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US-Richter weist weitere Sammelklage gegen Merrill Lynch ab

03.07.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der New Yorker Bundesrichter Milton Pollak hat am gestrigen Mittwoch erneut eine Sammelklage von geschädigten Anlegern gegen die Investment-Bank Merrill Lynch abgewiesen. US-Medienberichten zufolge beschuldigten die Anleger des Merrill Lynch Global Technology Fund die Investment-Bank, sie habe für viele Titel aus dem Fonds-Portfolio irreführende Analysen gegeben. Um die eigenen Profite zu steigern, habe Merrill Lynch außerdem bevorzugt Aktien von Unternehmen ausgewählt, die Kunden des Bereichs Investment-Banking waren. Der Technologie-Fonds hat seit Anfang 2000 gut vier Fünftel an Wert verloren.

Die Fonds-Anleger könnten Merrill Lynch nicht wegen übertrieben positiver Aktienanalysen zur Verantwortung ziehen, begründete der 96-jährige Richter die Ablehnung des Falls. Es sei schon lange bekannt gewesen, dass einige Banken, Wertpapierhandel, Aktienanalyse und Investment-Banking miteinander verquicken und deshalb nicht neutral seien. Die Klage beruhe ausschließlich auf den mutmaßlichen Interessenskonflikt zwischen Wertpapierhändlern, Investment-Bankern und Aktienanalysten. Dieser Konflikt sei bereits altbekannt. Zu Beginn des Börsen-Hypes seien allerdings diejenigen, die diese Warnungen in den Wind schlugen, für ihren Mut noch belohnt worden, hieß es in der Begründung.

Am vergangenen Dienstag hatte Pollak bereits zwei ähnliche Klagen gegen Merrill Lynch und den ehemaligen Staranalysten Henry Blodget abgewiesen. Die Kläger konnten nicht beweisen, dass sie durch Blodgets Aktienanalysen getäuscht wurden, begründete der Richter das Urteil. Er bezeichnete die Aktionäre als Spekulanten, die die immensen Risiken eines Investments in Dotcom-Aktien kannten - oder gekannt haben sollten. Der Bundesrichter erklärte weiterhin, er werde prüfen, ob sich seine aktuelle Entscheidung auf 25 ähnliche Klagen gegen Merrill Lynch übertragen lasse (Computerwoche online berichtete). (mb)