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Vivendi zieht für US-Unterhaltungssparte auch IPO-Lösung in Betracht

18.06.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Beim geplanten Verkauf seiner US-Unterhaltungssparte hat der französisch-amerikanische Mischkonzern Vivendi Universal offensichtlich noch einen Trumpf in der Hinterhand: Presseberichten zufolge erwägt das Unternehmen, einen 25- bis 30-prozentigen Anteil von Vivendi Universal Entertainment (VUE) an der Börse zu verkaufen, falls die eingehenden Gebote zu niedrig ausfielen.

Die erste Runde des Bieterverfahrens läuft am kommenden Montag aus. Bis dahin, so berichtet das "Wall Street Journal", könnten mindestens sechs potenzielle Interessenten ein Angebot für den Bereich oder Teilen davon abgeben. Zu den möglichen Bietern werden Liberty Media, Viacom, Metro Goldwyn Mayer sowie zwei Investorengruppen gezählt. Letzte werden von dem Öl-Milliardär Marvin Davis sowie von Edgar Bronfman junior, dem einstigen Initiator der Fusion von Universal mit Vivendi, angeführt.

Nach Eingang der Gebote ist der Mischkonzern in der Lage, die Summen mit der möglichen Erlösen bei einem Börsengang zu vergleichen, um anschließend eine Entscheidung zu treffen. Die Vivendi-Führung hatte ein Going-Public der Sparte nie kategorisch ausgeschlossen. Die schwachen Börsen machten einen IPO (Initial Public Offering) von VUE aber bislang nur wenig attraktiv. Nach den anziehenden Kursen der jüngsten Vergangenheit, so Finanzchef Jacques Espinasse, sei dieser Schritt eine veritable Alternative.

Unterdessen konnte das Unternehmen seine Ergebnisse im ersten Quartal 2003 weiter verbessern: Der Nettoverlust schrumpfte gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum von 815 Millionen auf 315 Millionen Euro. Dank guter Leistungen der Sparten Telekommunikation und Bezahlfernsehen legte der operative Gewinn gleichzeitig um 39 Prozent auf 844 Millionen Euro zu - Analysten hatten im Durchschnitt lediglich mit 652 Millionen Euro gerechnet. So erzielte der Pay-TV-Sender Canal Plus im Berichtszeitraum einen Betriebsgewinn von 158 Millionen Euro aus. Im Vergleichsquartal 2002 hatte der Bereich noch einen Verlust von 68 Millionen Euro verbucht. Die TK-Tochter Cegetel steigerte ihren operativen Profit um 30 Prozent auf 465 Millionen Euro. Im Bereich Musik und Computerspiele wurde jedoch ein Verlust erwirtschaftet. Auch der Schuldenabbau machte Fortschritte: Die Nettoverschuldung zum 31. Mai bezifferte Vivendi auf 14 Milliarden Euro. (mb)