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Yankee Group: Europäischer Mobilfunkmarkt ist noch nicht gesättigt

07.06.2004

Aus Sicht des Marktforschungsinstituts Yankee Group gehen die Mobilfunkbetreiber fälschlicherweise davon aus, dass der westeuropäische Markt nahezu gesättigt ist. Ursache für den Irrtum ist nach Meinung der Analysten die Praxis, in Statistiken die Anzahl der verkauften SIM-Karten mit der Anzahl der Nutzer gleichzusetzen. Demnach hätten bereits 80 Prozent der Menschen in Deutschland ein Handy, für Westeuropa ergäbe sich sogar eine Durchdringungsrate von rund 90 Prozent.

Diese Annahme sei vielleicht in den Anfangszeiten des Mobilfunks berechtigt gewesen, so die Marktforscher, als nur sehr wenige Menschen mehr als ein Handy nutzten. Eine aktuelle Umfrage der Yankee Group unter über 3000 Teilnehmern habe jedoch gezeigt, dass bereits jeder dritte Westeuropäer zwei Mobiltelefone, 18 Prozent sogar drei oder mehr Handys beziehungsweise aktive SIM-Karten nutzen. So verfügen viele Nutzer über je ein Gerät für den privaten, beziehungsweise beruflichen Gebrauch, hinzu komme die steigende Nutzung von GPRS- (und gegebenenfalls UMTS-) Karten in Notebooks.

Hochgerechnet würden damit in Westeuropa 233 Millionen Mobiltelefonierer 310 Millionen aktive SIM-Karten benutzen. Bei einer Bevölkerung von 293 Millionen ergibt sich damit laut Yankee Group lediglich eine Durchdringungsrate von zirka 60 Prozent. Außerdem besäßen rund neun Prozent der 15- bis 64-Jährigen in Westeuropa kein Mobiltelefon.

Die Annahme der Branche sei daher falsch, dass der Markt für mobile Telefongespräche bereits gesättigt sei und künftiges Wachstum vor allem im Bereich des mobilen Internet liege, so die Analysten. Vielmehr könnten die Betreiber ihre Sprachumsätze weiter steigern, wenn sie neue Kundengruppen erschließen.

Möglicher Ansatzpunkt, um Alt- und potenzielle Neukunden aus der Reserve zu locken ist aus Sicht von Branchenbeobachtern der angebotene Preis. So haben die Unternehmensberater von Diamond Cluster herausgefunden, dass in Ländern mit niedrigem Preisniveau, wie Irland oder Finnland, das Handy überdurchschnittlich oft genutzt werde und ein hoher Pro-Kopf-Umsatz realisiert werde. Vor allem in Deutschland gelten die Mobilfunkgebühren als zu hoch. So liegt der EU-Durchschnittspreis laut Diamond Cluster bei 26 Cent pro Minute, die hiesigen Gebühren jedoch etwa 25 Prozent über dem Durchschnitt. (mb)