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Verlust zwingt Psion zu massiven Eingriffen

02.03.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Es war ein schwarzer Donnerstag für die britische IT-Company Psion: Die Aktie sank um 26 Prozent, nachdem der Hersteller rote Zahlen für das Geschäftsjahr 2000, Entlassungen, den Ausstieg aus dem Smartphone-Geschäft "Odin" und enorme Restrukturierungskosten angekündigt hatte. Der Kurs der an der Londoner Börse notierten Firma rutschte um 40,5 auf 115 Pence ab. Seit seiner im Oktober 2000 veröffentlichten Gewinnwarnung hat Psion bereits 80 Prozent seines Börsenwerts eingebüßt.

Das Unternehmen meldete für sein Fiskaljahr 2000 nach vorläufigen Zahlen einen Vorsteuerverlust von 2,2 Millionen Euro gegenüber einem Vorsteuergewinn von 7,36 Millionen Euro im Vorjahr. Der Grund für die roten Zahlen liegt vor allem an den hohen Investitionen in das noch defizitäre Herstellerkonsortium Symbian, an dem Psion 28 Prozent der Anteile hält. Aus diesem Engagement entstanden den Briten im abgelaufenen Jahr Kosten von 16,32 Millionen Euro (Vorjahr: minus 9,55 Millionen Euro). Den Umsatz konnte Psion im Fiskaljahr 2000 jedoch um 46 Prozent auf 344 Millionen Euro steigern.

Zur Sanierung planen die Briten mehrere Schritte: Das Smartphone-Projekt Odin, aus dem der einstige Joint-Venture-Partner Motorola im Januar ausgestiegen ist, soll eingestellt werden. Beide Firmen wollten ursprünglich einen Handy-Handheld-Hybriden mit dem Symbian-OS "Epoc" für Mobilfunknetze der 2,5-Generation herstellen. Zudem soll die bisher für Odin zuständige Firmeneinheit Psion Computers mit der Modemsparte Connect und der Infomedia-Division zusammengelegt werden. Rund 20 Prozent oder 100 Mitarbeiter dieser neuen Abteilung, die den Namen Psion Digital Solutions tragen wird, müssen das Unternehmen verlassen. Die Restrukturierung wird Psion im Geschäftsjahr 2001 voraussichtlich 17,25 Millionen Euro kosten. Die Neuausrichtung soll dem Unternehmen in diesem Jahr jedoch insgesamt 26,7 Millionen Euro einsparen. Nach 2001 werden noch einmal rund elf Millionen Euro für die Firmenumwandlung fällig.

Ungeachtet dessen will Psion nach Angaben von Chairman David Potter weiterhin in Symbian investieren. Das Konsortium hat gerade erst eine Finanzierungsrunde abgeschlossen, bei der 31,4 Millionen Euro aufgebracht wurden. In der ersten Jahreshälfte sollen neue Produkte vorgestellt werden. Psion warnte jedoch davor, dass es bezüglich der geplanten Symbian-Dienste und -Produkte für GPRS-Netzwerke zu Verzögerungen kommen werde. Potter wollte sich nicht dazu äußern, wann Symbian an die Börse gehen wird.