Webcast

So nutzt Vorwerk die Cloud

05.09.2017
Um den Kunden ihres Thermomix mehr Funktionalitäten zu bieten, arbeitet Vorwerk mit der Cloud. Ein Webcast der Computerwoche schildert den Use Case.
In der Küche - und in der Cloud: der Thermomix zählt zu Vorwerks bekanntesten Produkten.
In der Küche - und in der Cloud: der Thermomix zählt zu Vorwerks bekanntesten Produkten.
Foto: Vorwerk

Schneller auf die Wünsche der Kunden reagieren - dafür nutzt Vorwerk, bekannt unter anderem für den Thermomix, Cloud Computing. Wie, zeigt ein Webcast der Computerwoche.

Stefan Motz, Head of Digital Architecture bei Vorwerk Digital erklärt, welche Amazon Web Services (AWS)-Tools er einsetzt. Er diskutiert darüber mit Markus Tillmann, Executive Vice President bei der Mindcurv Group, der das Projekt von Anfang an begleitet hat, und Sascha Möllering, Solutions Architekt bei AWS. Fachjournalist Arne Arnold moderiert den Webcast.

Berater Tillmann beginnt mit einer Bestandsaufnahme: "Internet of Things (IoT) ist ein Thema - viele Projekte kommen über die Proof-of-Concept-Phase nicht hinaus". Warum, kann er erklären: "Man möchte sich nicht im großen Stil committen. Und zwar wegen des Investitionsbedarfs."

Vorwerk hatte diese Scheu nicht. Das Unternehmen bietet mit seinem Thermomix heute sozusagen einen Kochtopf, der ans Internet angeschlossen ist. Motz versteht Vorwerk als Traditionsunternehmen, das in Teilen eine Startup-Kultur pflegt. "Der Thermomix ist auch ohne Digitalisierung ein funktionierendes Produkt", resümmiert er, "die digitalen Services sind das I-Tüpfelchen obendrauf." Im Zuge dessen schafft Vorwerk nicht nur ein digitales Produkt, sondern baut ein Ecosystem drumherum. So findet der Kunde auf der Plattform Cookidoo Rezepte oder kann im Webshop einkaufen. "Wir erstellen jedes Rezept im Haus selbst", betont Motz. Die digitalen Rezepte erklären dem Nutzer Schritt für Schritt, wie er das Gericht kochen muss. Wer nicht aus dem Haus will, lässt sich zu Zutaten vom Lieferservice des Einzelhändlers Rewe liefern.

Vorwerk hat jetzt einen Customer Love Manager

Bei den selbst erstellten Rezepten hakt Tillmann ein. "Viele Firmen unterschätzen die Anforderungen an den Content kolossal", sagt er. Motz berichtet, das Vorwerk neue Berufsbilder geschaffen hat. So gibt es nun einen Recipe Marketier, der für die Content-Bereitstellung zuständig ist. Ein Customer Love Manager fokussiert sich auf den und erweitert ständig den Kundenservice.

Moderator Arnold holt ein Stimmungsbild unter den Zuschauern des Webcasts ein. Welche Ziele verbinden sie mit dem IoT und wo sehen sie die größten Hemmnisse? Und Ad-hoc-Umfrage ergibt folgendes Bild: Wichtigste Ziele sind der Connected Customer mit 54 Prozent der Nennungen sowie Automatische Diagnosesysteme (46 Prozent) und die Smart Factory (43 Prozent). Als größte Hemmnisse geben 42 Prozent der User an, die digitale Transformation sei bei ihnen noch nicht so weit. Ebenso viele beklagen einen Mangel an Fachkräften und Knowhow. 37 Prozent sprechen von Sicherheitsbedenken.

Ein Meinungsbild, das Tillmann nicht überrascht. "Man muss den Herren im Vorstand erklären, welche Chancen sie sich nehmen, wenn sie das Thema wegschieben", seufzt der Berater. In Sachen Consumer käme oft das Marketing auf die Idee, man müsste " Produkte aufladen". Nicht selten bekommt Tillman Mitte Dezember Anrufe mit der Aussage: "Wir wollen zur nächsten CeBit was präsentieren!". Die Voraussetzungen dafür seien dann "entsprechend".

"Wenn ein Service nicht funktioniert, sagt der Kunde, das Gerät ist schlecht"

Hier schaltet sich ein Webcast-Zuschauer ein. Er sorgt sich wegen rechtlicher Hürden. Dazu Tillmann: "Kundendatenschutz hat absolute Priorität!" Vorwerk ist teilweise in der Private Cloud (mit dem E-Shop und dem ERP-System) und teilweise bei AWS, wo beispielsweise viele Microservices liegen. AWS-Solutions Architect Möllering erklärt: "Sicherheit ist kein Zustand, den man irgendwann mal erreicht, sondern immer ein Prozess". Jedes Sicherheitskonzept muss ein Matching gegen die Best Practices bieten.

Im Falle von Vorwerk hat das Thema Sicherheit aber auch eine ganz handfeste Seite. Eine Küchenmaschine, die mit hoher Drehzahl häckseln kann, darf nicht fernsteuerbar sein. Und natürlich muss sie rund um die Uhr laufen: "Die Erwartung des Endkunden ist wie beim Wasserwerk: Das Wasser muss rund und die Uhr aus dem Hahn kommen", zieht Tillmann einen bildhaften Vergleich. Er mahnt: "Wenn ein Service nicht funktioniert, sagt der Kunde, das Gerät ist schlecht." Das heißt, der Kunde muss auch rund um die Uhr an alle nötigen Informationen kommen, die er zum Kochen im Thermomix braucht. Tillmann: "Wenn sehr viele Geräte im Markt sind, und es gibt einen Fehler, melden sich plötzlich sehr viele Kunden mit Beschwerden. Da darf die Hotline nicht zusammenbrechen."

Bis 2020 rund 26 Milliarden verbundener Geräte installiert

Einer der Webcast-Zuschauer meldet sich zu Wort. Wie viele Stunden Vorwerk in die Digitalisierung des Thermomix gesteckt habe und wie groß das Entwicklerteam ist, will er wissen. Motz will keine konkreten Zahlen nennen, spricht aber von einem "großen Projekt", das gedanklich bereits 2011/2012 angefangen hat. Auch die neuen Berufsfelder gehören ja zu dem Projekt dazu.

Ein weiteres Thema des Webcasts: Das Industrial Internet of Things ist noch einmal eine ganz andere Welt. Dazu AWS-Solutions Architect Möllering: "Da spielen Fragen eine Rolle wie die, ob meine Fabrik in Südostasien einen durchgängigen Internetanschluss hat, oder, von welchen Datenformaten wir sprechen", sagt er. Laut einer Studie des US-Marktforschers Gartner werden bis 2020 etwa 26 Milliarden verbundene Geräte installiert. Sinkende Preise für Sensoren und Prozessoren machen es möglich. Möllering: "Das ist ein sehr spannendes Thema!"

Hier den Webcast ansehen