CIO des Jahres 2019 – Innovation Award

Volkswagen-CIO Hofmann erfindet die Industrial Cloud

21.11.2019
Von 
Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.
Volkswagen-CIO Martin Hofmann hebt die Zusammenarbeit mit Partnern wie Amazon Web Services auf eine neue Ebene. Das belohnt die Jury mit dem "Innovation Award".
Martin Hofmann, CIO von Volkswagen, über die Auswahl von Dienstleistern: "Partner, die wichtige Kompetenzen und Innovationen einbringen und gleichzeitig signifikant investieren, bekommen den Zuschlag."
Martin Hofmann, CIO von Volkswagen, über die Auswahl von Dienstleistern: "Partner, die wichtige Kompetenzen und Innovationen einbringen und gleichzeitig signifikant investieren, bekommen den Zuschlag."
Foto: fotodesign-schilling.de

Es ist eines der größten IT-Projekte in der deutschen Industrie: Für die Vernetzung seiner 122 Fabriken entwickelt der VW-Konzern die Industrial Cloud, um die Produktivität in der Produktion um 30 Prozent zu steigern.

Die Jury sagt: "Der Innovation Award geht an Martin Hofmann, dessen Engagement bei Quantencomputing einzigartig ist. Auch die Zusammenarbeit mit Amazon Web Services und der in diesem Zusammenhang verhandelte Vertrag stellen die Kooperation von Kunde und Lieferant auf ein neues Niveau."

In den Fertigungsstandorten sind mehr als 2000 IT-Systeme installiert, die auf wenige neue reduziert und standardisiert werden, erklärt Group CIO Martin Hofmann: "Die Industrial Cloud macht in Zukunft eine intelligentere Gesamtsteuerung möglich, indem wir den Datenstrom zusammenführen und für uns transparent machen." Hier lägen große Produktivitätspotenziale.

So entstand das Konzept der Industrial Cloud mit dem Ziel, alle 122 Werke in der Cloud digital zusammenzuführen. Auf der geplanten Cloud-basierten Produktionsplattform sollen Daten der Maschinen, Anlagen und Systeme zusammenlaufen. Volkswagen entwickelt auf der Plattform rund 150 "Use Cases" der Produktion in Form standardisierter Apps. Diese sollen den Werken über einen internen App Store zur Verfügung stehen. Zulieferer können sich über Standard-APIs in die Industrial Cloud einklinken.

Der Chef trägt Jeans: Group CIO Martin Hofmann (zweiter v. re.) mit Teamkollegen in der IT City von Volkswagen in Wolfsburg.
Der Chef trägt Jeans: Group CIO Martin Hofmann (zweiter v. re.) mit Teamkollegen in der IT City von Volkswagen in Wolfsburg.
Foto: VW

Innovativ sind auch Auswahl und Einbindung der Projektpartner durch einen "Konzept-und Investitionswett bewerb". "Partner, die wichtige Kompetenzen und Inno va tionen einbringen und signifikant investieren, bekommen den Zuschlag", so Hofmann. Im Gegenzug stelle Volkswagen sein globales Produktions-Know-how und das Supply-Chain-Netz bereit, dem der Partner seine Lösungen und Technologien anbieten könne.

Nach einem neunmonatigen Konzeptwettbewerb mit Design-, Pilotierungs- und Verhandlungsphase entschied sich Volkswagen für Amazon Web Services (AWS) als strategischen Partner für den Aufbau der Industrial Cloud. Der Provider entwickelt auf seiner Cloud-Plattform die IoT-Funktionen sowie die technische Basis für die Vernetzung der Fabriken und Zulieferer. Als erster Partner ist Siemens mit an Bord.

In der bereits angelaufenen "Execution Phase" bringen VW-Teams auch ihr Quantencomputing-Know-how ein, das Hofmann schon seit einigen Jahren im Konzern aufbaut. "KI-Algorithmen und der Einsatz von Quantencomputing erlauben es uns, neue Wege zu gehen, um zukünftig unsere Supply Chain weiter zu automatisieren", resümiert der Volkswagen-CIO.