Tagebuch eines Redakteurs – Teil 1

So erleben wir die Corona-Krise

16.03.2020
Von 
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Kitas und Schulen geschlossen, Dienstreisen abgesagt, Home-Office angeordnet – wie arbeitet es sich in Corona-Zeiten? Wir schildern unsere Erfahrungen.
Das Coronavirus wirbelt das Geschäftsleben kräftig durcheinander.
Das Coronavirus wirbelt das Geschäftsleben kräftig durcheinander.
Foto: Mongkolchon Akesin - shutterstock.com

Das Jahr 2020 hatte eigentlich so schön begonnen. Umsatzziele erreicht, alle Forecasts im Plan. Und von redaktioneller Seite besonders spannend: Das Frühjahr versprach viele interessante Veranstaltungen, Pressekonferenzen sowie Messen rund um zukunftsträchtige Themen wie 5G, KI, Digitalisierung, Smart Factory oder Cloud Computing. Doch der erste Paukenschlag erfolgte Ende Februar, mitten in der Karnevalszeit: Mit dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona wurde die weltgrößte Mobilfunkmesse abgesagt.

Die ersten COVID-bedingten Absagen

Danach ging es Schlag auf Schlag. Während wir Redakteure noch die Enttäuschung der MWC-Absage verdauen mussten, löste sich eine Lawine: Messen, Kongresse, Presse-Events, alles stand in Frage. Noch waren die Einschläge fern und beeinflussten die eigene Arbeit nur marginal. Wenn man sich schon nicht auf einer Messe etc. trifft, dann zumindest zu einem kleinen Meeting als Hintergrundgespräch in der Redaktion. Eine gewisse Arbeitsnormalität und die journalistische Informationsbeschaffung schienen gesichert.

Mit dieser trügerischen Sicherheit war es jedoch nach den Faschingsferien (in anderen Bundesländern als Skiferien bekannt) vorbei. Landauf, landab erließen Unternehmen aufgrund der Corona-Verbreitung neue Reise-Policies. Allgemeiner Tenor: Dienstreisen sind zu vermeiden, wenn nicht gar ganz zu unterlassen. Und so mancher Geschäftspartner verabschiedete sich ins Home-Office, da seine Company so eine mögliche Infektionsverbreitung unter der Belegschaft verhindern will/wollte. Damit war es mit der Normalität vorbei und Hektik kam auf. Termine, die am Vortag vereinbart wurden, mussten am nächsten Tag wieder storniert werden. Teilweise waren Verabredungen aufgrund der aktuellen Entwicklungen schon in Stundenfrist wieder obsolet.

Ein Coronavirus-Notfallplan

Business-Kontinuität dank Home-Office.
Business-Kontinuität dank Home-Office.
Foto: LStockStudio - shutterstock.com

Hinzu kamen die persönlichen Sorgen. So musste - angesichts der Nähe zum Corona-Hotspot Norditalien - ein Notfallplan für die Redaktion her: Sollte offiziell eine Quarantäne angeordnet werden oder ein Kollege in einem Risikogebiet gewesen sein oder Kontakt zu einer Risikoperson gehabt haben, muss im Home-Office weitergearbeitet werden. Auf diese Weise wäre die Kontinuität unserer Business-Prozesse gewährleistet und der betroffene Kollege müsste sich keine Gedanken um Lohnausfall etc. machen. Eine Regelung, die jetzt auch bei Schließung der Kitas und Schulen gelten soll, wenn die eigenen Kinder zu betreuen sind.

Jetzt zahlte sich aus, dass in den letzten Jahren mehr und mehr Prozesse in die Cloud verlagert wurden und eigentlich all unsere Arbeitsplätze Home-Office-fähig sind. Erleichternd kam hinzu, dass zumindest in der Redaktion alle Journalisten bereits Mobile Worker sind, also mit Notebooks ausgerüstet sind. Damit bleibt uns zumindest erspart, was uns aus anderen Unternehmen zugetragen wird: Mitarbeiter marschieren abends mit dem Desktop-Computer unter dem Arm aus dem Office, um dann im Home-Office weiterarbeiten zu können.

Home-Office vorab testen

Allerdings sollte sich niemand angesichts solch guter Vorausetzungen in einer allzu trügerischen Sicherheit wähnen, denn der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Deshalb kann vor allem den Home-Office-Pionieren nur geraten werden, einmal das Arbeiten von zuhause vor dem Eintritt des Ernstfalls zu testen. Trotz einer nahezu optimalen Aufstellung offenbarten sich auch bei uns schnell versteckte Mängel. Mal war das Zertifikat des VPNs abgelaufen, weil schon lange nicht genutzt, mal funktionierte das VoIP-Softphone von extern nicht mit dem TK-Server, mal verweigerten Server und VoIP-Client die Zusammenarbeit, da beide genau den gleichen Release-Stand benötigen. Solche und andere Unwägbarkeiten sollten also bereits vor Eintritt des Krisenfalls gefunden und abgestellt werden, um dann wirklich eine Business Continuity gewährleisten zu können.

In der nächsten Woche lesen Sie: "Corona greift das Business an - Videoconferencing als Abwehrwaffe"