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Terra und Lycos besiegeln Milliarden-Merger

17.05.2000
Analysten: Gerade rechtzeitig

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Kurz nachdem die Fusionsverhandlungen zwischen Terra Networks und Lycos Anfang der Woche bekannt wurden (CW Infonet berichtete), hatten die beiden Internet-Player ihre Milliarden schwere Hochzeit auch schon beschlossen. Der spanische Online-Dienst Terra, an dem der Ex-Monopolist Telefónica rund 67 Prozent hält, wird das US-Portal Lycos im Rahmen eines Aktientauschs für 12,5 Milliarden Dollar übernehmen. Sollten die Regulierungsbehörden dem Deal zustimmen, entstünde ein transatlantisches Unternehmen mit Internet-Präsenz in den USA, Europa und Lateinamerika.

Nach der Zusammenlegung der Unternehmen, das unter Terra Lycos Inc. firmieren wird, soll eine Kapitalerhöhung von zwei Milliarden Dollar durchgeführt werden. Lycos-Partner Bertelsmann und die Terra-Mutter Telefónica wollen zudem innerhalb der nächsten fünf Jahre Geschäfte im Wert von einer Milliarde Dollar mit Terra Lycos tätigen. Chef der kombinierten Company wird Robert Davis, bislang CEO (Chief Executive Officer) von Lycos. Juan Villalonga, der zur Zeit als Chairman bei der Telefónica und Terra beschäftigt ist, übernimmt die gleiche Position bei Terra Lycos. Das kombinierte Unternehmen wird eine amerikanische und eine spanische Hauptniederlassung besitzen.

Analysten bewerten den Deal positiv. Nach Ansicht eines Marktexperten vom Internet-Forschungsunternehmen Jupiter Communications vermittelte Lycos in letzter Zeit den Eindruck von Tatenlosigkeit. Es habe zudem mit den Top-Portalen Yahoo, AOL und MSN nicht mehr mithalten können. "Es ist gut, dass Lycos die Kurve jetzt kratzt, wo es dem Unternehmen noch gut geht," erklärte er. Lycos, das sich zunehmend schwer tat, sich von den Marktführern zu differenzieren, erhält durch den Merger mit Terra Zugang zu dem wachsenden spanisch- und portugiesisch-sprachigen Internet-Markt. Online-Dienst Terra wiederum verschafft sich Präsenz im nordamerikanischen Markt und rüstet sich für die Konkurrenz, die im Gegensatz zu ihm bereits zunehmend kostenlosen Internet-Zugang anbietet. Zu Terra Lycos gehören künftig mehrere weltweite Top-Ten-Websites und Suchmaschinen wie Tripod und Fireball. Zudem erhält das kombinierte Unternehmen Exklusivrechte auf den deutschen

Internet-Service-Provider Commundo, der zu dem Joint Venture Lycos Europe von Lycos und Bertelsmann gehört. Zur Verfügung stehen damit auch Inhalte des deutschen Medienriesen.

Der Deal selbst wurde von beiden Unternehmen in rasantem Tempo besiegelt. Vor ein paar Wochen nahmen Führungskräfte von Terra und Lycos den ersten Kontakt auf. Die letzten Details wurden zwölf Stunden vor der Bekanntgabe des Mergers ausgearbeitet. Einer der Berater erklärte: "Alles ging sehr, sehr glatt." Das einzige große Problem bei den Verhandlungen sei der Zeitunterschied von sechs Stunden zwischen Madrid und Boston gewesen, hieß es.