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Telekom-Gehälter: Einsicht und Einigung

01.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Telekom-Chef Ron Sommer bedauert sein Zögern in der Diskussion über die umstrittenen Aktienoptionen. In einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel" erklärte Sommer, der Vorstand hätte schneller und früher auf diesen wesentlichen Teil des Einkommens verzichten können.

Auf der Hauptversammlung Ende Mai hatten die Kleinaktionäre der Deutschen Telekom Sommer und seine Kollegen wegen ihrer um 90 Prozent gestiegenen Bezüge im vergangenen Jahr kritisiert (Computerwoche online berichtete). Erst drei Wochen später gaben die Topmanager klein bei und verzichteten freiwillig auf ihre Aktienoptionen in Höhe von 1,7 Millionen Aktien für das laufende Jahr (Computerwoche online berichtete). An der Erhöhung der Bezüge von 9,2 Millionen auf 17,4 Millionen Euro hielten die Vorstände jedoch fest.

Mehr Mühen musste die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bei den Tarifverhandlungen für die rund 130.000 Beschäftigungen der Telekom aufbringen. Nach fast 35-stündigen Diskussionen einigten sich die beiden Streitparteien auf einen "tragfähigen Kompromiss". Gemäß dem neuen Tarifvertrag erhalten die Arbeitnehmer ab Juli 4,1 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Am 1. Mai nächsten Jahres soll dann eine weitere Erhöhung um 3,2 Prozent folgen. Das Gesamtvolumen des Abschlusses beträgt knapp 3,3 Prozent. Bei einer Laufzeit von zwei Jahren sind darin auch zwei Leermonate enthalten, in denen die Einkommen unverändert bleiben. Nur Auszubildende erhalten für Mai und Juni 2002 eine Sonderzahlung.

Gleichzeitig wurde die Gründung einer eigenen Beschäftigungsagentur für die Telekom vereinbart. Damit soll es Beschäftigten ermöglicht werden, sich für neue Aufgaben inner- und außerhalb des Konzerns zu qualifizieren. Telekom-Personalvorstand Heinz Klinkhammer hofft, dass mit dieser Einrichtung Entlassungen vermieden werden können. Der TK-Konzern will bis Ende 2004 nochmals rund 22.000 Stellen abbauen. Außerdem versprach die Telekom, auch im kommenden Jahr 4000 Ausbildungsplätze zu schaffen. Alle derzeitigen Lehrlinge sollen nach Ende ihrer Ausbildung zumindest zwölf Monate übernommen werden, mindestens jeder zweite Auszubildende bekommt anschließend auch einen dauerhaften Arbeitsplatz. Bislang waren alle Lehrlinge übernommen worden. (mb)