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US-Justiz vs Oracle: Richter will weitere Firmengeheimnisse lüften

16.08.2004

US-Richter Vaughn Walker, der in den nächsten Wochen ein Urteil im Prozess des US-amerikanischen Justizministeriums gegen Oracle sprechen wird, will weitere bis dato noch nicht veröffentlichte Firmendokumente einsehen und offen legen. Der Richter verspricht sich davon offenbar entscheidende Impulse für die Urteilsfindung. In dem Verfahren, das seit Anfang Juni 2004 läuft, versucht das US-Justizministerium, per Gerichtsbeschluss die von Oracle angestrebte feindliche Übernahme von Peoplesoft zu blockieren. Die Kartellwächter gehen davon aus, dass eine geglückte Akquisition zu Lasten des Wettbewerbs im Markt für konzernweite Business-Applikationen gehe. In der Folge hätten die Kunden steigende Preise zu befürchten. Die Oracle-Verantwortlichen weisen diese Vorwürfe zurück. Ihrer Ansicht nach sei

in diesem Markt mit SAP, den Ambitionen Microsofts und einer Reihe weiterer meist regional orientierter Anbieter die Konkurrenz auch in Zukunft gesichert.

Wie Richter Walker in diesem Fall entscheiden wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Nachdem beide Seiten am 20. Juli ihre Abschlussplädoyers gehalten hatten, kündigte der Richter nun an, weitere Akten zu öffnen. Im Vorfeld des Prozesses hatte das Gericht von verschiedenen Softwareanbietern Unterlagen angefordert, um den betreffenden Markt einordnen zu können. Da sich darunter zum Teil sensible Informationen zu Preisen und Rabatten befanden, hatten die betroffenen Firmen den Richter aufgefordert, die Akten vertraulich zu behandeln. Diese Wünsche hatte Walker bislang so weit wie möglich respektiert. Nun könnten aber weitere geheime Firmendaten ans Tageslicht gelangen: so zum Beispiel eine detaillierte Liste von Oracle über hunderte von Software-Deals sowie deren Preise und Rabattspannen. Auch ein Verkaufsleitfaden von Peoplesoft, wie die eigenen Manager in Ausschreibungen mit Konkurrenten wie Oracle und SAP umgehen sollten, könnte veröffentlicht werden. Diese

Informationen hätten eine hohe Relevanz für den Fall, da sie Einsichten ermöglichten, wie dieser Markt funktioniere, erklärte Walker vor kurzem. (ba)