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The Hack-X-Files: FBI nimmt Unis ins Visier

14.02.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach den zahlreichen Sabotageakten an Websites großer Unternehmen in der vergangenen Woche hat das FBI (Federal Bureau of Investigation) den Kreis der Verdächtigen nun enger gezogen. Eine Spur führt nach Kalifornien. Vergangene Woche meldeten einige Universitäten, darunter Stanford, die University of California at Santa Barbara und die University of California at Los Angeles, dass auf einige ihrer Computer Software aufgespielt worden sei, die die sogenannten Denial-of-Service-Attacken (DoS) durchführen kann. Bei diesen Angriffen werden die Server von Websites mit gefälschten, umsinnigen Anfragen bombadiert, so dass die Systeme zusammenbrechen. Zu den betroffenen Unternehmen gehörten unter anderem Yahoo, Ebay, CNN und Buy.com (CW Infonet berichtete).

Der IT-Director der UC Santa Barbara, Robert Sugar, bemerkte bereits am vergangenen Dienstag, dass einer der Uni-Computer für die Attacke auf die Website des Fernsehsenders CNN missbraucht worden war. Nach Angaben der Universität hinterließ der Hacker eine Menge Spuren, die das FBI inzwischen auswerte. Offensichtlich wurde auch ein Netzwerk-Router der Universität Stanford manipuliert, um den Homepage-Ausfall des Online-Auktionators Ebay herbeizuführen.

Das FBI hat zudem Internet-Chatrooms von Hackern unter die Lupe genommen, die als Internet Relay Chat (IRC) bekannt sind. Bislang wurden zwei Verdächtige in die engere Wahl gezogen. Diese sind jedoch nach Angaben der Behörden nur unter ihrem Online-Spitznamen bekannt. Einer der Hacker ist voraussichtlich aus den USA, technisch sehr begabt und hat sich in den letzten Tagen aus den einschlägigen Chatrooms zurückgezogen. Der andere gilt als weniger talentiert, hat die Attacken wahrscheinlich "nur" nachgeahmt und hält sich angeblich derzeit in Kanada auf. Letzterer soll im Internet den Namen "Mafiaboy" verwenden. Allerdings ist noch nicht ganz klar, ob sein Name von einem anderen für die Attacken missbraucht wurde.

Der deutsche Hacker namens "Mixter", der das DoS-Programm "Tribe Flood Network" (TFN) entwickelt hat, wehrt sich nach wie vor gegen Verdächtigungen seiner Person. Er habe die Software nur geschrieben, um auf Schwachstellen in puncto Internet-Sicherheit hinzuweisen. Der zirka 20-Jährige tauchte in der Hackerszene vor rund zwei Jahren auf und hat erst vor kurzem mit einem Essay zum Thema Internet-Sicherheit bei der Website Packet Storm einen mit 10 000 Dollar dotierten Preis gewonnen. Das FBI versucht inzwischen, über die deutschen Behörden Kontakt zu Mixter aufzunehmen. Er gilt jedoch nicht als Hauptverdächtiger.

In dieser Woche will US-Präsident Bill Clinton mit Betreibern von E-Commerce-Websites, Internet-Service-Providern, Sicherheitsfirmen und Netzwerkausrüstern diskutieren, wie derartige Attacken künftig vermieden werden können. Auch die Europäische Kommission plant nach eigenen Angaben Maßnahmen gegen Internet-Verbrechen. Unter anderem sollen Strafverfolgungsbehörden wie Polizei, Richter und Staatsanwälte im Bereich E-Commerce-Sicherheit geschult und die Öffentlichkeit zu größerer Aufmerksamkeit erzogen werden.