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"Trainerwechsel" bei Dell

01.02.2007
Michael Dell ist wieder Chief Executive Officer bei Dell. Der Firmengründer ersetzt damit seinen früheren Protegé Kevin Rollins, dem er 2004 die Firmenspitze überlassen und sich auf den Vorsitz des Verwaltungsrats zurückgezogen hatte.

Der neuerliche Führungswechsel ist ein Beweis für die Krise, in der der texanische Direktanbieter steckt. Michael Dell hatte sie in seinem College-Schlafzimmer gegründet und dann dank seines logistisch ausgeklügelten Geschäftsmodells zum weltweit größten PC-Bauer ausgebaut. Zuletzt aber stagnierte Dell zusehends - das Kaufverhalten der Konsumenten hat sich drastisch verändert, die Konkurrenz aufgeholt.

Ob Michael Dells Rückkehr ins Tagesgeschäft die Probleme des Unternehmens lösen kann, ist fraglich, zumindest kurzfristig. Dell gab gleichzeitig eine Umsatz- und Gewinnwarnung für sein diese Woche endendes viertes Fiskalquartal aus. Dennoch stieg die Aktie des Herstellers nachbörslich um 4,1 Prozent auf 25,22 Dollar.

Michael Dell, inzwischen 41, erklärte, seine Rückkehr an die Firmenspitze (den Chairman-Posten behält er ebenfalls) sei dauerhaft und nicht übergangsweise geplant. Zum Abgang von Rollins wollte er sich gegenüber dem "Wall Street Journal" nicht äußern; Rollins selbst war nicht zu erreichen.

Am direkten Vertriebsmodell, dessen Kostenvorteile zuletzt durch die Preiserosion aufgefressen wurden, will der alte neue Firmenchef auf jeden Fall festhalten. "Dells Stärke lag immer in seiner Supply Chain, und ich denke es gibt Möglichkeiten, die noch besser zu machen", erklärte Dell.

Ken Smith, Director of Technology Research bei Munder Capital Management, ist da allerdings weniger optimistisch. Der Führungswechsel "ändert nichts an Dells Problemen", so der Experte. "Michael Dell oder wen auch immer man an die Spitze setzt wird mit den gleichen Dingen zu kämpfen haben."

Apple-Chef Steve Jobs gelang es, die Firma nach seiner Rückkehr an die Spitze Ende der 90er Jahre zu erneuern und wieder auf Erfolgskurs zu steuern. Ted Waitt auf der anderen Seite scheiterte bei Gateway, nachdem er 2001 wieder das Ruder übernahm. Wie sich Michael Dell schlägt, bleibt abzuwarten. (tc)