Web

-

Was macht die EU mit dem Copyright?

09.02.1999
Von 
-

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Europäische Parlament muß sich in seiner allmonatlichen Plenarsitzung in dieser Woche mit einem heißen Thema auseinandersetzen: Zur Debatte steht die Frage, ob und wie das Urheberrecht an die Bedürfnisse des digitalen Zeitalters und insbesondere des Internet angepaßt werden muß. Nach Aussagen verschiedener Parlamentarier ist im Vorfeld der Diskussion eine unglaubliche Aktivität seitens der Lobbyisten losgebrochen. Eine Vielzahl von Interessengruppen - darunter Plattenindustrie, Künstler und Autoren, Verlage, Elektronik- und TK-Unternehmen, Internet-Service-Provider (ISPs) und Bibliotheken - sieht ihre Zukunft bedroht und versucht, entsprechend Einfluß zu nehmen.

Dabei stehen sich zwei Interessengruppen gegenüber: Auf der einen Seite argumentieren all diejenigen, die die Inhaber von Urheberrechten vertreten, man müsse mit Macht dagegen vorgehen, daß "Piraten" illegale Kopien von Musik, Texten oder Filmen verbreiten, die sie aus Online-Quellen bezogen haben. Ihre Pläne gehen sogar so weit, auch das Erstellen von Kopien für den Privatgebrauch (meist, wie etwa bei Leerkassetten, durch eine im Kaufpreis enthaltene Gebühr pauschalisiert) zu sanktionieren, falls nicht die Urheber "angemessen entschädigt" würden. Diese Seite hat unter anderem die Schauspielerin Claudia Cardinale, den französischen Synthesizer-Veteranen Jean-Michel Jarre und die irische Band "The Corrs" zu einer Pro-Copyright-Konferenz am heutigen Dienstag aufgefahren. Auf der anderen Seite stehen all jene, die davor warnen, daß allzu strenge Gesetzgebung den E-Commerce im Keim ersticken werde und darüber hinaus Verbraucher und Bibliotheken von

"unschuldigen" Kopien abhalte. Bis zu einer Entscheidung dürfte aber noch einige Zeit ins Land gehen - nach dem EU-Parlament wandern eventuelle Vorschläge zunächst in die 15 Mitgliedsstaaten. Diese müssen dann über eine mögliche Annahme der Vorschläge abstimmen, bevor diese zur zweiten Lesung wieder nach Straßburg wandern.