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Übernahme durch Olivetti treibt Kleinaktionäre von Telecom Italia auf die Palme

13.03.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die am Mittwoch bekannt gegebene Fusion von Telecom Italia mit ihrer hochverschuldeten Konzernmutter Olivetti hat Empörung bei Kleinaktionären und Hedge-Fonds ausgelöst. Obwohl Maßnahmen, das Eigentümergeflecht der italienischen Telefongesellschaft zu entwirren, um neue Investoren für den Konzern zu finden, bereits seit Sommer 2001 absehbar war, stoßen sich die Kleinanleger an dem nun verkündeten Aktientausch. Bei dem geplanten Deal sollen die Anleger für Telecom-Italia-Aktie sieben Olivetti-Papiere erhalten. Damit liegt das Angebot zwar im Rahmen der Börsenbewertung beider Unternehmen über einen Zeitraum von zwölf Monaten.

Der britische Hedge-Fonds Liverpool Limited Partnership, der die Minderheitsaktionäre des Telcos vertritt, hatte jedoch bereits im Vorfeld angedroht, er werde keinen Tausch unter einem Aktienverhältnis von eins zu 20 akzeptieren. Bei seiner Kalkulation vergleicht der Hedge-Fonds anstatt der Aktienkurse die Vermögenswerte der beiden Unternehmen. Liverpool Limited Partnership argumentierte, der Kurs der Olivetti-Aktie sei bereits im Vorfeld durch die Erwartung des Deals stark gestiegen, während das TK-Papier an Wert verlor. Nach der Bekanntgabe brach der Aktienkurs von Telecom Italia am Mittwoch um mehr als zehn Prozent ein, zuvor war das Papier drei Tage in Folge vom Handel ausgesetzt.

Marco Tronchetti Provera, der Verwaltungsratsvorsitzende von Telecom Italia, betont dagegen, dass die Fusion im Interesse aller Aktionäre sei. Um den Aktionären das Angebot zu versüßen, will Olivetti einen weiteren Kredit in Höhe von neun Milliarden Euro aufnehmen, um Telecom-Italia-Papiere mit einem Kursaufschlag von 20 Prozent zu erwerben. Zuvor will der Konzern allerdings einen Teil seiner eigenen Aktien zurückkaufen.

Mit dieser Maßnahme werden die Schulden des verschmolzenen Unternehmens voraussichtlich auf 40 Milliarden Euro ansteigen, 18 Milliarden Euro davon kommen von Telecom Italia. Olivetti plant, die Verbindlichkeiten im kommenden Jahr auf 34 Milliarden Euro zu senken, in erster Linie durch den Verkauf von Beteiligungen, die nicht zum Kerngeschäft gehören.

Als weiterer Schritt zur Vereinfachung der Eignerstruktur von Telecom Italia soll Pirelli-Holding mit dem Reifen- und Kabelkonzern Pirelli zusammengeschlossen werden. Pirelli ist über die Holding-Gesellschaft Olimpia indirekt an Telecom Italia beteiligt. Olimpia hält rund 28 Prozent an Olivetti, die wiederum 55 Prozent an Telecom Italia besitzt. (mb)