll laut Quartz das Datensammeln nicht beenden können. Besonders fies: Sogar Androiden ohne SIM-Karte übertragen ihre Standortdaten an Google. In diesem Fall handelt es sich dann um die WLAN-Einwahldaten beim letzten Mobilfunkmasten, wie Quartz betont.

Android-Nutzer können Tracking nicht verhindern

Android-Nutzer werden also von Google getrackt, ob sie das nun wollen oder nicht. Und Hacker können diese Standortdaten vielleicht sogar erbeuten und missbrauchen, wenn es ihnen gelingt, die Verschlüsselung zu knacken. Denn aufgrund der für jedes Mobilgerät einzigartigen IMEI-Nummer können die Bewegungsdaten genau einem Nutzer zugewiesen werden.

Das Überraschende an der Entdeckung: Bisher gingen alle Beobachter davon aus, dass die von den Mobilfunkdaten erfassten Standortdaten der Smartphone-Besitzer ausschließlich die Mobilfunknetzbetreiber, also beispielsweise Deutsche Telekom, Vodafone oder O2, besitzen würden. Nur in Ausnahmefällen würden die Mobilfunknetzbetreiber diese Daten mit anderen Unternehmen (oder Behörden) teilen. Doch nach dieser Entdeckung ist klar, dass Google standardmäßig auf diese Standortdaten zugreifen kann, obwohl Google doch überhaupt kein eigenes Mobilnutznetz besitzt. Neben den Mobilfunkmastendaten verwendet Google auch GPS-Daten und WLAN-Access-Point-Daten. In seiner vage formulierten Datenschutzerklärung weist Google unter anderem auf die Benutzung von Daten von WLAN-Zugangspunkten und Mobilfunkmasten hin.

Google will nun Ende November 2017 ein Update für Android veröffentlichen, das dieses Sammeln der Standortdaten beenden soll. (PC-Welt)