Distributionsmodelle im Überblick

Wie Sie iOS-Apps im Business verteilen

10.08.2020
Von   
Mark Zimmermann weist mehrere Jahre Erfahrung in den Bereichen Mobile Sicherheit, Mobile Lösungserstellung, Digitalisierung und Wearables auf und verantwortet ein Team zur mobilen Lösungsentwicklung bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Er versteht es seine Themen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln für unternehmensspezifische Herausforderungen darzustellen. Hierzu ist er nebenberuflich auf nationale Vorträgen und als freier Autor für Fachpublikationen tätig und betreibt einen eigenen Podcast (Beta-Schmerz) rund um das iOS-Ökosystem.
Um iOS- und iPadOS-Apps innerhalb einer Organisation zu verteilen, bietet Apple zwei Möglichkeiten. Das müssen Sie jetzt zum Thema wissen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine selbst entwickelte App in Organisationen zu verteilen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine selbst entwickelte App in Organisationen zu verteilen.
Foto: baranq - shutterstock.com

In der Regel werden iOS-Apps über den App Store vertrieben. Abhängig von den Bedürfnissen der Zielgruppen gibt es jedoch verschiedene zusätzliche oder angepasste Möglichkeiten, eine App auf Apple Devices zu verteilen. Handelt es sich nämlich bei den Nutzern einer App um Mitarbeiter einer Organisation oder Schüler oder Studenten, können die Anwendungen auch anders verteilt werden. In diesem Fall haben Sie zwei Möglichkeiten:

  • Sideloading: Mit dem Apple Developer Enterprise Program, über das auch Zertifikate und Bereitstellungsprofile erstellt werden, können Entwickler eine App über ein unternehmenseigenes Portal oder einfach per URL verteilen (Inhouse App).

  • Custom App Deployment: Benutzerdefinierte Anwendungen können mit dem Apple Business Manager (ABM) per MDM oder mit Einlösecodes über den öffentlichen App Store verteilt / lizensiert werden. Für Schüler und Studenten steht hier der Apple School Manager (ASM) zur Verfügung.

Inhouse Apps: Von der Regel zur Ausnahme

Das beliebte Sideloading per In-House-Verteilung (Apple Developer Enterprise Programm) unterliegt diversen strengen Richtlinien von Apple und ist eigentlich nur für Fälle gedacht, die nicht durch die Verteilung von Custom Apps gelöst werden können. So richtet sich das Apple Developer Enterprise Programm ausschließlich an Unternehmen, die Apps an ihre Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens verteilen möchten. Eine Distribution an Partner, Kunden oder andere Adressaten ist per allgemeiner Geschäftsbedingung von Apple untersagt. Außerdem verfällt ein Enterprise- ("Inhouse"-)Verteilungszertifikat nach 3 Jahren. Danach ist es den Mitarbeitern einer Firma nicht mehr möglich, die damit verteilte / erstellte App herunterzuladen oder bereits geladene zu verwenden. Das Verteilungszertifikat muss aktiv bei Apple erneuert werden.

Eine weitere Einschränkung: App-Entwickler können zwar bis zu 3 "In House"-Verteilungszertifikate pro Enterprise-Konto erstellen und dasselbe Zertifikat für die Verteilung mehrerer Apps verwenden. Da Apple die Entwickler zur Verwendung von Custom Apps drängen möchte, darf jedoch davon ausgegangen werden, dass diese Art von Verteilungszertifikaten eingeschränkt wird. Trotz dieser Einschränkungen gibt es aber immer noch Bereiche, die nicht nur organisatorisch, sondern gerade technisch nur mit einem Enterprise-Verteilungszertifikat möglich sind. So ist das Erstellen von Enterprise Apps für die Apple Watch per Custom App (aktuell) nicht möglich und ein guter Grund für eine Beantragung von Enterprise-Verteilungszertifikaten bei Apple.

Custom Apps: Alter Wein in neuen Schläuchen

Im Jahr 2019 kündigte Apple auf seiner jährlichen Entwicklerkonferenz (WWDC) Custom Apps als neuen internen Standardvertriebskanal an. Die Methode ermöglicht es App-Entwicklern, ihre Apps "privat" über den Apple AppStore zu verteilen. Das heißt, dass nur spezielle freigeschaltete "Kunden" aus einer bestimmten Organisation (ABM) oder studentische Institutionen (ASM) die App sehen und beziehen können. Die zugehörigen Organisation-IDs können vom App Entwickler in AppStore Connect hinterlegt werden.

Die Technik für diese Art der kundenspezifische App-Distribution ist dabei nicht neu, vielmehr wurden Apple-Regularien aufgeweicht und als neues Verfahren an App-Entwickler verkauft. Die Neuigkeit besteht darin, dass seit 2019 auch Firmen sich selbst als eigener Kunde pflegen dürfen. Das war zuvor verboten. Analog zu den Apps mit Enterprise-Zertifikat kann auch hier die Verteilung über ein MDM-System erfolgen. Soll auf einem nicht verwalteten Endgerät eine App verfügbar gemacht werden, kann ein Einlösecode per ABM / ASM generiert werden, der vom Anwender wie ein iTunes-Gutschein genutzt werden kann. Das Verteilen von Custom Apps ist daher weniger restriktiv als bei den Enterprise Apps und für Partner, Kunden, Franchisenehmer, Partnerunternehmen aber auch für interne Mitarbeiter gleichermaßen möglich.

Im Gegensatz zu Enterprise Apps, die im einfachsten Fall auf einem internen Webserver zum Download angeboten werden, erfolgt hier die Verteilung intern über den Apple AppStore. Dies bedeutet auch, dass die Apps hier dem klassischen Prüfprozess unterworfen werden. Dies soll sicherstellen, dass auch diese Apps mit den Richtlinien des App Store übereinstimmen. Es gibt jedoch Berichte, dass der Prüfprozess hier "mehr Ausnahmen" zulässt als im Consumer-Bereich.

Ein Vorteil von Custom Apps ist, dass diese die Zusammenarbeit mit Drittentwicklern im Business-Umfeld erleichtern. So kann ein Entwickler nun eine Anwendung für eine Kunden-Organisation oder auch für seine eigene Organisation bereitstellen. Allerdings erlauben auch Custom Apps bislang noch keine In-App-Käufe - ein Manko, das sich wie ein roter Faden durch das Apple-Ökosystem zieht. So bietet Apple bis heute für professionelle Anwender im dienstlichen Kontext keine Lösungen für eine Abwicklung von Abos, weder bei der Bereitstellung als Custom App noch als Kaufoption im ABM / ASM. (mb)