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Sun hat Datenbank-Company Clustra übernommen

19.03.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Erst gestern wurde bekannt, dass Sun Microsystems bereits vor einigen Wochen den Highend-Datenbankanbieter Clustra Systems übernommen hat. Dieser hatte Mitte dieses Jahres in einer zweiten Finanzierungsrunde 22 Millionen Dollar erhalten; Sun gehörte damals bereits zu den Investoren (Computerwoche online berichtete). Finanzielle Details des Deals wurden nicht veröffentlicht.

Clustra wurde 1997 in Boston gegründet und bietet eine hoch verfügbare SQL-Datenbank an, die anfänglich vor allem auf Telcos und andere Service Provider abzielte. Die Technik basierte auf Grundlagenforschung von Telenor, von wo auch ein Großteil der Mannschaft stammte. Die Firma zog anschließend um nach Morristown, New Jersey und schließlich nach Oakland im Silicon Valley. CEO (Chief Executive Officer) war der frühere Informix-, Angara-Database- und Sun-Manager Gary Ebersole.

Sun war nach Einschätzung von "Computerwire" offenbar zu dem Schluss gekommen, dass Clustras Technik recht gut zu seiner iPlanet-Produktpalette und zur Netzarchitektur "ONE" (Open Network Environment) passt, mit der das Unternehmen gegen Microsofts ".Net" und IBMs Mischmasch aus "Websphere" und Java-Techniken antritt. Außerdem war Clustras geistiges Eigentum offenbar zu wertvoll, um die Hände der Konkurrenz (hier sind sicher auch Oracle und Sybase zu nennen) zu fallen.

Clustra hatte die Version 4.1 seiner Datenbank im November 2001 vorgestellt. Dies war der erste Schritt weg von einer hoch spezialisierten Telecom- zu einer eher generalistischen Datenbank. Allerdings war das Timing schlecht - der TK-Markt war bereits zusammengebrochen, und der Rest der Branche hatte ebenfalls bereits andere Dinge im Kopf, als sich mit einer möglicherweise idealen Datenbank für E-Business zu beschäftigen.

Das Produkt unterstützt eine große Zahl gleichzeitiger, einfacher Abfragen und bietet höheren Durchsatz und schnellere Antwortzeiten als herkömmliche relationale Datenbanken. Die Hochverfügbarkeit wird durch paralleles Clustering erreicht und nicht durch Spiegelung über mehrere Server oder mehrere Partitionen eines Servers. Jeder Cluster-Knoten dient dabei gleichzeitig als primäre und produktive Datenbank-Engine wie auch als Backup für einen anderen Node. Der entsprechende Overhead ist bereits integriert, so dass im Falle eines Backup-Jobs keine zusätzliche Last anfällt.

Die High Availability gilt deswegen nicht für einzelne Knoten, sondern (nur) für das gesamte Clustra-Netz. Der Hersteller verspricht, dass auch dank Algrorithmen für die "Selbstheilung" eine Mean Time Between Failures (MTBF) von 50 Jahren sowie eine Recovery nach einem Absturz binnen 90 Minuten machbar seien. Konzipiert ist die Clustra-Datenbank für einen Cluster aus vier Server- und zwei Backup-Nodes, wobei durch SMP (Symmetrical Multiprocessing) die Leistung steigt. Das Design gestattet laut Hersteller 1000 Transaktionen pro Minute mit durchschnittlicher Antwortzeit kleiner 15 Millisekunden. Die Downtime soll unter zwei Minuten pro Jahr betragen, die Skalierbarkeit praktisch linear sein.

Fragt sich nun, was Sun - von Haus aus kein Datenbankanbieter - mit dieser Technik anfängt. Denkbar wäre beispielsweise eine Lizenzierung an die Spezialisten Oracle, IBM, Microsoft etc., damit diese ihre Produkte zuverlässiger machen können - dann aber vermutlich und falls möglich gekoppelt an das iPlanet-Portfolio. Die Clustra-Datenbank unterstützt als Betriebssysteme Solaris, Linux, FreeBSD und Windows. (tc)