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Umfassende Studie zur deutschen Software-Industrie

23.01.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) hat zusammen mit der Nürnberger GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) und anderen Fraunhofer-Wissenschaftlern im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die Softwareentwicklung in Deutschland untersucht. Dabei nahmen die Forscher sowohl die Primärbranche (Softwareanbieter) als auch stark von der Softwareindustrie beeinflusste Sekundärmärkte (Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektrotechnik, Telekommunikation, Finanzdienstleistungen) unter die Lupe.

Demnach entwickeln zurzeit über 20.000 Unternehmen in Deutschland Software oder passen diese an Anwenderbedürfnisse an. In vielen Branchen hänge ein überwiegender Teil des Umsatzes unmittelbar vom Computereinsatz ab. Beispiel Automobilbranche: Ohne Software könnten Autos weder produziert noch vertrieben werden - funktionieren würden sie auch nicht, denn Motorregelung und diverse Kontrollanzeigen sind heutzutage ebenfalls voll computerisiert.

Nach Schätzung der Autoren beschäftigen die "softwareintensiven Branchen" in Deutschland derzeit rund 2,8 Millionen Erwerbstätige, davon 300.000 in der Primärbranche und 2,5 Millionen in den Sekundärbranchen. Bei den Softwarefirmen selbst seien über 120.000 Personen explizit mit Entwicklung und Anpassung betraut, in den Sekundärbranchen weitere 55.000. Allein diese 175.000 Beschäftigten erzielten jährlich eine Wertschöpfung von mindestens 50 Milliarden Mark.

Die aktuellen Schätzungen bezüglich des entsprechenden Fachkräfte-Mangels bewertet die Studie als "sehr konservativ". Sie geht vielmehr davon aus, dass bis zum Jahr 2005 der Personalbestand von heute gut 175.000 auf 385.000 Softwerker ansteigt. Die Wissenschaftler plädieren in diesem Zusammenhang für eine Erneuerung des Ausbildungssystems und fordern eine stärkere Durchdringung vieler Studiengänge mit medien- und informationstechnischem Anwendungswissen. Die komplette Studie "Analyse und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland" kann man kostenlos als PDF-Datei aus dem Netz laden (~4,3 MB).