Aktuelle Technologien und ihr Nutzen für den Anwender

Was die IT-Trends wert sind

06.09.2004
Von 
Andreas Zilch ist als Vorstandsmitglied der Experton Group verantwortlich für den Bereich Consulting und Advisory Services. Sein Schwerpunkt liegt auf Anwender- und Anbieterberatung zu den Themen IT-Architektur und -Infrastruktur, Green IT, Cloud Computing, Client of the Future und allgemein in IT-Beschaffungs- und -Verhandlungsstrategien.
Investitionen in IT können die Leistungsfähigkeit von Unternehmen deutlich verbessern. Doch welche Technologien sind überhaupt so ausgereift, dass sich damit schnell ein klarer Nutzen realisieren lässt? Und womit sollten Mittelständler lieber noch warten?

DIE FRAGE, welche Technologien den größten Nutzen bei geringstem Aufwand bringen, müssen letztlich IT-Leiter und Geschäftsführer in jedem Unternehmen individuell prüfen und bewerten. Als Hilfsmittel kann dabei jedoch ein Portfolio-Ansatz dienen, der auf den umfassenden Marktinformationen von Techconsult basiert. Er liefert eine transparente Diskussionsgrundlage für Entscheider in mittelständischenUnternehmen sowie für ihre Lieferanten und Dienstleister.

Das Portfolio (sieheGrafik) liefert einen Überblick über die Position aktueller Technologien und Trends in einem System, welches das Verhältnis von zu erwartendem Aufwand und (potenziellem) Nutzen darstellt. Optimal ist es natürlich, wenn Themen in den Quadranten mit hohem potenziellen Nutzen und niedrigem Aufwand fallen. Dabei ist eines zu bedenken: Die vorliegende Bewertung stellt ein Beipiel dar, das nicht allgemein gültig ist, sondern von Unternehmen zu Unternehmen individuell angepasst werdenmuss. Dessen ungeachtet lässt sich jedoch die grundsätzliche praktische Bedeutung der dargestellten Trends und Technologien anhand der genannten Kriterien grob einschätzen.

Enterprise Resource Planning

ERP bildet das Rückgrat jeder Unternehmens- IT und ist durch den hohen Reifegrad bestehender Lösungen vom Aufwand her (einer Neuinvestition) mittlerweile im „mittleren“ Bereich angekommen. Allerdings lassen sich mit einer weitgehend standardisierten ERPLösung allein auch kaum Wettbewerbsvorteile erzielen. Ziel ist vielmehr, den Ressourceneinsatz für Standardprozesse zu begrenzen, damit der Fokus auf wettbewerbsrelevante Kernprozesse gelegt werden kann. Bei einer Neuinvestition oder größeren Erweiterungsinvestition sollten die Anwender derzeit besonders auf die Solidität, Langfristigkeit und Nachhaltigkeit der ausgewählten Lösung achten.Kritisch ist hier die weiterhin zu beobachtende Konsolidierung der ERP-Anbieter, die in den kommenden fünf Jahren nach Einschätzung von Techconsult voraussichtlich zu einer Halbierung der Zahl der ERP-Anbieter auf dem deutschen Markt (derzeit etwa 70) führen wird.

Customer Relationship Management (CRM)

Auch beim Kundenbeziehungs- Management ist eine zunehmende Marktreife der angebotenen Lösungen zu beobachten, die allerdings noch nicht das Niveau von ERP erreicht hat. Daher wird der Aufwand hier ein wenig höher bewertet. Aber auch der potenzielle Nutzen ist für viele mittelständische Anwender höher als bei ERP einzustufen, da es sich um unmittelbar kunden- und vertriebsrelevante Prozesse handelt und damit ein Wettbewerbsvorteil imVertrieb und Kundendienst erreicht werdenkann. Allerdings gibt es erfahrungsgemäß zwei sehr hohe Hürden:

  • Die Datenqualität der Eingangsinformationen (beispielsweise aus bestehenden Kundendatenbanken) entspricht nicht den Erwartungen, und deshalb muss hier sehr viel mehr Aufwand eingeplant werden. 

  • Schulung und Motivation der Mitarbeiter werden immer noch vernachlässigt. Hierauf muss ein besonderer Augenmerk bei der Einführung gelegt werden.

E-Commerce

Durch den effizienten Einsatz von E-Commerce-Lösungen lassen sich gerade für Mittelständler hohe Nutzenpotenziale erschließen. Hiermit können bei relativ geringen Investitionen (im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren) zusätzliche, oft wirtschaftlichere Beschaffungs- und Vertriebswege genutzt werden können. Besonders wichtig ist in diesem Umfeld, dass sich nur solche Unternehmen mit ECommerce (Sell-Side oder Buy Side) beschäftigen, bei denen dies durch die Unternehmensstrategie gestützt wird. Ansonsten wird jede Lösung ohne Effekt verpuffen, sei sie auch technologisch noch so ausgereift. Aber auch, wenn die Unternehmensstrategie bezüglich des Einsatzes von E-Commerce eindeutig ist: Der Aufwand für die notwendige Anbindung an bestehende Systeme und Prozesse darf keinesfalls unterschätzt werden.

Business Intelligence (BI)

BI (auch noch oft als Data Warehouse/ Data Mining bezeichnet) ist von der Aufwand-Nutzen-Betrachtung her einer der Favoriten für den aktuellen IT-Einsatz bei mittelständischen Anwendern. Die Erfahrung zeigt, dass erste Projekte ohne großen Abstimmungsaufwand aufgesetzt werden können, sofern eine gute Kombination aus IT- und Business-Know-how zur Verfügung steht. Diese Mischung aus zumeist internen und externen Ressourcen ist ein Garant dafür, dass mit relativ geringemAufwand sehr gute Ergebnisse erzielt werden können und der Nutzen auch im Unternehmen aktiv kommuniziert werden kann. Die Empfehlung kann also nur lauten, entsprechende Projekte zu starten.

Infrastruktur

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